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Pflegeexperte fordert Abkehr von Einzelzimmer-Pflicht

Angesichts steigender Kosten und des Personalmangels in der Altenpflege plädiert Joachim Knollmann, Leiter des Seniorenzentrums Bethel in Bad Oeynhausen, für eine Abkehr von der Einzelzimmer-Pflicht. Die Umwandlung von Pflegeheimen in „First-Class-Hotels“ mit Einzelzimmern sei ein Fehler gewesen, sagte der als „Pflegeflüsterer“ auf TikTok bekannte Experte in einem Interview mit der Welt am Sonntag.

Joachim Knollmann: "Dieses System können wir uns nicht mehr leisten."

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Die gesetzliche Vorgabe etwa in Nordrhein-Westfalen von 80 Prozent Einzelzimmerquote für Bestandsbauten und 100 Prozent für Neubauten sei nicht mehr tragbar, betonte Knollmann im Gespräch mit der Welt am Sonntag. „Dieses System können wir uns nicht mehr leisten“, sagte der 64-jährige CDU-Kommunalpolitiker, dessen TikTok-Kanal 87.000 Follower zählt. Durch hohe Investitionen in moderne Einzelzimmer mit Hotelcharakter seien die Kosten für alle Bewohner deutlich gestiegen.

Knollmann verweist auf seine eigene Einrichtung. „Wir haben 16 Millionen Euro in die Modernisierung unserer Pflegeeinrichtung in Bad Oeynhausen investiert“, sagt er. Dadurch sei der Investitionskostentagessatz, oft als „Miete“ bezeichnet, von 14 auf 31 Euro pro Tag gestiegen, „und das für alle. Unabhängig davon, ob sie im modernen Einzelzimmer wohnen oder nicht“, kritisiert der Heimleiter. Dies bedeute mehr als 900 Euro zusätzlich im Monat für jeden Bewohner.

Pflegesystem vor dem Kollaps

Knollmann warnt vor einem drohenden Zusammenbruch des Pflegesystems: „Ich denke, dass das System viel früher kollabieren wird. Wir haben nicht genügend Personal, zu viel Bürokratie und viel zu hohe Kosten.“ Der durchschnittliche monatliche Eigenanteil für einen Pflegeheimplatz in NRW liege inzwischen bei über 3400 Euro für das erste Aufenthaltsjahr – mit steigender Tendenz.

Besonders problematisch sei die Entwicklung der Personalkosten, die 80 Prozent der Gesamtkosten ausmachen und in den vergangenen zehn Jahren um rund 62 Prozent gestiegen seien. Eine Pflegefachkraft in Vollzeit verdiene nach dem Tarif der Diakonie mit Zulagen zwischen 4500 und 5000 Euro brutto im Monat.

Sozialstaat an Grenzen

„Bundesweit springt inzwischen bei jedem dritten Pflegeheimbewohner das Sozialamt ein. Und dieser Anteil wird weiter wachsen“, erklärte Knollmann. Die Pflegekassen verzeichneten 2024 ein Defizit von über 1,5 Milliarden Euro. „Angesichts der Rekordverschuldung nur nach dem Staat zu rufen, halte ich für das völlig falsche Signal. Der Sozialstaat ist nicht dafür da, allen alles zu bezahlen“, so der Heimleiter.

Qualität muss nicht leiden

Bayern hat bereits reagiert und die Einbettzimmer-Quote aufgehoben. Knollmann betont, dass die Qualität der Pflege darunter nicht leiden müsse. Vielmehr gehe es darum, „absurde Regelungen zu ändern“ und Heimen mit guter Leistungsbilanz mehr Eigenverantwortung zu übertragen.

Trotz der wirtschaftlichen Herausforderungen – sein eigenes Heim schreibe Verluste – setzt Knollmann auf Innovation. Er hat kürzlich einen Roboter bestellt, der Essen servieren soll. Für die eigentliche Pflege seien aber weiterhin Menschen unerlässlich. Zudem sei sein Haus auf internationale Mitarbeiter angewiesen: „Ohne Migration könnten wir sofort dichtmachen.“