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Alte Muster, neue Wege: Führung im Generationenmix der Pflege

Katja Lohmann (Generation X) und Til Heinrichs (Generation Z) führen Pflegeunternehmen – und stehen dabei vor ähnlichen Herausforderungen. Im Gespräch berichten sie, wie man langjährige Mitarbeitende mit neuen Führungsstilen erreicht, welche Spannungen zwischen den Generationen entstehen und warum Offenheit der Schlüssel zur Zukunft ist.

Respekt und Klarheit sind sein Weg in der Führung, sagt Til Heinrichs, Geschäftsführender Gesellschafter bei der HEINRICHS GRUPPE. Foto: Alexander Kamps

Frau Lohmann, Herr Heinrichs, Sie führen beide Pflegeunternehmen – allerdings aus unterschiedlichen Generationen heraus. Welche Erfahrungen machen Sie aktuell im Führungsalltag vor dem Hintergrund dieser Altersunterschiede in den Teams?

Katja Lohmann: Die größte Herausforderung ist für mich aktuell die generationenübergreifende Führung. Wir haben bei Pflegen & Wohnen Hamburg viele Mitarbeitende, die schon lange bei uns sind. Diese Kolleginnen und Kollegen bringen viel Erfahrung mit, aber sie sind oft in festen Denk- und Handlungsmustern. Neue Mitarbeitende oder Führungskräfte haben es schwer, in solche eingeschworenen Teams hineinzukommen. Deshalb braucht es sehr unterschiedliche Führungsansätze – je nach Alter, Erfahrung und Offenheit der Mitarbeitenden.

Til Heinrichs: Das kann ich nur bestätigen. In unserem Unternehmen sind viele Mitarbeitende seit über 25 Jahren dabei. Ich habe die Rolle des Geschäftsführers in der nächsten Generation übernommen – mein Vater hat das Unternehmen auf traditionelle Weise erfolgreich geführt. Jetzt komme ich mit einem eigenen Führungsstil und stoße auch auf Skepsis.

Wie gelingt es Ihnen, diesen Wandel der Führung zu vermitteln, ohne Mitarbeitende zu verlieren oder zu überfordern?

Heinrichs: Ich habe gelernt, dass es nur mit Respekt funktioniert. Respekt vor dem, was die Leute geleistet haben – und gleichzeitig Klarheit darüber, was ich als Führungskraft verändern möchte.

Lohmann: Ich musste ebenfalls umlernen. Vor 20 Jahren konnte man noch ganz anders führen. Heute haben Mitarbeitende berechtigterweise ein anderes Selbstverständnis, auch in der Pflege. Sie wissen um ihren Wert, sie wollen gesehen und gehört werden. Für uns Führungskräfte bedeutet das: Wir müssen sehr genau hinhören, individuell begleiten und dürfen nicht in alte, autoritäre Muster zurückfallen. Das macht Führung anspruchsvoller – aber auch spannender.

Wie erleben Sie den Umgang mit jungen Führungskräften in Ihren Häusern? Gibt es da Unterschiede im Generationenverständnis?

Lohmann: Ich habe mit jungen Führungskräften ehrlich gesagt weniger Probleme als mit älteren. Die Jüngeren sind oft sehr offen, wissbegierig, saugen alles auf wie ein Schwamm. Die Herausforderung liegt eher bei Führungskräften ab Mitte 40 aufwärts. Sie sind zu jung für den Ruhestand, aber oft zu festgefahren, um sich noch mal auf neue Führungsinstrumente einzulassen. Das ist natürlich nicht bei allen so – es gibt auch 60-Jährige, die super mit 25-Jährigen arbeiten. Aber der Trend ist aus meiner Sicht spürbar.

Heinrichs: Ich sehe da auch zwei Seiten. Einerseits habe ich viel mit älteren Kolleginnen und Kollegen zu tun, bei denen ich mir erst mal Akzeptanz erarbeiten musste. Andererseits habe ich aber auch mit meiner eigenen Generation Herausforderungen. Ich habe manchmal das Gefühl, dass Themen wie Anerkennung und Wertschätzung bei uns zu sehr in den Vordergrund treten – und dabei vergessen wird, dass Arbeit eben auch Arbeit ist. Ich muss als Geschäftsführer Verantwortung übernehmen und Dinge durchsetzen, die nichts mit der Person an sich zu tun haben. Das zu vermitteln, ist manchmal gar nicht so einfach.

Die Fragen stellte Olga Sophie Ennulat.

Generationen-Talk live erleben:
Katja Lohmann (Gen X) und Til Heinrichs (Gen Z) diskutieren, wie generationenübergreifende Zusammenarbeit gelingt, welche Herausforderungen im Alltag entstehen und warum Offenheit der Schlüssel zur Zukunft ist. Neugierig geworden? Dieses und noch mehr innovative Themen rund um die Altenhilfe gibt es bei „New Care – New Leadership“ am 2. & 3. Dezember, Berlin. Hier gehts zum Programm und zur Anmeldung.