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Heimbetreiber scheitert am Quadratmeter – 68 Bewohner betroffen

Ein Heim für Sucht- und psychisch kranke Menschen in Tittmoning muss Ende August schließen, weil acht Zimmer im geplanten neuen Standort je einen Quadratmeter zu klein sind. Die Behörden verweigerten die Betriebsgenehmigung für den Umzug. 68 Bewohner verlieren ihr Zuhause, 130 Mitarbeiter ihren Job.

Geschäftsführer Martin Nell betont: Das Konzept wäre mit den von der Behörde vorgeschlagenen 98 Plätzen nicht wirtschaftlich gewesen. Foto: Adobe Stock/ Friedberg

Laut einer Reportage der Süddeutschen Zeitung steht das Therapiezentrum in Tittmoning vor dem Aus. Nachdem das angeschlossene Seniorenpflegeheim bereits im Februar schließen musste, hatte der Betreiber geplant, das Heim für Sucht- und psychisch Kranke in das neuere, hellere Gebäude des ehemaligen Pflegeheims umzuziehen. Doch die zuständige Fachstelle für Pflege- und Behinderteneinrichtungen (FQA) des Landratsamts Traunstein verweigerte die Genehmigung.

Pflegeheim Domus Mea bereits im Februar geschlossen

Die Probleme begannen Anfang 2024 im Seniorenpflegeheim Domus Mea. Aufgrund des Fachkräftemangels geriet die Einrichtung in finanzielle Schwierigkeiten. Teure Leiharbeit und notwendige Reparaturen belasteten die Finanzen zusätzlich. Ende 2024 spitzte sich die Lage dramatisch zu, als am 1. November kein Personal für den Nachtdienst zur Verfügung stand und Geschäftsführer Martin Nell selbst einspringen musste.

Im Januar 2025 meldete Nell für den Pflegebereich Insolvenz an, im Februar folgte die endgültige Schließung des Seniorenheims. Dies schuf zunächst Hoffnung für das benachbarte Therapiezentrum, das die frei gewordenen Räumlichkeiten nutzen wollte, um Pacht zu sparen und sogar zusätzliche Therapieplätze anzubieten.

Streit um Zimmergröße und Wirtschaftlichkeit

Der Grund für die Ablehnung des Umzugs: Acht Zimmer im ehemaligen Pflegeheim unterschreiten die gesetzlich vorgeschriebene Mindestgröße von 14 Quadratmetern für Einzelzimmer um etwa einen Quadratmeter. Bei der Berechnung wurden Balkonflächen und Bereiche, in die sich Türen öffnen, nicht als bewohnbare Fläche anerkannt.

„Wir müssen in unseren alten, kleineren Räumlichkeiten bleiben – wegen eines Quadratmeters“, kritisiert Stefanie Springl, Leiterin der Arbeits- und Beschäftigungstherapie, gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Paradoxerweise sind die Zimmer im alten Gebäude durch Bestandsschutz genehmigt, obwohl viele davon deutlich kleiner sind als die abgelehnten Räume im neuen Gebäude.

Unterschiedliche Darstellungen zur Schließung

Das Landratsamt Traunstein betont, die fehlenden Quadratmeter seien nicht der eigentliche Grund für die Schließung gewesen. Vielmehr verweist die Behörde auf die wirtschaftliche Schieflage der Einrichtung, bauliche Mängel und einen Investitionsstau. Man habe dem Betreiber vorgeschlagen, den Betrieb mit weniger Therapieplätzen fortzuführen.

Geschäftsführer Martin Nell widerspricht: Das Konzept wäre mit den von der Behörde vorgeschlagenen 98 Plätzen nicht wirtschaftlich gewesen – mit 103 Plätzen hingegen schon. Zudem habe der Vermieter, die Investmentfirma Swiss Life, zugesichert, in den Brandschutz zu investieren, sei jedoch nicht bereit gewesen, die Vergrößerung der Räume zu finanzieren.