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AWO Wesel: Insolvenzverfahren eröffnet und Sanierung läuft
Der AWO Kreisverband Wesel befindet sich seit Juni 2025 offiziell im Insolvenzverfahren. Die Eigenverwaltung wurde vom Gericht bestätigt. Der Großteil der Einrichtungen soll weitergeführt werden. Für das Seniorenzentrum Willy-Brandt-Haus in Moers wird allerdings ein neuer Betreiber gesucht.
Das Insolvenzgericht hat am 1. Juni 2025 das Insolvenzverfahren über das Vermögen des AWO Kreisverband Wesel e.V. eröffnet. Der Verband bleibt dabei in Eigenverwaltung, wodurch der Vorstand weiterhin vollständig handlungs- und weisungsbefugt ist.
„Wir sind zufrieden mit dem bisherigen Fortschritt des Verfahrens. Die Entscheidung des Gerichts bestätigt den von uns eingeschlagenen Weg“, erklärt Jochen Gottke, Vorstandsvorsitzender des Kreisverbands, laut Pressemitteilung. Der Geschäftsbetrieb läuft demnach stabil, und die AWO Wesel kann die Löhne ihrer rund 1.200 Beschäftigten wieder direkt auszahlen.
Erste Sanierungsmaßnahmen wurden laut Presseinformation bereits umgesetzt. Der überwiegende Teil der Einrichtungen und Leistungen soll fortgeführt werden. Allerdings müssen einige Bereiche aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben werden, darunter der Ambulante Pflegedienst in Moers und der sozialfreundliche Frisiersalon HAIRlich in Neukirchen-Vluyn. Auch die Mobile und Ambulante Pflege in Wesel sowie die psychosoziale Beratung und Betreuung können nicht fortgeführt werden.
Eine bedeutende Änderung betrifft das Seniorenzentrum Willy-Brandt-Haus in Moers, das nicht von der AWO Wesel weitergeführt werden kann. Aktuell laufen Gespräche mit potenziellen Übernehmern, die das Haus samt Bewohnern und Personal weiterführen möchten.
Im Rahmen der Sanierung wurden Einsparpotenziale identifiziert und teilweise bereits realisiert. Zudem sollen AWO-eigene Immobilien verkauft werden, um Liquidität für Vergleichslösungen mit den Insolvenzgläubigern zu generieren. „Unser besonderer Dank gilt allen Mitarbeitenden sowie den Beteiligten im Verfahren, die diesen Prozess mit großem Engagement und Vertrauen begleiten“, betont Gottke. Ende August 2025 werden die Gläubiger über einen Sanierungsplan abstimmen.
Die Insolvenz wurde notwendig, weil der Kreisverband wirtschaftliche Altlasten beispielsweise aus dem ambulanten Pflegebereich nicht auffangen konnte. Verschärft wurde die Situation durch gesetzliche Verschlechterungen bei der Finanzierung der Investitionen im stationären Pflegebereich sowie die Folgen der Corona-Pandemie. Der AWO Kreisverband Wesel betreibt über 100 Einrichtungen und Projekte, in denen mehr als 5.000 Menschen betreut werden. Das Insolvenzverfahren betrifft ausschließlich den Kreisverband Wesel, andere AWO-Organisationen sind nicht betroffen.
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