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Bundesrechnungshof warnt vor Finanzkrise in der Pflegeversicherung

Die soziale Pflegeversicherung (SPV) steht nach einem Bericht des Bundesrechnungshofes an den Haushaltsausschuss des Bundestages vor einer massiven Unterfinanzierung. Das Prüfungsorgan legte den Bericht am 3. September 2025 zur Vorbereitung der Beratungen über den Bundeshaushalt 2026 vor. Darin heißt es, schon 2024 habe die SPV ein Defizit von 1,54 Milliarden Euro ausgewiesen; für 2025 sei trotz einer Beitragssatzerhöhung auf 3,6 Prozent mit einem Fehlbetrag von rund 500 Millionen Euro zu rechnen.

Frau schiebt Patientin im Rollstuhl über einen Flur im Krankenhaus oder Pflegeheim.
Die Pflegeversicherung rutscht immer tiefer ins Minus. Foto: AdoebStock/klick61

Der Ausgleichsfonds der Pflegekassen konnte zuletzt nur durch abgesenkte Reserven liquide gehalten werden. 2025 musste erstmals überhaupt eine einzelne Pflegekasse mit monatlichen Finanzhilfen von 8,5 Millionen Euro gestützt werden.

Nach den Berechnungen des Gesundheitsministeriums steuert die soziale Pflegeversicherung auf ein Defizit von 3,5 Milliarden Euro im Jahr 2026 zu. Schon bis 2029 könnte das Minus auf 12,3 Milliarden Euro anwachsen.

Als Hauptursachen nennt das Ministerium den stärkeren Zuwachs an Pflegebedürftigen sowie steigende Kosten in der stationären Versorgung. Besonders teuer wird die 2022 eingeführte Begrenzung des Eigenanteils für Heimbewohner: 2024 verursachte sie 6,4 Milliarden Euro an Ausgaben – fast drei Milliarden mehr als 2022. Bis 2029 könnten die Kosten auf 9,4 Milliarden Euro steigen. Ende 2024 waren bereits über 5,6 Millionen Menschen pflegebedürftig, rund 400 000 mehr als ein Jahr zuvor.

Zusätzlich belastet die ausgesetzte Bundesbeteiligung die Kassen. Der eigentlich vorgeschriebene Zuschuss von einer Milliarde Euro jährlich wird bis 2027 nicht gezahlt. Stattdessen gewährt der Bund 2025 und 2026 Kredite von insgesamt zwei Milliarden Euro. Diese müssen ab 2029 schrittweise zurückgezahlt werden – neben bereits bestehenden Rückzahlungsverpflichtungen älterer Hilfen.

Der Bundesrechnungshof warnt, dass kurzfristige Hilfen nicht ausreichen, um die Pflegeversicherung dauerhaft zu stabilisieren. Auch die Bund-Länder-Arbeitsgruppe „Zukunftspakt Pflege“, die bis Ende 2025 Reformvorschläge vorlegen soll, könne das Problem kaum rechtzeitig lösen. Nötig sei eine grundlegende Neuordnung der Finanzierung, die sowohl die steigenden Eigenanteile als auch den rasanten Anstieg der Pflegebedürftigen auffängt. Ohne entschlossenes Gegensteuern werde die Versicherung schon bald wieder tiefrote Zahlen schreiben.