Blog
Haushaltshilfe kürzen? – Ein falsches Signal an Pflegebedürftige
Der Vorschlag, die Zuschüsse für haushaltsnahe Dienstleistungen zu kürzen, zeigt, wie wenig die Lebensrealität von Pflegebedürftigen verstanden wird. Elisabeth Scharfenberg erklärt im Blog von Altenheim Online, warum die Haushaltshilfe unverzichtbar ist.
Von Elisabeth Scharfenberg
Die Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Katrin Staffler, hat kürzlich vorgeschlagen, die bislang monatlich gewährten 131 Euro für haushaltsnahe Dienstleistungen künftig nicht mehr allen Pflegebedürftigen automatisch zur Verfügung zu stellen. Ihrer Auffassung nach sei es „nicht zielführend“, wenn dieses Geld beispielsweise für eine Putzhilfe verwendet werde, da dies nicht zur Aktivierung der Pflegebedürftigen beitrage.
Dieser Vorschlag hat bundesweit für Kritik gesorgt – und das zu Recht. Denn er rückt eine wichtige Form der Unterstützung in ein fragwürdiges Licht. Wenn Pflegebedürftige Geld für eine Haushaltshilfe einsetzen, dann tun sie das nicht aus Bequemlichkeit. Sie tun es, weil sie auf Hilfe angewiesen sind – für Sauberkeit, Ordnung und ein würdevolles Leben in den eigenen vier Wänden.
Die pauschale Aussage, dass eine Putzkraft nicht „hilfreich“ sei, verkennt die Lebensrealität vieler Menschen mit Pflegebedarf. Es geht hier nicht um eine Leistung, die man streichen sollte, sondern um eine, die wir stärken müssten. Denn viele Betroffene scheitern heute schon an der Bürokratie: Die Inanspruchnahme dieser Leistungen ist oft kompliziert, geeignete Anbieter sind schwer zu finden, und nicht selten bleiben die Beträge ungenutzt – nicht wegen mangelnden Bedarfs, sondern wegen struktureller Hürden.
Statt die Leistung zu begrenzen, sollten wir die Rahmenbedingungen verbessern. Warum nicht mehr Beratungsangebote schaffen, wie diese Mittel genutzt werden können? Warum nicht Modelle fördern, die niedrigschwellig und unbürokratisch funktionieren?
Eine Einschränkung der Leistungen für haushaltsnahe Hilfeleistungen würde zudem den Eindruck erwecken, dass Selbstständigkeit nur durch Verzicht zu erreichen sei. Dabei bedeutet Selbstständigkeit für viele Pflegebedürftige gerade auch, Hilfe annehmen zu können – und selbst zu entscheiden, wofür.
Pflegepolitik sollte den Alltag der Menschen erleichtern, nicht zusätzlich belasten. Wer möchte, dass Pflegebedürftige möglichst lange selbstbestimmt zuhause leben können, sollte haushaltsnahe Unterstützung nicht zur Nebensache machen.
Die Kritik von Sozialverbänden, Pflegeexpertinnen sowie Pflegeexperten und auch vielen Betroffenen ist daher für mich mehr als verständlich. Es geht nicht um eine symbolische Debatte, sondern um konkrete Lebensqualität – Tag für Tag. Wir brauchen eine Pflegepolitik, die nicht nur spart, sondern versteht. Und die anerkennt, dass Putzen, Kochen, Waschen eben keine Randthemen sind – sondern Grundbedingungen für ein gutes Leben im Alter.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Sie haben noch kein Konto?
Jetzt registrieren