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Arbeitsunfälle: Erhöhtes Risiko bei extremer Hitze und Kälte

Eine neue Analyse der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung belegt erstmals statistisch den Zusammenhang zwischen Wetterextremen und Unfallhäufigkeit. Sowohl bei großer Hitze als auch bei Frost steigen die Unfallzahlen merklich an. Der Klimawandel verstärkt das Problem.

Kaum Hitzeschutz in Pflegeheimen
Foto: Adobe Stock/ Jenny Sturm

Extreme Temperaturen führen zu einem spürbar höheren Unfallrisiko für Beschäftigte. Das geht aus einer statistischen Analyse der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) hervor, die Unfalldaten mit Wetterinformationen des Deutschen Wetterdienstes verknüpft hat.

Laut der Untersuchung nehmen Arbeitsunfälle ab einer Tageshöchsttemperatur von 30 Grad um etwa 7 Prozent zu, verglichen mit moderaten Temperaturen zwischen 10 und 15 Grad Celsius. Bei sehr kalten Temperaturen unter dem Gefrierpunkt steigt die Unfallhäufigkeit sogar um rund 8 Prozent an.

Für die Erhebung analysierten die Forscher die hochgerechnete Zahl der Unfälle von abhängig Beschäftigten pro Tag und Postleitzahl-Gebiet. Dabei unterschieden sie zwischen verschiedenen Unfallarten und kombinierten die Daten der Unfallversicherungsträger systematisch mit meteorologischen Aufzeichnungen.

Klimawandel verstärkt das Problem

Die Relevanz dieser Erkenntnisse wird durch die klimatischen Veränderungen in Deutschland unterstrichen. Laut dem Deutschen Wetterdienst ist die mittlere Lufttemperatur zwischen 1881 und 2024 um 1,9 Grad Celsius gestiegen – deutlich mehr als der weltweite Durchschnitt von etwa 1,55 Grad. Ein großer Teil dieses Anstiegs fand in den letzten beiden Dekaden statt.

Besonders auffällig entwickelte sich die Zahl der „heißen Tage“ mit mindestens 30 Grad Celsius. Diese hat sich laut den Wetteraufzeichnungen seit den 1950er Jahren etwa verdreifacht. Damit werden jene Temperaturbereiche häufiger, bei denen die DGUV-Analyse eine erhöhte Unfallgefahr nachweist.

Wegeunfälle reagieren noch stärker auf Kälte

Bei Wegeunfällen zeigt die Analyse ein weniger symmetrisches Muster. Temperaturen um den Gefrierpunkt haben hier deutlich stärkere Auswirkungen als bei Arbeitsunfällen. An Tagen mit einer Höchsttemperatur unter 0 Grad ereignen sich fast doppelt so viele Wegeunfälle außerhalb des Straßenverkehrs als an vergleichbaren Tagen mit Temperaturen zwischen 10 und 15 Grad.

Hierbei handelt es sich laut DGUV vor allem um Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle. Aber auch die Zahl der Wegeunfälle im Straßenverkehr steigt an solchen Frosttagen um etwa 20 Prozent an.

Der Effekt hoher Temperaturen ab 30 Grad ist bei Wegeunfällen mit circa 12 Prozent zwar geringer als bei Kälte, jedoch immer noch ausgeprägter als bei Arbeitsunfällen. Vor allem Wegeunfälle im Straßenverkehr nehmen an heißen Tagen merklich zu.

Arbeitsschutz muss sich anpassen

„Diese Erkenntnisse unterstreichen die Notwendigkeit, dass sich der Arbeitsschutz noch intensiver mit dem Einfluss der Witterung auf das Unfallrisiko befassen muss“, sagt Dr. Edlyn Höller, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der DGUV. Die statistischen Zusammenhänge ließen noch keine direkten Aussagen über Ursachen zu.

Laut Höller können extreme Temperaturen sowohl direkte als auch indirekte Auswirkungen haben. Hitzestress könne beispielsweise die Konzentrationsfähigkeit und Reaktionsgeschwindigkeit beeinträchtigen, während problematische Verkehrsbedingungen bei Glätte oder Hitze das Unfallrisiko zusätzlich erhöhen.

„Mit Blick auf die sich verändernden klimatischen Bedingungen muss es unser Ziel sein, insbesondere die Auswirkungen von Hitze weiter zu erforschen und geeignete Schutzmaßnahmen zu entwickeln“, so die DGUV-Vertreterin.

Die Analyse kann laut DGUV nicht abschließend klären, wie sich der Klimawandel künftig auf das Unfallgeschehen auswirken wird. Eine zu erwartende Abnahme von Frosttagen könnte sich vor allem auf Wegeunfälle positiv auswirken. Dagegen müssten die Gefahren hoher Temperaturen verstärkt in den Fokus genommen werden.