News
Pflegemarkt im Januar: Fast so viele Neugründungen wie Schließungen
Im Januar 2026 stehen 97 geschlossenen Pflegestandorten 93 Neugründungen gegenüber. Auf den ersten Blick wirkt die Bilanz ausgeglichen. Doch gerade bei ambulanten Diensten und Tagespflegen gehen mehr Plätze und Kapazitäten verloren, als neu entstehen. Private Träger stehen auf beiden Seiten der Statistik.
Laut dem Branchendienst Pflegemarkt.com wurden im Januar 2026 insgesamt 97 Pflegestandorte geschlossen, während 93 neu eröffnet wurden – ein Nettoverlust von vier Standorten. Die Daten basieren auf der Pflegemarkt-Datenbank, die monatlich anhand offizieller Krankenkassendaten aktualisiert wird. Hinter den aggregierten Zahlen verbergen sich allerdings deutliche Unterschiede zwischen den Sektoren.
Pflegedienste: Zwei Dienste mehr geschlossen als gegründet
70 ambulante Pflegedienste haben im Januar ihren Betrieb eingestellt. Sie versorgten laut Pflegemarkt.com zusammen 4.481 Patient:innen. Dem stehen 68 Neugründungen gegenüber – für diese liegen noch keine Patientenzahlen vor. Der Saldo fällt mit minus zwei Standorten knapp aus, doch ob die neuen Dienste die weggefallenen Kapazitäten tatsächlich auffangen, bleibt offen.
Auffällig ist die Dominanz privater Träger auf beiden Seiten: 56 der geschlossenen Dienste (80 Prozent) waren privat geführt, bei den Neugründungen liegt der Anteil mit 61 von 68 Diensten (rund 90 Prozent) sogar noch höher. Auf gemeinnütziger Seite stehen 13 Schließungen sechs Neueröffnungen gegenüber – darunter ein Pflegedienst der Johanniter GmbH im sächsischen Kurort Oybin. Ein kommunaler Dienst wurde geschlossen.
Regional sticht Nordrhein-Westfalen heraus: 20 Schließungen, aber auch 19 Neugründungen. In Bayern schlossen neun Dienste, während dort ebenso wie in Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein jeweils neun neue Dienste registriert wurden.
Tagespflege: 48 Plätze gehen netto verloren
Bei den Tagespflegen überwiegen die Schließungen deutlicher. 21 Standorte mit insgesamt 269 Plätzen wurden geschlossen, 18 neue Einrichtungen mit 221 Plätzen kamen hinzu. Unter dem Strich fehlen damit drei Standorte und 48 Tagesplätze.
Unter den geschlossenen Einrichtungen befinden sich laut Pflegemarkt.com eine Tagespflege der Argentum Holding GmbH im baden-württembergischen Höchenschwand sowie ein Standort des Deutschen Caritasverbands e. V. in Saarbrücken. Bei den Neugründungen ist die Trägerstruktur gemischter als in der ambulanten Pflege: Neun Einrichtungen sind privat, acht gemeinnützig – darunter ein Standort des AWO Bundesverbands e. V. in Freiberg, Sachsen – und eine kommunal.
Pflegeheime: Einziger Sektor mit leicht positivem Saldo
Im stationären Bereich wurden sechs Heime mit 252 Plätzen geschlossen, während sieben neue Häuser mit 366 Plätzen eröffneten – ein Nettozugewinn von 114 Plätzen. Fünf der geschlossenen Heime gehörten gemeinnützigen Trägern, darunter zwei Häuser des Deutschen Roten Kreuzes. Auf der Gründungsseite stehen vier gemeinnützige Neueröffnungen, darunter ein Heim des Deutschen Caritasverbands e. V. in Kreuzau, Nordrhein-Westfalen, sowie drei private. Der regionale Schwerpunkt lag mit fünf der sieben Neugründungen ebenfalls in Nordrhein-Westfalen.
Marktbereinigung und Druck
Als wesentliche Ursachen für die anhaltende Schließungswelle nennt Pflegemarkt.com steigende gesetzliche Anforderungen, wachsende Kosten und fehlende Nachfolgeregelungen. Dass parallel fast ebenso viele Standorte neu entstehen, deutet auf eine hohe Marktfluktuation hin: Gerade im ambulanten Segment und in der Tagespflege drängen neue private Anbieter auf den Markt, während bestehende Betriebe aufgeben. Ob die Neugründungen die verlorenen Versorgungskapazitäten tatsächlich ersetzen, lässt sich anhand der bisher verfügbaren Daten nicht abschließend beurteilen.
Weitere Informationen und monatliche Aktualisierungen stellt Pflegemarkt unter pflegemarkt.com bereit.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Sie haben noch kein Konto?
Jetzt registrieren