Personal

Das Ankommen begleiten

Auf der Leitmesse ALTENPFEGE vom 23. bis 25. April in Essen ist Integration ein wichtiges Thema. Denn 30 Prozent der ausländischen Pflegefachpersonen brauchen über ein Jahr, um in der neuen Heimat anzukommen. Weitere 30 Prozent sind nach einem Jahr immer noch nicht so weit und 15 Prozent kehren in ihr Heimatland zurück.

Es ist ratsam, bei der Integration von internationalen Pflegekräften muttersprachliche Mitarbeitende der Einrichtung als Ressource sowie für Kontakt und Netzwerkaufbau einzusetzen. Foto: Adobe Stock/pressmaster

Renata Schlichting, Hausleitung Alten- und Pflegeheim Lutherstift in Bielefeld (Evangelisches Johanneswerk) hat sich ausführlich mit der Integration ausländischer Pflegefachkräfte beschäftigt. Die hohe Arbeitsbelastung und oft geringe Wertschätzung sind ihrer Erfahrung nach problematisch, genauso wie ein fehlendes soziales Umfeld. In einer eigenen Testumfrage nannten ausländische Fachkräfte als größte Herausforderungen bei der Integration die deutsche Sprache (73 Prozent) und zu wenig Zeit für Einarbeitung (39 Prozent). Für jede dritte Person war es schwierig, mit den deutschen und anderen Kollegen zurechtzukommen und 27 Prozent spürten Diskriminierung und Rassismus.

Soziale Einarbeitung und Fortbildung sind entscheidender Faktor

Neben der fachlichen Einarbeitung, etwa die Befähigung zur Aufgabenerledigung kommt der sozialen Einarbeitung laut Schlichting eine entscheidende Bedeutung zu. „Nutzen Sie muttersprachliche Mitarbeitende der Einrichtung als Ressource sowie für Kontakt und Netzwerkaufbau.“ Fortbildungen für die Mitarbeitenden sollten während der Arbeitszeit durchgeführt werden. „Es reicht nicht, einige Führungskräfte zu schulen“, ist Schlichting überzeugt. Denn das Gefühl, willkommen zu sein, hängt von der Einstellung der gesamten Organisation ab.

Im Projekt „Zukunftswerk Leben und Gesundheit“ des Evangelischen Johanneswerk erarbeiten die Beteiligten unter anderem Maßnahmen und Konzepte zur Integration internationaler Auszubildender in Schule, Einrichtungen und Sozialraum. Dauerhafte Strukturen zur Personalrekrutierung aus der Türkei werden dabei als verlässliche Maßnahme zur Personalgewinnung aufgebaut und erprobt.

Kongressvortrag widmet sich der Integration

Ein gelungenes Beispiel für Integration sind die Insanto Seniorenresidenzen, die mit interkultureller Wertschätzung und einer gelebten Willkommenskultur vorangehen. Dazu gehört eine kulturelle Sensibilisierung, etwa mit gemeinsamen Events, Essen, Tanzen. Ein Integrationsbeauftragter steht den Mitarbeitenden zur Seite. Persönliche Begleitung gehört zum Konzept genauso dazu wie ein Mentoringprogramm, feste Ansprechpartner und ein Alumni Netzwerk als Unterstützung bei allen bürokratischen Aufgaben. Zum Zufriedenheitsfaktor trägt nicht zuletzt auch die Möglichkeit bei, vier Wochen Urlaub am Stück für die Heimreise zu nehmen. Erfahren Sie mehr im Kongress am 25. April im Vortrag „Alles (s) unter einem Dach – wie die Integration ausländischer Pflegefachpersonen gelingt“ – aus erster Hand vom Gewinner des Altenpflege-Preises 2023.

Den Fokus aufs Ankommen richten

Schon 2008 haben die Insanto Seniorenresidenzen damit begonnen, ausländische Pflegefachpersonen anzuwerben. Während der Fokus anfangs auf der Rekrutierung lag, rückte das Thema Integration zunehmend in den Fokus, „weil wir festgestellt haben, dass sich die Mitarbeiter hier auch wohlfühlen und ankommen müssen“, sagt Insanto-Geschäftsführer Jan Kaiser.

Integration beginnt laut Qualitätsmanagerin Anja Wörl hier schon im Herkunftsland über eine Online-Plattform. Sie schult die künftigen Mitarbeitenden nicht nur fachlich, sondern bereitet sie auch darauf vor, was sie kulturell erwartet. „Ein herzliches Aufnehmen, sich kümmern, damit sich niemand alleingelassen fühlt, ist wichtig.“ Dazu gehörten auch gemeinsame Unternehmungen, wie Kegeln oder Kochen. Natürlich müssten beide Seiten aufeinander zugehen. Dann könne es gelingen, dass man gegenseitig voneinander lernt und sich etwas abguckt.

Integration beginnt schon vor der Einreise

Tobias Nehlsen, OperatonsManager mediClub, unterstützt den Integrationsprozess bei Insanto von der Personalauswahl, der Schulung, der Sprache bis zum Einreiseprozedere. In der Vorbereitung wird das deutsche Pflegekonzept genauso vermittelt wie die Mülltrennung im Alltag. „Wir machen unseren Partnern auch klar, dass das, was für uns selbstverständlich ist, für die internationalen Pflegekräfte oft nicht so ist. Und wir schauen auch auf die Motivation und die familiäre Situation. Das sind auch Informationen, die unsere Partner hier in Deutschland benötigen für die künftige Ausrichtung.“

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