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Wie technische Assistenzsysteme den Fachkräftemangel in der Pflege abfedern

Der Fachkräftemangel in der Pflege ist Realität: Immer schwerer wird es, qualifiziertes Personal zu gewinnen und zu halten. Gleichzeitig wächst der Unterstützungsbedarf – besonders in ambulant betreuten Wohngemeinschaften. Dass in dieser vielfach als „Personalnotstandsbranche“ wahrgenommenen Umgebung gerade technische Systeme Teil der Lösung sein können, zeigt das Sozialwerk St. Georg in Zusammenarbeit mit der inhaus GmbH.

Technische Assistenzsysteme entlasten Pflegekräfte und machen Abläufe effizienter. Bild: Adobe Stock/unai

„Wir haben unseren Fokus unter anderem auf ambulant betreute Wohngemeinschaften gelegt –“, erläutert Enrico Löhrke, Geschäftsführer der inhaus GmbH. In diesen Wohnformen kommen technische Assistenzsysteme zum Einsatz, „die im Wesentlichen dazu dienen, Prozessabläufe zu vereinfachen und nicht mehr vorhandenes Personal zu kompensieren“.

Das Beispiel zeigt eindrücklich, wie stark Technik wirken kann. In Einrichtungen ohne technische Unterstützung seien nächtliche Rundgänge für Pflegekräfte an der Tagesordnung:
„Wenn Sie keine Technik eingebaut haben, verbringen Pflegekräfte insbesondere in der Nacht die meiste Zeit mit Rundgängen – um zu sehen, wie es den Bewohnenden geht oder ob es Auffälligkeiten gibt.“ Viele dieser Gänge seien reine Kontrollgänge, keine pflegerischen Einsätze.

Dank funkbasierter Sensorik kann sich dieses Szenario grundlegend verändern. „Durch das Assistenzsystem werden gefahrenrelevante Situationen automatisch erkannt und an die Pflegekräfte signalisiert“, so Löhrke. „Die müssen also nicht mehr pauschal nachschauen, wo etwas los ist – das macht die Technik.“

Zeitersparnis, Sicherheit und Entlastung

Der Effekt ist messbar: 50 Prozent Zeitersparnis während der Nachtphasen und eine 90 Prozent höhere Reaktionsgeschwindigkeit. „Die müssen also nicht mehr pauschal nachschauen, wo etwas los ist – das macht die Technik“, betont Löhrke.

Damit entstehen neue organisatorische Spielräume. „Eine ambulant betreute Wohngemeinschaft auf drei Etagen, bislang mit zwei Nachtwachen abgesichert, kann heute rechtmäßig mit einer Hilfskraft als Nachtwache betrieben werden – mit behördlicher Zustimmung.“ Und Löhrke stellt klar: „Es geht dabei ausdrücklich nicht um betriebswirtschaftliche Optimierung, sondern um die Frage: Wie können wir Wohnformen überhaupt noch personell absichern, wenn niemand mehr da ist, der diese Stellen übernehmen kann?“

Entlastung für Körper und Geist

Die technische Unterstützung zeigt Wirkung auf mehreren Ebenen. „Wenn Pflegekräfte die ganze Nacht im Kreis laufen, sind sie permanent im Gedankengang: Ist hinter mir noch alles in Ordnung? Muss ich gleich schon wieder los? Das fällt mit unserem System weg.“

Neben der psychischen Entlastung sinkt auch die körperliche Beanspruchung – überflüssige Wege entfallen, das Arbeitsklima verbessert sich deutlich. „Das Sozialwerk St. Georg stellt fest, dass gerade jüngere Mitarbeitende das sehr schätzen“, so Löhrke. „Ein modernes, technikgestütztes Umfeld, weniger Stress, weniger Belastung – das macht den Beruf wieder attraktiver und stärkt die Arbeitgebermarke.“

Auch mit Blick auf Krankheitsquoten rechnet Löhrke mit langfristigen Effekten: „Die Techniker Krankenkasse hat 2024 in einer Studie festgestellt, dass zwei von drei Krankheitsbildern auf Stress zurückzuführen sind – insbesondere psychische Belastungen und Atemwegserkrankungen. Wenn wir also Stress reduzieren, liegt es nahe, dass sich das auch in geringeren Krankheitsquoten zeigen wird.“

KI in der Pflege: Vom Reagieren zum Vorbeugen

Die Entwicklung technischer Assistenzsysteme steht erst am Anfang. „Bisher erkennt das System, dass etwas passiert ist – etwa ein Sturz. Perspektivisch wollen wir dahin kommen, dass es erkennt, dass etwas passieren könnte“, erklärt Löhrke. Ziel sei eine Pflege, „die von einer reaktionären zu einer proaktiven wird“.

Hier kommt die künstliche Intelligenz ins Spiel. „Wir arbeiten daran, dass ein System beispielsweise meldet: Das Sturzrisiko steigt gerade auf über 90 Prozent, vermutlich innerhalb der nächsten fünf Minuten. Das wäre eine völlig neue Pflegequalität.“ Zwar sei die Vorhersagequalität noch nicht ausreichend für den Echtbetrieb, „aber wir wissen, dass das kommen wird“.

Auch bei der Datenanalyse kann KI unterstützen – durch Zusammenfassungen und kontextbezogene Einschätzungen. „Pflegekräfte haben oft keine Zeit, sich mit den Daten der letzten Wochen auseinanderzusetzen. Wenn KI es übernimmt, die wichtigsten Trends zusammenzufassen – etwa: Wie war die letzte Nacht, wie haben sich bestimmte Werte verändert –, dann bleibt mehr Raum für das Wesentliche: den Menschen.“

Bürokratische Hürden und positive Beispiele

Ein Hindernis für die flächendeckende Einführung bleibt die föderale Struktur. „Die Genehmigung solcher Systeme fällt auf kommunaler Ebene, das heißt: unterschiedliche Behörden, unterschiedliche Anforderungen.“

Trotzdem ist Löhrke zuversichtlich: „Wir haben inzwischen verschiedene Kommunen, in denen die Umsetzung erfolgreich läuft. Die positiven Erfahrungen erleichtern den Weg in neue Regionen enorm – auch wenn es Gespräche auf Augenhöhe braucht.“

Tipp: Am 13. und 14. November trifft sich die Pflegebranche in Würzburg zur Altenheim Fachkonferenz „Neue Wege – Wohnen im Alter“. Mit dabei: Enrico Löhrke mit seinem Vortrag „Wie das Sozialwerk St. Georg den Fachkräftemangel meistert“

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