News
Schölkopf: Prävention stärken und Sektorengrenzen aufbrechen
Martin Schölkopf vom BMG warnt: Ohne das Pflegereformgesetz PNOG drohen der Pflegeversicherung bis 2028 Defizite von 15 Milliarden Euro pro Jahr. Auf der Tagung „Wind of Change 2026″ der Domino Coaching Stiftung an der Alice Salomon Hochschule Berlin erläuterte er am 16. September 2026, dass die Rolle der Prävention in Zukunft deutlich gestärkt werden müsse.
Beim Thema Prävention sieht Dr. Martin Schölkopf, Leiter der Abteilung Pflegeversicherung im Bundesministerium für Gesundheit, trotz gesetzlichen Auftrags der Pflegeversicherung große Lücken: „Die Vermeidung von Pflegebedürftigkeit und die Verhinderung ihrer Verschlimmerung ist eigentlich seit jeher Ziel der Pflegeversicherung – so steht es im Gesetz. Wir sind aber weit davon entfernt. Im Augenblick sind auch die leistungsrechtlichen Anreize so gesetzt, dass Betroffene möglichst frühzeitig ins System kommen und sobald es angezeigt ist, eine Neubegutachtung zur Höherstufung anstreben.“ Insgesamt sollte das Ziel für alle sein, Pflegebedürftigkeit möglichst zu vermeiden, zu verzögern und die Verschlimmerung zu verhindern. „Da fehlen mir nach wie vor Ansätze – sowohl in der Kranken- als auch in der Pflegeversicherung“, so Schölkopf in seinem Vortrag am 16. September 2026 in Berlin. Konzepte wie das von Domino Coaching müssten bekannter werden. „Was der Gesetzgeber nicht kann, ist in die Einrichtungen hineinregieren. Dafür brauchen wir gute Beispiele. Wir haben aber noch ein paar Ideen, den Präventionsansatz im Gesetz mit stärkeren Anreizen zu unterlegen“, so Schölkopf.
Beweislast bei Reha wird umgekehrt
Beim Thema Rehabilitation nennt Schölkopf ein „Rehapotenzial von mindestens zehn Prozent“, die tatsächliche Quote liege bei zwei Prozent. Das sei nicht akzeptabel. Deshalb solle künftig der Medizinische Dienst regelmäßig begründen, warum bei einem Betroffenen kein Rehapotenzial mehr vorhanden sei. Im Einzelfall bleibe es schwierig, Betroffene von einer Reha zu überzeugen – da komme es auf die Gutachterinnen und Gutachter an, das überzeugend darzustellen.
Beratung soll präventiver werden
Auch mit den bestehenden Beratungsansprüchen sei das Ministerium „überhaupt nicht zufrieden“. Oft würden die Kassen nur „einen Zettel mit Pflegeangeboten“ aushändigen. Die Beratung nach § 37 Abs. 3 SGB XI ziele faktisch darauf, dass das Pflegegeld weitergezahlt werde, nicht darauf, den Haushalt beim Pflegearrangement zu unterstützen, so Schölkopf. Die Pflegebegleitung solle künftig präventive Aspekte enthalten und Pflegesettings stabilisieren, die Durchführenden würden stärker qualifiziert. „Die Pflegedienste bringen in der Beratung eine große Leistung, sie müssen stärker berücksichtigt werden“, sagte Schölkopf.
Pflegetechnikschlüssel und Öffnungen im SGB XI
Für die stationären Pflege gebe es die Idee, einen Teil des schwer verfügbaren Personals über eine Art Pflegetechnikschlüssel durch personalkompensierende Maßnahmen zu ersetzen. Für Einrichtungen, die mit den Pflegekassen neue Wege gehen wollten, würden individuelle Möglichkeiten geschaffen, vom Regelwerk des SGB XI abzuweichen. „Wir wollen weg von diesen Sektoren. Perspektive für die nächsten Jahre ist, dass wir mehr unterschiedliche Angebote bekommen, nicht so streng getrennt wie heute.“ Modelle wie „stambulant“ seien ein Beispiel für innovative Ansätze.
PNOG Ende September im Kabinett
Zum PNOG sagte Schölkopf: „Wir haben eine Reform vorbereitet, die nicht allen gefällt. Sie muss jetzt ins Kabinett und in den Bundestag. Aber sie muss zum 1. Januar 2027 in Kraft treten.“ Im parlamentarischen Prozess werde es sicherlich Abänderungen geben. Denn es drohten Defizite von bis zu 15 Milliarden Euro. Im kommenden Jahr lägen die Defizite rechnerisch bei 7,5 Milliarden Euro, 2028 bei 15 Milliarden. „Wir müssen sparen und das System wieder in Balance bringen“, betonte Schölkopf.
Susanne El-Nawab
Mehr zum Thema auf dem Altenheim Management Kongress.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Sie haben noch kein Konto?
Jetzt registrieren