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Pflegeheime im Fokus: Stationäre Behandlung ohne Klinikaufenthalt
Asklepios testet mit „VirtualWard“ die Krankenhausbehandlung direkt im Pflegeheim – ein Modell, das Hochbetagten belastende Klinikaufenthalte erspart und Pflegeeinrichtungen neue Perspektiven bietet, jedoch mit organisatorischen Hürden zu kämpfen hat.
Pflegeheimbewohner können seit November 2025 in Hamburg und Hessen erstmals eine vollwertige Krankenhausbehandlung erhalten, ohne ihr vertrautes Umfeld verlassen zu müssen. Laut einer Mitteilung der AOK startete das Projekt „VirtualWard“ der Asklepios-Kliniken in Hamburg-Nord und Langen (Hessen) in Kooperation mit sieben Pflegeeinrichtungen.
Vorteile für Pflegeheimbewohner und Einrichtungen
Das vom Innovationsfonds geförderte Projekt zielt darauf ab, Klinikaufenthalte für Hochbetagte zu vermeiden, die mit erheblichen Risiken verbunden sind. „Vor allem unsere Patientinnen und Patienten mit beginnender Demenz können vom Verbleib in ihrer vertrauten Umgebung profitieren“, erklärt Thorsten Stein, Chefarzt der Pneumologie an der Asklepios-Klinik in Langen.
Für Pflegeeinrichtungen bietet das Modell eine Aufwertung ihrer Versorgungskompetenz. Die Heime erhalten als Dienstleister der Kliniken eine Vergütung für die Vor- und Nachbereitung telemedizinischer Visiten, Arzneimittelgabe und weitere Aufwände.
Neue Aufgaben für Pflegekräfte
Die Umsetzung erfordert motivierte Pflegekräfte in den Einrichtungen, die auch für die telemedizinische Überwachung verantwortlich sind. „Die generalistische Ausbildung der Pflegekräfte ist eine gute Voraussetzung dafür, die ärztlichen Anordnungen umzusetzen“, betont Jan Ries, Projektmanager bei Asklepios.
Die täglichen Visiten erfolgen über Tablet-Computer am Bett der Bewohner. Für die Heime bedeutet dies konkret: Sie benötigen stabiles WLAN und Personal, das die Übertragung von Vitalparametern sicherstellt.
Das Programm fokussiert sich zunächst auf Erkrankungen mit überschaubarem Behandlungsverlauf. „Dafür müssen die Pflegebedürftigen ein Krankheitsbild aufweisen, das die stationäre Behandlung erfordert, aber keinen komplizierten Verlauf erwarten lässt“, erläutert Chefarzt Thorsten Stein. Zum Start werden vor allem einfache Fälle behandelt, insbesondere Infektionskrankheiten wie Lungen- oder Blasenentzündungen, die typischerweise mit Antibiotika therapiert werden können.
Herausforderungen bei der Umsetzung
Die größten Hürden liegen nicht in Medizin oder Technik, sondern in der Vertragsgestaltung. Da das Modell nicht in der Regelversorgung verankert ist, wurde ein besonderer Versorgungsvertrag nach §140 SGB V implementiert. „Sämtliche Krankenkassen aller beteiligten Patientinnen und Patienten müssen dem Vertrag separat beitreten“, erklärt Professor Lutz Hager vom Bundesverband Managed Care.
Anfänglich waren nur die AOK Rheinland-Hamburg, die Barmer und die Mobil Krankenkasse beteiligt. Seit Januar 2026 ist auch die Techniker Krankenkasse hinzugekommen, zusammen mit zehn weiteren Betriebskrankenkassen.
Die wissenschaftliche Begleitung durch das INAV Institut in Berlin soll zeigen, ob das Modell qualitativ und wirtschaftlich überzeugen kann. Projektleiter Ries blickt optimistisch in die Zukunft: „Wir stellen uns vor, dass es irgendwann eine virtuelle DRG gibt.“
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