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Pflegenotstand bereitet Deutschen Sorgen – doch kaum jemand sorgt vor

Deutsche fürchten sich vor der Zukunft der Pflege, treffen aber selbst kaum Vorkehrungen für das Alter. Jeder Dritte wäre bereit, ehrenamtlich zu helfen – doch die Mehrheit lehnt dies ab.

Betreuungskraft und ältere Dame beim gemeinsamen Tee und Gebäck im Wohnzimmer mit Klavier und Pflanzen im Hintergrund.
Professionelle Seniorenbetreuung schafft wertvolle Momente der Gemeinschaft und Zuwendung im vertrauten Wohnumfeld. Die persönliche Begleitung im Alltag fördert das Wohlbefinden und erhält die Selbstständigkeit älterer Menschen. Foto: Lena Kirchner/Malteser Hilfsdienst

Drei von vier Deutschen blicken mit Sorge auf die Pflege im Land. Das zeigt eine repräsentative YouGov-Umfrage im Auftrag der Malteser. Über 80 Prozent der Befragten sehen den viel diskutierten Pflegenotstand als unzureichend von der Politik erkannt und angegangen. Laut Statistischem Bundesamt fehlen bereits heute zehntausende Pflegekräfte – bis 2049 könnten es laut der Umfrage bis zu 690.000 sein.

Trotz dieser düsteren Aussichten hat sich fast die Hälfte der Befragten noch keine Gedanken darüber gemacht, wie die eigene Pflege im Alter aussehen soll. Jeweils 14 Prozent wünschen sich Pflege durch Familie oder Freunde beziehungsweise durch einen ambulanten Pflegedienst. Für zehn Prozent kommt eine Senioren-WG in Frage, für fünf Prozent eine Altenhilfeeinrichtung.

Die größten Befürchtungen der Deutschen betreffen die Bezahlbarkeit der Pflege und den Verlust der Selbständigkeit – Sorgen, die jeweils die Hälfte der Befragten teilt. Dennoch sorgt die Mehrheit nicht aktiv für ihre Pflege im Alter vor. Nur jeder Fünfte hat finanzielle oder juristische Vorbereitungen getroffen, lediglich vier Prozent haben organisatorische Vorkehrungen getroffen.

Frauen häufiger in Pflege eingebunden als Männer

Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens mit dem Thema Pflege in Berührung zu kommen, ist hoch – allerdings mit deutlichen Geschlechterunterschieden. Laut der Umfrage hat fast jede zweite Frau, aber nur jeder dritte Mann bereits die Pflege von jemandem begleitet. Die Familie bildet dabei den häufigsten Berührungspunkt: 29 Prozent aller Befragten haben bereits ein Familienmitglied mitbetreut, außerhalb der Familie trifft das nur auf neun Prozent zu.

Dennoch zeigt sich ein Drittel der Befragten bereit, pflegebedürftige Menschen auch außerhalb der Familie ehrenamtlich zu begleiten. Am ehesten können sich die Deutschen dabei Besuche und Gespräche vorstellen (66 Prozent), gefolgt von Ausflugsbegleitungen und Unterstützung im Haushalt. Als Motivation nennen sie den Wunsch, Gutes zu tun (57 Prozent), Einsamkeit zu lindern (56 Prozent) und später selbst Hilfe zu erhalten (53 Prozent).

Eine Mehrheit von 56 Prozent kann sich jedoch nicht vorstellen, sich ehrenamtlich an der Pflege von Nicht-Familienmitgliedern zu beteiligen. Als größte Hindernisse führen die Befragten Zeitmangel und das Unbehagen an, fremden Menschen zu nahe zu kommen – beide Aspekte nennen jeweils 34 Prozent.

Als Anreize würden aus Sicht der Befragten Aufwandsentschädigungen oder Rentenpunkte wirken. Für ein Viertel der Befragten hängt die Bereitschaft zum Engagement allerdings nicht von Anreizen ab.

„Wir dürfen die mit dem Pflegenotstand verbundenen Probleme nicht auf die Versorgung körperlicher Beschwerden reduzieren“, sagt Clementine Perlitt, Generaloberin und Vizepräsidentin des Malteser Hilfsdienst. Pflegebedürftigkeit bringe viele Begleitprobleme mit sich – vom Bewältigen alltäglicher Aufgaben bis hin zu eingeschränkter Teilhabe am sozialen Leben. Die ehrenamtliche Begleitung könne hier viel bewirken, indem sie die Lebensqualität steigere und für Entlastung sorge, so Perlitt laut der Mitteilung.

Mehr Informationen:
https://www.malteser.de/ehrenamtsmonitor.html