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Weniger Betten, mehr Vielfalt: Neues Pflegekonzept in Meisenheim

Die Rheinische Gesellschaft für Diakonie errichtet in Meisenheim statt eines traditionellen 100-Betten-Heims ein innovatives Versorgungszentrum mit 51 stationären Plätzen und vielfältigen ambulanten Angeboten. Ein gemeinsamer Personalstamm soll künftig mehr Menschen versorgen als bisher.

„Wir bauen kein 100-Betten-Haus mehr – weil wir nicht wissen, woher das Personal kommen soll“, sagt Geschäftsführer Martin Sartorius. Foto: Rheinische Gesellschaft für Diakonie

„Wir bauen kein 100-Betten-Haus mehr – weil wir nicht wissen, woher das Personal kommen soll“, sagt Geschäftsführer Martin Sartorius. In Rheinland-Pfalz stehen bereits zehn Prozent der stationären Plätze leer, nicht wegen mangelnden Bedarfs, sondern wegen Personalmangel. Das Rothgang-Gutachten fordert zudem 36 Prozent mehr Pflegekräfte, vor allem in Assistenzfunktionen.

Die strategische Entscheidung fiel 2020: Kein Großheim mehr, sondern differenzierte Versorgungsstrukturen. „Ich kann für 100 Leute etwas im Heim machen – oder Strukturen schaffen, die 100 plus x Menschen erreichen“, so Sartorius.

Unterschiedliche Angebote für verschiedene Zielgruppen

Die 51 stationären Plätze sind Menschen mit hohem pflegerischem Bedarf vorbehalten – Pflegegrad 4 oder 5, stark demenziell verändert oder in ihrer letzten Lebensphase. Dazu entstehen 24 Appartements für Betreutes Wohnen, gedacht für Menschen, die ihre Wohnung nicht mehr eigenständig bewirtschaften können, aber über Restfähigkeiten verfügen.

Für weniger selbstständige Bewohner wird es eine ambulant betreute Wohngemeinschaft geben – mit Präsenzkraft rund um die Uhr, besonders für Menschen mit Demenz. Eine Tagespflege im Erdgeschoss richtet sich an Menschen aus Meisenheim und umliegenden Ortschaften, die zu Hause leben, tagsüber aber Struktur und Versorgung benötigen.

Auch Kurzzeitpflege wird integriert – für Betroffene nach Klinikaufenthalten oder zur Entlastung von Angehörigen. Sie ist bewusst mit Begegnungsflächen wie Restaurant und Café verzahnt, um soziale Kontakte zu fördern.

Flexibler Personaleinsatz

Zentral ist der flexible Personaleinsatz über einen einheitlichen Personalkörper. Vorbild ist ein Modell in Rheinbach (NRW), wo Pflegekräfte teils stationär, teils ambulant arbeiten. „Es funktioniert, wenn jemand vier Stunden im Heim und drei Stunden ambulant tätig ist“, so Sartorius.

In Meisenheim sollen Fachkräfte gezielt Behandlungspflege leisten, während Assistenzkräfte Grundpflege und Betreuung übernehmen. Die kurzen Wege im Quartier ermöglichen effiziente Abläufe, ohne Doppelbesetzungen vorhalten zu müssen.

Damit steigt die Bedeutung qualifizierter Assistenz, während Fachkräfte sich stärker auf ihre Kernaufgaben konzentrieren können. Ergänzend sorgt ein Quartiers- und Case-Management dafür, dass Menschen nicht automatisch ins Heim übergeleitet werden, sondern passende Unterstützungsformen erhalten.

Hinweis: Martin Sartorius hat das Konzept auch beim Systemwandelworkshop: „Meisenheim is everywhere!? – Neue Konzepte zur Ambulantisierung“ der Ruhrgebietskonferenz Pflege am 17. September vorgestellt.

Kerstin Hamann