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Mangelernährung als Milliardenproblem: Whitepaper im Bundestag vorgestellt

Bis zu 8,6 Milliarden Euro kostet Mangelernährung das deutsche Gesundheitssystem jährlich. Ein im Bundestag vorgestelltes Whitepaper des Verpflegungsunternehmens apetito bündelt Befunde aus Klinik, Pflege und Forschung und fordert, Ernährung strukturell in der Versorgung zu verankern. Besonders die ambulante Pflege rückt dabei in den Fokus.

Dr. Jan-Peer Laabs, CEO der apetito AG, bei seiner Ansprache an die Bundestagsabgeordneten Foto: Jens Ahner

Am 9. Juni 2026 hat die apetito AG im Deutschen Bundestag das Whitepaper „Besser Essen. Sicher versorgt.“ vorgestellt. Schirmherr der Veranstaltung war Albert Stegemann (CDU), stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat sowie Gesundheit. Stegemann erklärte, Ernährung sei in der politischen Debatte über Gesundheit und Pflege zu lange ein Randthema geblieben. Eine systematische Bekämpfung von Mangelernährung stärke die Resilienz der Betroffenen, verbessere die Lebensqualität und entlaste das Versorgungssystem finanziell.

Laut apetito-CEO Dr. Jan-Peer Laabs ist Mangelernährung „eines der teuersten Strukturprobleme unseres Gesundheitswesens“. In Reformdebatten dominierten Finanzierung, Strukturen und Fachkräftemangel – Ernährung werde dabei übersehen.

Das Whitepaper versammelt Beiträge von 13 Fachleuten aus Klinik, Forschung und Gesellschaft und gliedert sich in vier Schwerpunkte.

Special Nutrition: Schluckstörungen betreffen rund 50 Prozent der Bewohner:innen stationärer Pflegeeinrichtungen. Nur 56 Prozent des Pflegepersonals kennen entsprechende Handlungsempfehlungen. Expertinnen der Charité Berlin und der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe fordern eine stärkere Verankerung der IDDSI-Standards – einheitliche Konsistenzstufen von dünnflüssig bis normaler Kost, die Verschluckungskomplikationen reduzieren sollen. Beteiligt sind auch Fachleute des Klinikums Osnabrück.

Klinikverpflegung: Weniger als 10 Prozent der deutschen Krankenhäuser verfügen über ein qualifiziertes Ernährungsteam. Ernährungstherapie wird zudem nicht kostendeckend vergütet. Forschende des Kantonsspitals Aarau und des Klinikums Dortmund verweisen darauf, dass systematisches Screening bei Aufnahme und individuelle Ernährungstherapie Sterblichkeit, Komplikationsraten und Wiederaufnahmen senken können.

Pflegeheime und Tagespflege: Geteilte Zuständigkeiten zwischen Pflegekassen, Ländern und Kommunen führten dazu, dass keine Instanz verbindlich für die Ernährungsversorgung einstehe. Vertreter:innen des Sozialverbands VdK, des Caritasverbands Leverkusen und des Bundesverbands Pflegemanagement fordern, pflegerische Ernährungsleistungen als eigenständige, abrechenbare Leistungen in den Sozialgesetzbüchern zu verankern und Ernährungsmanagement als präventive Pflegeleistung anzuerkennen.

Häusliche Pflege und Essen auf Rädern: Rund 86 Prozent der Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt, doch nur etwa 25 Prozent werden systematisch auf Mangelernährung untersucht. Studien, auf die das Whitepaper verweist, zeigen, dass Mahlzeitendienste die Zahl der Notaufnahme-Besuche von durchschnittlich 5,03 auf 1,45 pro Jahr reduzierten. Täglich belieferte Personen berichteten zudem dreimal häufiger über ein geringeres Einsamkeitsgefühl. Fachleute der Hochschule Bochum und von Silbernetz e.V. plädieren für systematische Screenings und Monitoring-Instrumente.

Das Papier erscheint parallel zu laufenden Gesundheits- und Pflegereformen. Laabs sieht den aktuellen Zeitpunkt als günstig, um Ernährung „strukturell und systematisch in der Versorgung zu verankern“.

Link zum Whitepaper: https://www.apetito.de/presse/whitepaper-ernaehrung-im-gesundheitswesen