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Halbzeit beim größten Bauprojekt der BRK-Familie

Auf der Großbaustelle am Münchner Kieferngarten ist ein wichtiger Meilenstein erreicht: Halbzeit. Mit dem fertiggestellten Haus D und dem Start der Rohbauarbeiten für Haus E feiert das Neubauprojekt der Sozialservice-Gesellschaft (SSG) Bergfest. Es ist das größte Bauvorhaben in der Geschichte der BRK-Familie – und eines, das den Standort nachhaltig prägen wird.

Haus D, das Hochhaus mit elf Etagen, ist bereits seit Mitte 2025 in Betrieb. Foto: SSG

Von Michael Sudahl

Haus D, das markante Hochhaus mit elf Geschossen, ist bereits seit Mitte des vergangenen Jahres in Betrieb. Stationäre Pflege, Verwaltung, Konferenzzone sowie die Landesgeschäftsstelle des BRK sind im Laufe des vergangenen Jahres eingezogen. „Das erste Gebäude des ersten Bauabschnitts ist fertig und in Betrieb“, sagt Bauingenieurin Claudia Winkler, die das Projekt für die SSG leitet. Zuletzt bezog Ende Oktober die Landesgeschäftsstelle die oberen Etagen, seither sind dort die Verwaltungen von SSG und BRK unter einem Dach vereint.

Mit Haus E beginnt nun die zweite Hälfte des nächsten Bauabschnitts. Nach dem Abbruch der Bestandsgebäude läuft aktuell der Baugrubenverbau, Anfang Februar starten die Rohbauarbeiten. Haus E wird flacher, dafür breiter als das Hochhaus – funktional jedoch nicht weniger bedeutend. Geplant sind 120 Plätze stationäre Pflege in den Obergeschossen, eine neue Tagespflege, die Verwaltung der Pflege, Technik- und Umkleidebereiche sowie im Erdgeschoss eine neue Versammlungsstätte mit Café. „Das Café ist ein neues, zusätzliches Angebot für alle Nutzer – für Mitarbeitende, Angehörige, Besucher und Bewohner“, so Winkler.

Beide Neubauten wachsen dabei nicht isoliert, sondern als Ensemble: Unterirdisch sowie in mehreren Geschossen werden D und E miteinander verbunden, inklusive der Tiefgarage. Ein Großteil dieser Garage wurde bereits mit Haus D realisiert, mit Haus E kommen erhält das Quartier 102 Stellplätze hinzu. Insgesamt entstehen so kurze Wege und ein zusammenhängendes Areal – auch unter der Erde.

In Zahlen bedeutet das: Haus E bringt rund 9.500 Quadratmeter Bruttogeschossfläche mit, dazu etwa 3.000 Quadratmeter Tiefgarage. Inhaltlich greifen beide Gebäude ineinander – ebenso wie die künftige Nutzung: Wenn die stationäre Pflege Ende 2027/Anfang 2028 aus den Interimslösungen in Haus E umzieht, werden die bisherigen Pflegebereiche in Haus D zu 66 betreuten Apartments umgebaut. Der Kieferngarten kommt damit insgesamt auf rund 520 betreute Wohnungen – ein deutlicher Ausbau des Angebots mit den drei vorhandenen Türmen (A-C) aus den 1970-er Jahren.

Trotz einzelner Herausforderungen zieht die Projektleitung eine positive Zwischenbilanz. „Für die Größe und Komplexität haben wir insgesamt sehr zügig gebaut“, sagt Winkler. Der Rohbau für Haus D startete Ende 2022, bereits im Mai 2025 konnte der Betrieb aufgenommen werden. Auch finanziell bleibt das Projekt im Rahmen: Die Mehrkosten liegen im einstelligen Prozentbereich über dem ursprünglichen Budget – angesichts zusätzlicher Auflagen und technischer Anforderungen ein aus Sicht der Bauherrin vertretbarer Wert. Am Ende werden die Gesamtkosten bei einem hohen zweistelligen Millionen-Betrag liegen.

Besonderes Augenmerk liegt auf Technik, Sicherheit und Energie. Beide Gebäude werden als KfW-55-Standard errichtet, beheizt mit Luft-Wasser-Wärmepumpen. Auf dem Dach von Haus E entsteht zudem eine Photovoltaikanlage mit rund 100 kVA-Leistung, die rund die Hälfte des Jahresstrombedarfs selbst erzeugen soll. Auch an den Krisenfall ist gedacht: Die Konferenzbereiche sind vollständig notstromversorgt und können bei Stromausfall dem BRK als Arbeitszentrale dienen.

Dass Politik und Öffentlichkeit den Neubau aufmerksam verfolgen, merkt man am Kieferngarten deutlich. Regelmäßig machen sich Delegationen ein Bild vor Ort. Darunter die bayerische Staatsministerin für Gesundheit, Pflege und Prävention Judith Gerlach sowie Staatsminister Joachim Herrmann (Ministerium des Innern, für Sport und Integration). Insgesamt erntet das Gebäude sehr viel Lob. Auch viele anfänglichen Skeptiker seien inzwischen überzeugt, berichtet Winkler. Der Kraftakt des Umzugs, bei dem die Bewohnerinnen und Bewohner binnen zweieinhalb Tagen ins neue Haus wechselten, habe eindrucksvoll gezeigt, wie gut das Zusammenspiel aller Beteiligten funktioniere.

Mit der geplanten Gesamtfertigstellung 2028 ist der Weg noch weit. Doch zur Halbzeit überwiegt der Optimismus. Oder, wie Claudia Winkler es nüchtern zusammenfasst: „Wenn nicht geschimpft wird, ist das schon Lob genug.“

Weiterführende Informationen

Einbrüche auf der Baustelle:

Zweimal wurde die Baustelle Ziel professioneller Diebstähle. Täter gaben sich tagsüber als Baufirmen aus, schnitten Kabel heraus und entwendeten Material. Trotz Sicherheitsdienst und Kameras entstand zusätzlicher Aufwand durch Nachbestellungen und Verzögerungen. Die Polizei ermittelt, die Kennzeichen waren bereits aus anderen Fällen bekannt.

Der Fall Wassertank:

Neue wasserrechtliche Berechnungen führten dazu, dass statt einer größeren Leitung von Seiten der Stadtwerke kleinere verbaut wurde – mit der Folge, dass der nötige Löschwasserdruck für das Hochhaus nicht mehr ausreicht. Die Lösung: ein zusätzlicher Löschwassertank mit 100.000 Litern Fassungsvermögen auf dem Areal. Er stellt den erforderlichen Druck sicher, bedeutete aber zusätzliche Planung, Ausschreibung, Bauzeit – und Kosten.