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Trendbarometer: Ambulante Pflege leidet unter Benzinpreisen, stationäre Träger prüfen Investitionen
Das achte Trendbarometer der SozialGestaltung zeichnet ein angespanntes Bild der Pflegebranche: 42 Prozent der Träger bewerten ihre wirtschaftliche Lage als schlecht, jede zweite Organisation stoppt Immobilieninvestitionen. Besonders ambulante Dienste ächzen unter hohen Energie- und Kraftstoffkosten.
Zum achten Mal hat die Beratungsgesellschaft SozialGestaltung ihr Trendbarometer Sozial- und Gesundheitswirtschaft durchgeführt und dafür zwischen dem 18. März und 12. April 2026 über 150 Branchenexpertinnen und -experten aus freigemeinnützigen, privat-gewerblichen und öffentlichen Einrichtungen befragt – darunter Verantwortliche aus der ambulanten und stationären Pflege.
Ambulante Dienste: Benzinpreise als Kostentreiber
Für die ambulante Pflege identifiziert das Trendbarometer eine spezifische Belastung: Hohe Energie- und vor allem Benzinpreise treffen die Dienste massiv und verschlechtern deren wirtschaftliche Lage. Als Ursachen für Verschlechterungen nennen die Befragten laut SozialGestaltung ansteigende Nebenkosten und Personalkosten bei nicht immer ausreichenden Einnahmen, deutliche Auslastungsschwankungen, Wechsel in der Geschäftsführung, laufende Vergütungsverhandlungen sowie eine verhaltene Dynamisierung der Leistungsentgelte bei gleichzeitig hohem Druck durch öffentliche Kostenträger.
Wo Träger ihre Lage positiv einschätzen, führen sie das laut Bericht auf hohe Nachfrage, Unternehmenswachstum und kooperative Teams, langjährige Strategie und Innovation, eine starke Digitalisierung und Automatisierung der Administration sowie eine positive Personalstruktur mit höherer Aufnahmekapazität zurück.
Wirtschaftliche Lage: Keine Trendwende seit 2022
Über alle befragten Bereiche hinweg bewerten 42 Prozent ihre wirtschaftliche Lage als angespannt, schlecht oder sehr schlecht, während 34 Prozent sie als gut oder sehr gut einstufen. Für 2026 rechnen 29 Prozent mit einem Jahresfehlbetrag – die Ergebniserwartungen liegen damit auf dem Niveau von 2025. Die realisierten Ergebnisse 2025 fielen laut SozialGestaltung leicht besser aus als zuvor erwartet. Eine strukturelle Erholung ist nach knapp vier Jahren Trendbarometer allerdings nicht erkennbar.
Größte Herausforderungen für Pflegeträger
Die drei zentralen Herausforderungen für die kommenden zwölf Monate sind laut Studie:
- Lohnkostensteigerungen (59 Prozent)
- Strategische Unsicherheit durch Reformen (49 Prozent)
- Fachkräftemangel (48 Prozent)
Der Fachkräftemangel bleibt zentral, während Lohnkosten und Reformunsicherheit deutlich an Gewicht gewinnen. Hinzu kommen steigende Energie- und Kraftstoffkosten infolge geopolitischer Krisen sowie hohe Nebenkosten.
Stationäre Pflege: Immobilieninvestitionen auf Eis
51 Prozent der Organisationen stellen Immobilieninvestitionen ganz oder teilweise zurück. Ursache sind laut SozialGestaltung ausbleibende politische Entscheidungen. Die Folge ist ein wachsender Modernisierungs- und Investitionsstau.
Investitionen wandern zum Personal
Die Investitionsschwerpunkte verschieben sich 2026 spürbar weg von Immobilien und Digitalisierung hin zu Personal und Geschäftsmodellentwicklung. 76 Prozent der Befragten nennen Personal als Investitionsfeld – laut Bericht der klar dominierende Bereich. Als Hebel zur Entlastung der Fachkräfte sieht die Studie vor allem Entbürokratisierung und Digitalisierung.
Strategische Prioritäten: Liquidität und Auslastung
Wachstumsthemen treten hinter Stabilisierungsthemen zurück. Auf der strategischen Agenda 2026 dominieren:
- Sicherstellung der Liquidität (56 Prozent)
- Auslastung (51 Prozent)
- Digitalisierung (40 Prozent)
- Optimierung der Finanzierungsstruktur (35 Prozent)
Steuerungsdefizit im Monatsreporting
Deutlich benennt die Studie ein strukturelles Steuerungsproblem in den Pflegeunternehmen: Nur rund 50 Prozent der Organisationen – konkret 49 Prozent – erhalten Belegungsdaten im monatlichen Reporting. Damit verfügt nur jede zweite Einrichtung über eine zentrale Steuerungsgröße für die Einnahmenseite. Belegungs- und Auslastungsdaten sind laut SozialGestaltung noch nicht flächendeckend im Monatsreporting verankert – ein zentraler Hebel für die Einnahmensteuerung bleibt damit ungenutzt.
Hinzu kommt ein zeitliches Problem: Bei rund einem Drittel der Befragten liegt der Monatsbericht erst mehr als 30 Tage nach Monatsende vor. Verzögerte Reports beeinträchtigen laut Studie eine zeitnahe Steuerung von Liquidität, Auslastung und Personaleinsatz.
Transaktionsmarkt selektiv
Der M&A-Markt zeigt sich zweigeteilt: 60 Prozent der Befragten hatten zwischen November 2025 und März 2026 keine Transaktionspläne, laut Zusammenfassung der Studie sind es rund zwei Drittel ohne Pläne. Gleichzeitig prägen wenige, aber große Portfoliotransaktionen das Marktgeschehen – SozialGestaltung verweist konkret auf die Übernahme von Cofinimmo durch Aedifica sowie den Verkauf des Nightingale-Portfolios von Northwest Healthcare Properties REIT an TPG Real Estate.
Fazit der Studienautor:innen
Die SozialGestaltung fasst die Ergebnisse als „Bestandssicherung statt Aufbruch“ zusammen: Operative Stabilisierung verdrängt Wachstumsthemen. Für Führungsverantwortliche in der ambulanten und stationären Pflege leitet die Studie daraus konkrete Handlungsfelder ab: schnellere Refinanzierung, engere Monatssteuerung und ein systematischer Ausbau des kennzahlenbasierten Reportings – insbesondere mit Blick auf Belegung und Auslastung. (ck)
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