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Jahrbuch 2026: Wie Digitalisierung die Pflege strukturell verändert

Die opta data Zukunfts-Stiftung legt mit dem 8. Statistischen Jahrbuch eine umfassende Analyse des Gesundheitswesens vor. Für die ambulante Pflege liefert das Werk brisante Befunde: Die TI-Pflichtanbindung erzeugt neue Pflichten ohne echte Entlastung, die ePA bildet pflegerisches Wissen kaum ab – und ein neuer Verband fordert neun Milliarden Euro für einen Pflege-Digital-Booster.

Foto: opta data Gruppe

Laut Statistischem Bundesamt könnten bis 2049 bis zu 690.000 Pflegekräfte fehlen. Aktuell fehlten rund 130.000 Pflegefachpersonen, durch Babyboomer-Renteneintritte werde der Bedarf in zehn Jahren auf 350.000 steigen, so das Jahrbuch. Gleichzeitig stünden über 300.000 ausgebildete Kräfte dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung. Pflegekräfte verbrachten mehr als ein Drittel ihrer Arbeitszeit mit Dokumentation, IT und Organisation statt mit Versorgung, schreibt Dr. Carsten Steinhoff (VdSP) im Vorwort.

Die Jahrbuch-Autoren Dr. Jan Helmig und Dr. Armin Keivandarian analysieren eine Diskrepanz beim Pflegekompetenzgesetz 2025: Die neuen Kompetenzen seien digital nicht abgebildet. Auch die seit Juli 2025 verpflichtende TI-Anbindung der Pflege erfolge top-down, ohne pflegerische Versorgungslogiken als Ausgangspunkt. Die ePA folge einem „primär medizinisch-diagnostischen Paradigma“ – pflegerische Assessments blieben strukturell nachgeordnet.

Der 2025 gegründete Verband für digitale Standards in der Pflege (VdSP) hat laut Jahrbuch einen 5-Punkte-Plan an das Bundesgesundheitsministerium übergeben. Darin: ein Investitionsprogramm von neun Milliarden Euro aus dem Sondervermögen und eine zentrale Position der Pflege in der TI-Architektur. Steinhoff verweist auf die Erfahrungen aus dem Krankenhauszukunftsgesetz als Beleg, dass gezielte Förderung wirke.

Beim Thema KI beschreibt Dr. Katharina Pohl (opta data) Potenzial bei automatisierter Dokumentation durch Sprachmodelle, Sturzrisiko-Erkennung und individualisierten Therapieplanungen – benennt aber Risiken wie Intransparenz, Bias und ungeklärte Regulierung zwischen EU AI Act und MDR.

Die Infrastruktur-Daten auf Basis der Pflegestatistik 2023: 5,6 Millionen Pflegebedürftige (+15 % vs. 2021), 86 Prozent zu Hause versorgt, 15.549 ambulante Dienste, Gesundheitsausgaben ambulant +37,3 Prozent im Fünfjahrestrend. Die generalistische Pflegeausbildung zählt 144.173 Auszubildende (+20 %), alte Ausbildungsgänge laufen aus

„Die Gesundheitsbranche steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Digitalisierung, Fachkräftemangel und gesetzliche Reformen verändern die Versorgung nachhaltig. Das Jahrbuch liefert eine fundierte Grundlage, um diese Entwicklungen einzuordnen und faktenbasiert zu diskutieren“, sagt Mark Steinbach, Geschäftsführer der opta data Gruppe.

„Die Digitalisierung des Gesundheitswesens kann nur dann erfolgreich sein, wenn sie die Perspektiven aller Gesundheitsfachberufe berücksichtigt. Das Jahrbuch zeigt, wie sich digitale Infrastrukturen auf die Versorgung auswirken und wo noch Handlungsbedarf besteht“, sagt Dr. Jan Helmig, Geschäftsführer der opta data Gruppe.

Das Statistische Jahrbuch 2026 steht ab sofort hier zum Download bereit: https://www.zukunftsstiftung.optadata.de/forschung/statistiken/statistische-jahrbuecher/jahrbucharchiv