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Caritas und Diakonie warnen vor Pflegereform ohne strukturelle Verbesserungen

Die Spitzen von Caritas und Diakonie haben vor einer Pflegereform gewarnt, die lediglich Kosten reduziert, ohne strukturelle Probleme anzugehen. Sie fordern inhaltliche Reformen. Bund und Länder sollen versicherungsfremde Leistungen übernehmen.

Eva Maria Welskop-Deffaa, Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes Foto: Deutscher Caritasverband e.V. / KNA GmbH, Gordon Welters

Eva Maria Welskop-Deffaa, Präsidentin des Deutschen Caritasverbands, betonte am 13. Oktober 2025 in Berlin, dass Menschen darauf vertrauen können müssten, im Pflegefall gut versorgt zu werden. Ihre Aussagen fielen zeitlich mit der geplanten Vorstellung von Ergebnissen der Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Pflegereform zusammen.

Laut Welskop-Deffaa führt die derzeitige Trennung zwischen ambulanten und stationären Pflegeangeboten zu unnötiger Bürokratie, die Familien bei der Suche nach geeigneter Unterstützung behindert. Die Caritas-Präsidentin sprach sich gegen eine komplette Abschaffung des Pflegegrads 1 aus. Sie hält jedoch eine Anhebung der Schwelle für sinnvoll, ab der Pflegebedürftige in diese niedrigste Kategorie eingestuft werden.

Diakonie sieht Sparrisiko bei niedrigstem Pflegegrad

Elke Ronneberger, Bundesvorständin der Diakonie Deutschland, warnte vor den Risiken in der Diskussion um den Pflegegrad 1. Sie sieht die Gefahr, dass bei diesem Thema am falschen Ende gespart wird, ohne die zugrundeliegenden Systemprobleme zu lösen.

Beide Verbandsvertreterinnen forderten, dass Bund und Länder versicherungsfremde Leistungen übernehmen sollen. Ronneberger konkretisierte diese Forderung mit der Notwendigkeit eines verlässlichen Bundeszuschusses aus Steuermitteln. Als Beispiele nannte sie Rentenversicherungsbeiträge für pflegende Angehörige und Ausbildungskosten, die derzeit über die Pflegeversicherung finanziert werden.

Milliardenforderungen an Bund und Länder

Die Diakonie-Vertreterin wiederholte ihre Forderung, der Bund müsse die Corona-Hilfen von sechs Milliarden Euro an die Pflegekassen zurückzahlen. Diese Gelder waren während der Pandemie als Unterstützung geflossen, ohne dass eine Rückzahlung vereinbart worden war.

Welskop-Deffaa richtete ihre Kritik an die Länder und warf ihnen vor, sich bei Investitionen für Altenhilfeeinrichtungen zu oft einen „schlanken Fuß“ zu machen. Die unzureichende Investitionsförderung durch die Länder gilt als einer der Kostentreiber in der Pflege, da Einrichtungen diese Kosten über die Pflegesätze refinanzieren müssen.

Die Äußerungen der beiden Hilfswerke erfolgen vor dem Hintergrund anhaltender Diskussionen über die Finanzierung der Pflege und steigende Eigenanteile für Pflegebedürftige.