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Finanzwende kritisiert Investoren in der Pflege – Branchenvertreter wehrt sich

Private Investoren in der Pflegebranche stehen einmal mehr in der Kritik. Laut einer Berichterstattung von n-tv warnen Verdi und der Verein Finanzwende vor negativen Folgen für Personal und Bewohner in Pflegeeinrichtungen. Dagegen verteidigt Jens Nagel, Geschäftsführer der Hemsö GmbH, in einem LinkedIn-Beitrag die Rolle privater Investitionen und kritisiert eine verzerrte Darstellung des Marktes.

Die Debatte um private Investitionen im Pflegesektor dreht sich vor allem um die Frage nach angemessenen Renditen und deren Auswirkungen auf die Versorgungsqualität. Foto: weyo/Adobe Stock

Die während der „Super Return“-Konferenz in Berlin geäußerte Kritik richtet sich gegen Finanzinvestoren, die laut Verdi-Vorstandsmitglied Sylvia Bühler „derzeit alles im Gesundheitsbereich kaufen, was sie bekommen können“. Nach Angaben von Jorim Gerrard vom Verein Finanzwende versprechen solche Investoren ihren Geldgebern Renditen von bis zu 20 Prozent – Werte, die nach seiner Einschätzung „durch kluges Wirtschaften nicht zu erklären“ seien, wie n-tv in einem Beitrag berichtet.

Bühler berichtet von problematischen Praktiken: Um hohe Gewinne zu erzielen, würden Personalkosten reduziert und Immobilien verkauft, die dann zu hohen Preisen zurückgemietet werden müssten. „Unter den Folgen des hohen Kostendrucks leiden die Beschäftigten ebenso wie die Bewohner der Einrichtungen“, so Bühler.

Gegenstimme: Private Investitionen als notwendige Stütze

Jens Nagel, dessen Unternehmen Hemsö über 70 Pflegeheime mit mehr als 25 verschiedenen Betreibern hält, widerspricht dieser Darstellung entschieden. „Der Staat hat sich über Jahre hinweg bewusst dafür entschieden, privates Kapital in die Pflegeinfrastruktur zu holen – weil er selbst zu wenig investiert hat“, erklärt Nagel auf LinkedIn.

Die im n-tv-Artikel genannten Renditeversprechen von 20 Prozent entsprächen „in keiner Weise dem Normalfall am Markt“, so Nagel. Vielmehr bewegten sich die Renditen bei Pflegeimmobilien „in der Breite bei rund fünf Prozent“.

Qualität der Pflege unabhängig von Eigentümerstruktur?

Während die Kritiker einen direkten Zusammenhang zwischen Investorenmodellen und sinkender Pflegequalität sehen, betont Nagel: „Weder die Qualität der Pflege noch der Umgang mit dem Personal hängt von der Eigentümerstruktur ab.“ Für Bewohner mache es keinen Unterschied, wem die Immobilie gehöre, da der Investitionskostensatz gesetzlich geregelt sei.

Die zentrale Frage sei vielmehr, wie man „langfristig verlässliches Kapital für die Pflegeinfrastruktur“ gewinnen könne. Nagel warnt: „Wenn sich privates Kapital zurückzieht – wer trägt dann die Last in einem System, das vielerorts schon heute an der Belastungsgrenze arbeitet?“