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Ergebnisse der BAGSO-Umfrage Älterwerden in Deutschland

Eine umfassende Befragung der BAGSO zeigt, welche Themen Menschen mit Blick auf das Älterwerden am meisten beschäftigen. Neben Frieden und Demokratie stehen vor allem die Zukunft des Gesundheits- und Pflegesystems sowie die finanzielle Absicherung im Mittelpunkt.

Der Bericht dokumentiert, dass die Befragten einen dringenden Anpassungsbedarf des Gesundheitssystems an die alternde Bevölkerung sehen. Foto: AdobeStock/Wesley JvR_peopleimages.com

Was sind die größten Herausforderungen für das Älterwerden in Deutschland in den nächsten 20 Jahren? Welche Themen sind mit dem Blick auf eine Gesellschaft für alle Lebensalter besonders wichtig? Wo genau besteht Handlungsbedarf für die Politik? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Umfrage „Älterwerden in Deutschland“ der BAGSO-Geschäftsstelle Internationale Altenpolitik. Mehr als 1.600 Menschen haben sich an einem Beteiligungsverfahren der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) beteiligt, das im Auftrag des Bundesseniorenministeriums durchgeführt wurde. Die Ergebnisse, die in einem Bericht veröffentlicht wurden, zeichnen ein Bild von weitverbreiteten Sorgen um die eigene Gesundheit im Alter, die pflegerische Versorgung und die Finanzierbarkeit des Sozialstaats. Die Befragung fand zwischen Dezember 2024 und Mai 2025 statt und umfasste neben einer quantitativen Erhebung auch qualitative Interviews und Gruppendiskussionen auf dem 14. Deutschen Seniorentag.

Laut dem Bericht kristallisieren sich fünf Themenbereiche heraus, denen die Befragten über alle Beteiligungsformate hinweg besondere Bedeutung beimessen: Frieden und Demokratie, Gesundheit und Pflege, altersfreundliche Umgebungen, soziale Sicherheit sowie Digitalisierung. Die Ergebnisse sollen in die Arbeit der Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen (UNECE) einfließen, die derzeit die Regionale Umsetzungsstrategie des Zweiten Weltaltenplans von 2002 überarbeitet.

Gesundheitsversorgung und Pflege: Anpassungsbedarf wird als dringend empfunden

Die medizinische Versorgung gehört laut der BAGSO-Befragung sowohl aktuell als auch mit Blick auf die Zukunft zu den fünf wichtigsten Themen für die Befragten. Rund drei Viertel der Teilnehmenden bewerteten sie für ihre aktuelle Lebenssituation als sehr wichtig, mit Blick auf die Zukunft stieg dieser Anteil auf etwa 85 Prozent. Die professionelle Pflege durch ambulante Dienste rangiert unter den zehn wichtigsten Zukunftsthemen.

Der Bericht dokumentiert, dass die Befragten einen dringenden Anpassungsbedarf des Gesundheitssystems an die alternde Bevölkerung sehen. In den qualitativen Interviews äußerten Teilnehmende Sorgen bezüglich ihrer körperlichen und kognitiven Verfassung mit zunehmendem Alter sowie hinsichtlich der pflegerischen Versorgung.

Bei einer Pinnwand-Umfrage auf dem Deutschen Seniorentag, bei der Besucherinnen und Besucher ihre Erwartungen an die Politik notierten, stand das Themenfeld Pflege und Gesundheitsversorgung mit 16 Erwähnungen an zweiter Stelle – direkt hinter Rente, Armut im Alter und sozialer Gerechtigkeit. Die Teilnehmenden der Gruppendiskussionen forderten laut Bericht, den Begriff „medizinische Versorgung“ breiter zu fassen und als „Gesundheitsversorgung“ zu bezeichnen, um auch Leistungen einzubeziehen, die nicht im engeren Sinne medizinisch seien.

Konkret wurden der Ausbau der sogenannten gemeldenden Pflege gefordert, etwa nach dem Modell der Gemeindeschwester Plus, sowie ein stärkerer Einsatz von Telemedizin und mehr Präventionsmaßnahmen. Als ungerecht empfinden die Befragten laut Bericht die unterschiedliche Behandlung von Privat- und Kassenpatienten. Die hohen Kosten für Pflegedienstleistungen wurden als erhebliche Belastung genannt.

Für Menschen mit Pflegebedarf, die allerdings nur etwa 4 Prozent der Befragten ausmachten, haben laut der Auswertung die Themen medizinische Versorgung, Mobilität sowie Klimawandel eine besonders hohe Relevanz. Auch Barrierefreiheit, Zugänglichkeit und ein altersfreundliches Umfeld zählen bei dieser Gruppe zu den zehn wichtigsten Themen. In den Interviews wurde deutlich, dass viele Befragte den Verlust von Unabhängigkeit und Selbstbestimmung im Alter fürchten.

Finanzielle Absicherung und steigende Lebenshaltungskosten bereiten Sorgen

Neben der Gesundheitsversorgung dominieren Fragen der sozialen Sicherheit die Ergebnisse. Die finanzielle Absicherung im Alter bewerteten rund drei Viertel der Befragten als sehr wichtig für ihre aktuelle Situation, mit Blick auf die Zukunft sogar etwa 85 Prozent. Die Lebenshaltungskosten gehören zu den zehn wichtigsten Zukunftsthemen und wurden von 35 Prozent der Befragten unter ihren fünf wichtigsten Themen genannt. Das Armutsrisiko im Alter, insbesondere für ältere Frauen und Menschen mit Migrationsgeschichte, wurde als zentrales Problem benannt.

Die Teilnehmenden der Gruppendiskussionen kritisierten laut Bericht das Rentensystem und forderten unter anderem ein einheitliches Rentensystem, Erleichterungen für Zuverdienste im Rentenalter sowie ein Grundeinkommen im Alter. Auch Arbeitsmöglichkeiten über das Rentenalter hinaus wurden als Lösungsansatz genannt.

Die finanziellen Herausforderungen betreffen laut der Befragung nicht nur die Bürgerinnen und Bürger, sondern auch den Staat. Die Sorge um das Fortbestehen der Sozialversicherungssysteme wurde in mehreren Beteiligungsformaten thematisiert. Die Sicherung der wirtschaftlichen Stabilität und des Rentensystems sowie die Verfügbarkeit medizinischer Grundleistungen für alle wurden als wichtige politische Maßnahmen genannt.

Wohnen, Barrierefreiheit und Begegnungsorte als weitere Schwerpunkte

Das Thema Wohnsituation gehört laut der Befragung sowohl aktuell als auch zukünftig zu den fünf wichtigsten Themenbereichen. Die Befragten äußerten Ängste vor steigenden Mieten und kritisierten den Mangel an barrierefreien und bezahlbaren Wohnungen. Alternative Wohnformen wie Mehrgenerationenwohnen sollten nach Ansicht der Teilnehmenden ausgebaut werden.

Den Kommunen kommt laut dem Bericht eine besondere Rolle zu. Die Befragten forderten bessere Beratungs- und Begegnungsmöglichkeiten für ältere Bürgerinnen und Bürger sowie eine verbindliche Grundlage der Altenhilfe. Begegnungsorte zur Vorbeugung von Einsamkeit wurden als wichtig erachtet. Eine 85-jährige Interviewpartnerin sagte: „Wichtig sind Orte, wo man sich begegnen kann, miteinander reden und sich austauschen kann.“

Die Themen Mobilität und Barrierefreiheit spielten ebenfalls eine große Rolle. Mobilität gehört zu den zehn wichtigsten Zukunftsthemen und wurde von 30 Prozent der Befragten unter ihren fünf wichtigsten aktuellen Themen genannt. Fehlende Mobilitätsmöglichkeiten, mangelnde Barrierefreiheit und unzureichende Erreichbarkeit wurden als Probleme benannt.

Digitalisierung: Zwischen Chancen und Ausgrenzung

Die zunehmende Digitalisierung aller Lebensbereiche wurde in der Befragung ambivalent bewertet. Die Befragten erkennen laut Bericht einerseits die Möglichkeiten, die digitale Technologien eröffnen, andererseits führe die Digitalisierung zu Verunsicherung und Ausgrenzung. Ein 70-jähriger Interviewpartner wird zitiert: „Als älterer Mensch bin ich gefordert, immer schneller zu denken, mich neu einzuordnen. Zum Beispiel im Bankwesen: Vieles geht nur noch online.“

Insbesondere im Hinblick auf künstliche Intelligenz wurden Fragen zur Vertrauenswürdigkeit und Sicherheit diskutiert. An der Pinnwand auf dem Seniorentag fanden sich mit 15 Erwähnungen zahlreiche Forderungen zum Erhalt analoger Zugänge zu öffentlichen Einrichtungen und Dienstleistungen.

Frieden und Demokratie als übergeordnete Sorgen

Die Themen Frieden und Demokratie wurden von jeweils mehr als 90 Prozent der Befragten als sehr wichtig bewertet – sowohl für die aktuelle Lebenssituation als auch mit Blick auf die Zukunft. Viele Befragte fühlen sich laut dem Bericht durch die ungewisse politische Lage bedroht oder sorgen sich um die Zukunft der kommenden Generationen.

Der Bericht verweist darauf, dass die Befragung während des Bundestagswahlkampfs stattfand und in einem Zeitraum, in dem die Anschläge in Magdeburg und Aschaffenburg für große mediale Aufmerksamkeit sorgten. Dies könnte die Ergebnisse beeinflusst haben.

Einschränkungen der Befragung

Die BAGSO weist darauf hin, dass die Ergebnisse nicht repräsentativ sind. Fast 90 Prozent der Befragten waren 55 Jahre und älter, das Durchschnittsalter lag bei 68 Jahren. Die Stichprobe war überdurchschnittlich gebildet: 53 Prozent gaben an, die allgemeine Hochschulreife als höchsten Bildungsabschluss erreicht zu haben. Bestimmte Gruppen wie sehr alte, pflegebedürftige Menschen oder Menschen mit Migrationshintergrund waren laut Bericht wenig unmittelbar vertreten.

Dennoch hätten die Ergebnisse aufgrund der hohen Teilnehmerzahl und der Kombination verschiedener Beteiligungsformate eine hohe Aussagekraft, so die BAGSO. Die Ergebnisse wurden bereits an die UNECE übermittelt und sollen als Grundlage für die Überarbeitung der Regionalen Umsetzungsstrategie dienen, die 2027 verabschiedet werden soll.

Zum Bericht der BAGSO