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Alloheim-CEO Hehner: „Wir dürfen Pflege nicht auf Sparpolitik reduzieren“

Die geplante Pflegereform greift aus Sicht von Steffen Hehner zu kurz. Im Interview mit Altenheim fordert der CEO von Alloheim einen konsequenten Abbau von Bürokratie, mehr Tempo bei der Digitalisierung und praxisnahe Personalregelungen. Bleiben strukturelle Veränderungen aus, drohten weitere Insolvenzen und ein Rückgang dringend benötigter Pflegekapazitäten.

Alloheim-CEO Steffen Hehner Foto: Alloheim-Gruppe

Herr Hehner, wo sehen Sie derzeit die größten strukturellen Herausforderungen für die stationäre Pflege in Deutschland?

Die Debatte konzentriert sich aktuell fast nur auf die Finanzierung. Das ist natürlich die zentrale Voraussetzung, dass Pflege nachhaltig gewährleistet werden kann. Aber wenn man mal auf die Strukturen schaut, an denen die Pflege aktuell leidet, sind das die fehlende Digitalisierung, die überbordende Bürokratie und die starren Personalvorgaben.

Was einen manchmal wirklich ärgert, ist dass gerade bei der Digitalisierung viele Lösungen längst da sind. Wir könnten Prozesse vereinfachen, Mitarbeitende entlasten und den Beruf attraktiver machen. Doch es fehlt an der Refinanzierung und so bleibt die Innovation in Pilotprojekten stecken und kommt nicht in die Breite.

Digitalisierung wäre auch ein Hebel für den überfälligen Bürokratieabbau. Bürokratie bindet aktuell so enorm viele Ressourcen – sei es durch überzogene Dokumentationspflichten, redundante Prüfroutinen oder langsame Prozesse. Das raubt Zeit, die dann bei den Bewohnern fehlt.

Und beim Personal brauchen wir mehr Flexibilität und Realitätssinn. Der neue §113c ist ein wichtiger Schritt, weil er die starre Fachkraftquote ablöst und erstmals eine bedarfsgerechte Personalbemessung ermöglicht. Das schafft mehr Flexibilität und orientiert sich stärker am tatsächlichen Bedarf der Bewohner. Das wird auch den viel besprochen Personalmangel lindern, wenn wir jetzt konsequente Schritte gehen, um das Potenzial dieser richtigen Weichenstellung bundesweit für die Praxis zu heben. Denn wir haben keinen Mangel an Pflegehilfskräften. Im Kern haben wir einen Mangel an Pflegefachkräften. Und wir sprechen dabei über einen relativen Mangel an Fachkräften gegenüber einer im internationalen Vergleich deutlich überhöhten Fachkraftquote.

Was bislang zu den geplanten Pflegereformen bekannt geworden ist, wirkt eher wie ein Kostensparprogramm als wie eine strukturelle Weiterentwicklung der Versorgung. Was fordern Sie von der Politik mit Blick auf die Zukunft der stationären Pflege?

Die finanzielle Stabilisierung muss gelöst werden, keine Frage. Dahinter steckt letztlich die gesellschaftliche Frage, wie wir Pflege künftig finanzieren wollen. Aber die Politik darf sich nicht nur auf Einsparungen konzentrieren, sondern eben die benannten strukturellen Themen angehen.

Entscheidend ist dabei, endlich stärker mit der Praxis zu sprechen und konkrete Lösungen umzusetzen, die im Alltag wirklich helfen. Viele Diskussionen werden heute sehr theoretisch geführt – oft weit weg von den tatsächlichen Herausforderungen in den Einrichtungen. Wir brauchen weniger abstrakte Debatten und mehr Fokus auf das, was Pflegekräfte tatsächlich entlastet: digitale Prozesse, weniger Bürokratie und praktikable Personalregelungen.

Welche Folgen befürchten Sie, wenn wirtschaftlicher Druck weiter steigt, ohne die Refinanzierung strukturell zu verbessern?

Die Insolvenzen zeigen deutlich, wie angespannt die Lage ist. Denn Betreiber tragen enorme Risiken: steigende Kosten werden oft verspätet refinanziert, Leistungen müssen teilweise monatelang vorfinanziert werden und gleichzeitig steigen die Investitionskosten für Gebäude und Modernisierung. Dabei betrifft das alle Träger gleichermaßen – private wie freigemeinnützige.

Wenn sich daran nichts ändert, werden wir weitere Insolvenzen sehen – und vor allem weniger Investitionen in neue Pflegeplätze und moderne Einrichtungen. Genau diese Kapazitäten brauchen wir aber dringend mit Blick auf den demografischen Wandel.

Interview: Steve Schrader

Event-Tipp

Steffen Hehner ist Gast der Eröffnungsdiskussion „Zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Wie tragfähig ist die Pflegereform 2026?“ auf der EXPO living & care am 23. Juni 2026in Berlin. Gemeinsam mit Katrin Staffler (Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung), Simone Fischer (pflegepolitische Sprecherin der Grünen) und Andreas Wedeking (VKAD) diskutiert er die Zukunft der Pflegepolitik und die Auswirkungen der geplanten Reformen auf die Versorgungspraxis.

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