News

DAK-Pflegereport 2026: Breite Zustimmung zur pflegefachlichen Begleitung

Die Bevölkerung erwartet eine funktionsfähige, verlässliche und bezahlbare soziale Pflegeversicherung – doch das Vertrauen schwindet. Der DAK-Pflegereport 2026 zeigt: 70 Prozent sehen die Kosten stationärer Pflege als Hauptproblem, 68 Prozent den Personalmangel. Eine Mehrheit befürwortet die geplante pflegefachliche Begleitung, fordert aber strukturelle Reformen.

Foto: DAK-Gesundheit/GettyImages/Maskot

Knapp 30 Jahre nach Einführung der sozialen Pflegeversicherung steht diese laut DAK-Vorstandschef Andreas Storm vor einem möglichen Funktionsverlust. „Der DAK-Pflegereport 2026 macht deutlich, dass das Vertrauen der Menschen in das Pflegesystem äußerst gering ist und wegzubrechen droht“, wird Storm in der Mitteilung zitiert. Viele Versicherte nähmen das System als schlecht, ungerecht und überfordernd wahr.

Der Report wurde anlässlich des Hauptstadtkongresses in Berlin veröffentlicht. Grundlage sind zwei repräsentative Befragungen des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der DAK-Gesundheit, durchgeführt im Oktober 2025 und Februar 2026 mit insgesamt knapp 7.000 Menschen zwischen 16 und 75 Jahren. Ergänzend analysierte OptiMedis DAK-Routinedaten, um die Pflegereform im Kontext des gesamten Gesundheitssystems einzuordnen. Die wissenschaftliche Leitung lag bei Prof. Dr. Thomas Klie.

Die Allensbach-Umfragen verorten die größten Schwachstellen im Finanzierungsbereich. 70 Prozent der Befragten nennen an erster Stelle die hohen Kosten, die Pflegebedürftige und ihre Familien bei stationärer Pflege tragen müssen. 68 Prozent verweisen auf den Personalmangel und fehlende Pflegekräfte, 64 Prozent halten eine nachhaltige Finanzierung des gesamten Pflegesystems für besonders dringlich.

Bemerkenswert ist die Akzeptanz für tiefergehende Reformen: Jeder zweite Befragte gibt laut DAK an, auch spürbare Reformmaßnahmen mitzutragen, sofern diese nachvollziehbar und gerecht erscheinen und Teil einer Strukturreform sind, die die Pflegeversicherung auf ein stabiles Fundament stellt. Storm fordert daher, mit der geplanten Reform die Finanzlage der SPV zu stabilisieren und eine zukunftsfeste Pflegeinfrastruktur zu schaffen. Entscheidend sei, dass die Bevölkerung auch bei Belastungen die Erfahrung mache, sich auf die Pflegeversicherung verlassen zu können.

Studienleiter Klie betont, dass Finanzierung und Versorgungssicherung eigenständig betrachtet werden müssten. Die Bevölkerung sei weiterhin bereit, Sorge- und Pflegeaufgaben zu übernehmen – benötige dafür aber verlässliche, professionelle Strukturen, die gut mit der medizinischen Versorgung abgestimmt seien. Diese Aufgabe müssten Bund, Länder, Kommunen und Kassen gemeinsam angehen.

Die im Reformentwurf von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) vorgesehene pflegefachliche Begleitung trifft laut Report auf breite Zustimmung: 67 Prozent der Bevölkerung und 68 Prozent der aktuell Pflegenden sprechen sich für eine professionelle Pflege-Begleitung aus. Klie wertet dies als Beleg dafür, dass Beratung und Unterstützung vor Ort zentrale Hebel für eine bessere Versorgung sein könnten.

Auch die DAK-Gesundheit unterstützt den Ansatz. Storm bezeichnet die pflegefachliche Begleitung als möglichen zentralen Baustein zur Stärkung der häuslichen Pflege. Er sieht jedoch Nachbesserungsbedarf am Gesetzentwurf: Dieser weise den Pflegekassen einen umfassenden Sicherstellungsauftrag zu, obwohl Pflege eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei. Die Verantwortung könne daher nur gemeinsam mit den Kommunen getragen werden. (ck/lon)