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Kontroverse um Pflegegeld als Lohnersatz für pflegende Angehörige

Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) spricht sich für ein Pflegegeld als Lohnersatz für pflegende Angehörige aus, stößt damit aber auf Kritik des Arbeitgeberverbands Pflege. Simone Fischer (Grüne), Sprecherin für Pflegepolitik, sieht den Vorstoß der Ministerin positiv.

Älterer Mann und ein Angestellter eines Altenheims blättern gemeinsam in einem Buch oder Fotoalbum
Sollen pPflegende Angehörige einen Lohnersatz bekommen? Das stellt die Bundespolitik in Aussicht. Foto: AdobeStock/Studio Romantic

Laut den Zeitungen der Funke Mediengruppe begründet Prien ihren Vorstoß mit der demografischen Entwicklung: „Es wird nicht möglich sein, dass Pflege allein von Fachkräften geleistet wird.“ Die Ministerin sieht einen Einstieg in ein Pflegegeld als Lohnersatz für pflegende Angehörige als notwendig an. Allerdings macht sie die Einführung einer solchen Leistung von der wirtschaftlichen Entwicklung abhängig.

Der Arbeitgeberverband Pflege (AGVP) warnt vor möglichen negativen Folgen eines Familienpflegegeldes. AGVP-Präsident Thomas Greiner sieht darin falsche Anreize: „Er belohnt den Ausstieg aus dem Erwerbsleben und entzieht unserer Wirtschaft dringend benötigte Fachkräfte.“

Greiner betont, dass vor allem Frauen betroffen wären, da sie bereits jetzt etwa zwei Drittel der pflegenden Angehörigen ausmachen. Der Verband befürchtet, dass ein Familienpflegegeld veraltete Rollenbilder zementieren und den Gender-Pay-Gap vergrößern könnte.

Unterschiedliche Positionen zur Unterstützung pflegender Angehöriger

Während der AGVP für weniger Bürokratie, flexible Pflegeangebote und verlässlich verfügbare Pflegeplätze plädiert, sieht Simone Fischer (Grüne), Sprecherin für Pflegepolitik, den Vorstoß der Ministerin positiv. Fischer betont laut einer Erklärung: „Nicht nur Erwerbsarbeit ist Arbeit – auch Care-Arbeit verdient gesellschaftliche Anerkennung und finanzielle Absicherung.“

Fischer fordert, dass eine mögliche Lohnersatzleistung unbürokratisch und unabhängig von Lebensform und Verwandtschaftsverhältnis in Anspruch genommen werden können sollte.

Die Umsetzung eines Familienpflegegeldes bleibt vorerst unklar. Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung heißt es dazu: „Wir prüfen, wie perspektivisch ein Familienpflegegeld eingeführt werden kann.“ Ministerin Prien deutet an, dass verschiedene Varianten denkbar seien, etwa hinsichtlich Bezugsdauer, Höhe und sozialer Staffelung.

Die Debatte um das Familienpflegegeld verdeutlicht die Herausforderungen, vor denen Deutschland angesichts des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels in der Pflege steht. Es bleibt abzuwarten, wie die Bundesregierung diese komplexe Aufgabe angehen und dabei die verschiedenen Interessen berücksichtigen wird.