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Berliner Pflegeheim lässt keine Sozialhilfeempfänger mehr einziehen
In einem Interview hat ein Einrichtungsleiter aus Berlin erklärt, keine Sozialhilfeempfänger mehr aufzunehmen. Das sei zwar schlimm, aber aus wirtschaftlichen Gründen nicht anders machbar.
„Insgesamt haben wir 106 Bewohner. 14 Prozent davon bekommen nun Sozialhilfe, seitdem die Preise erhöht wurden. Eingezogen sind sie noch als Selbstzahler. Aber diese 14 Prozent sind bei uns im Verhältnis wenige. Das hat auch damit zu tun, dass wir keine Sozialhilfeempfänger einziehen lassen. Das ist ganz schlimm, menschlich ist das ein Wahnsinn, was wir da machen“, sagt Matthias Küßner, der seit acht Jahren die ProCurand-Seniorenresidenz Bölschestraße in Berlin-Friedrichshage leitet, gegenüber rbb24.
Abstand zu Selbstzahlern zu groß
Das Sozialamt zahle an das Heim pro Bewohner und Tag 4,50 Euro weniger als Selbstzahler, begründet Küßner die Vorgehensweise im Interview. „Und wenn man das aufrechnet, dann ist das eine immense Summe, die ich mir einfach nicht erlauben“, so der Einrichtungsleiter.
Selbst Bewohner, die ein Leben lang gearbeitet haben, müssen zum Amt
Matthias Küßner zeigt sich im Interview frustriert von den Umständen. Selbst Bewohner, die 45 Jahre und länger gearbeitet hätten und eigentlich eine gute Rente bekämen, seien wegen der steigenden Eigenbeteiligung auf Sozialhilfe angewiesen. Auch bliebe die Einrichtung in einigen Fällen auf den Kosten sitzen, weil das Sozialamt nicht zahle. „Wir haben auch absurde Fälle erlebt, dass Menschen so viel Rente bekommen, dass sie nicht mehr in die Sozialhilfe fallen. Aber die Rente reicht nicht, um diese 4,50 Euro pro Tag extra zu zahlen. Das heißt, für uns wären sie wieder Sozialhilfeempfänger. Das Sozialamt sagt nein und wir als Betreiber bleiben auf dem Geld sitzen“, berichtet der Heimleiter. Im Moment schulde das Sozialamt der Einrichtung noch 35.000 Euro von den letzten Monaten. „Das müssen wir erst einmal als Firma selbst aufbringen.“
Aber auch für die Bewohner sei es nicht einfach, von so wenig Geld zu leben: „Von diesem Geld müssen sie den Friseur bezahlen, die Fußpflege, oder auch mal die Vitaminchen, die sie schon ihr ganzes Leben nehmen, sowie eigene Kosmetik. Das heißt, der Enkel, der eigentlich ein Geschenk zu Weihnachten haben könnte, geht oft leer aus, weil das Geld nicht da ist“, veranschaulicht Küßner die Situation der Menschen.
Bearbeitungszeitraum zu lang
Auch die Angehörigen haderten mit den Kostenträgern: „Wir haben inzwischen einen Bewohner […] bei dem die Kinder überlegen, den alten Herrn hier rauszunehmen, weil die Sozialhilfebeantragung zu lange dauert und die einfach die finanziellen Mittel nicht haben, um das jetzt zu überbrücken“, so Küßner.
Der Verband der Ersatzkassen (vdek) hatte im Sommer alarmierende Zahlen zu den steigenden Eigenanteilen in Pflegeheimen veröffentlicht.
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