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„KI von der Stange“ funktioniert für Heime nicht
Die Einführung Künstlicher Intelligenz (KI) verspricht in der Sozialwirtschaft weitreichende Veränderungen, stößt jedoch gleichzeitig auf Hürden. Auf einer Fachveranstaltung des Verbands diakonischer Dienstgeber in Deutschland (VdDD) Anfang Dezember wurde der Handlungsbedarf in diakonischen Unternehmen deutlich.
Laut einer Umfrage unter den Teilnehmenden hat bereits jedes zweite Unternehmen Richtlinien zur Nutzung von KI entwickelt oder arbeitet daran. Allerdings fühlen sich zwei Drittel der Befragten kaum über den im Sommer verabschiedeten „Artificial Intelligence Act“ (AI Act) informiert, der schrittweise in Kraft tritt und den Einsatz von KI in Europa reguliert.
Ethische Leitplanken und interne Regeln
„Unternehmen müssen sich zeitnah einen Überblick verschaffen, welche KI-Anwendungen im Betrieb genutzt werden und diese den Risikoklassen zuordnen, um dann die entsprechenden Schritte einleiten zu können“ , betont Rolf Baumann, stellvertretender Geschäftsführer des VdDD. Notwendig seien interne Regelungen, um Datenschutz, Diskriminierungsfreiheit und Transparenz zu gewährleisten. Der Gesundheitskonzern Agaplesion gilt als Vorreiter: Bei einem eigenen KI-Innovationsgipfel zeigte sich, dass KI im Gesundheitswesen enorme Effizienzgewinne erzielen kann. Beispielsweise konnte die Untersuchungszeit bei einem KI-unterstützten MRT auf sechs bis acht Minuten verkürzt werden.
Auch das Christliche Jugenddorfwerk Deutschlands (CJD) hat eine Stabsstelle für KI eingerichtet. Ziel sei es, Anwendungen zu identifizieren, die datenschutz- und ethikkonform eingesetzt werden können. Richtig eingesetzt, könne KI Mitarbeitende entlasten und mehr Zeit für Klientinnen und Klienten schaffen, erklärt Samuel Breisacher, Vorstandsmitglied des CJD. Positive Erfahrungen macht das Unternehmen mit Mixed-Reality-Lerninhalten und sprachbasierten Assistenzsystemen.
Finanzielle Herausforderungen
Die Entwicklung und Einführung branchenspezifischer KI-Lösungen erfordert hohe Investitionen. „KI von der Stange“ sei in der Sozialwirtschaft selten anwendbar, betont Breisacher. Der VdDD fordert daher ein öffentlich finanziertes Investitionsbudget, um die Entwicklung KI-gestützter Anwendungen zu fördern. Dies sei essenziell, da aktuelle Digitalisierungsprojekte oft nicht refinanziert würden.
Innovationen in der Altenpflege
Auch die Evangelische Heimstiftung Stuttgart experimentiert mit KI-Anwendungen. Der soziale Roboter „Navel“ unterstützt seit Ende 2023 Betreuungskräfte in Pflegeheimen. Zusätzlich testet das Unternehmen Programme zur Pflegedokumentation und Dienstplanung. Erste Erfolge zeigen, dass KI die Arbeit spürbar erleichtern kann. Dennoch müssen die Kosten solcher Innovationen zunächst vom Unternehmen selbst getragen werden, bevor sie in die Pflegesatzverhandlungen einfließen können.
Die Diakonie Stiftung Salem in Minden setzt seit 2022 auf die Sprach-App „voize“. Diese ermöglicht es Pflegekräften, Dokumentationen direkt im Bewohnerzimmer zu erfassen, was pro Schicht etwa 18 Minuten Zeitersparnis bringt.
Strategische Ansätze für die Zukunft
Unternehmen müssten eine klare KI-Strategie entwickeln, fordert Baumann. Ob als „First Mover“ mit eigenen Entwicklungen, als „Second Mover“ durch frühes Testen neuer Technologien oder als „Follower“, die auf bewährte Tools setzen – die KI-Revolution biete vielfältige Chancen, erfordere jedoch entschlossenes Handeln.
Der VdDD vertritt nach eigenen Angaben die Interessen von rund 200 Mitgliedsunternehmen mit über 570.000 Beschäftigten.
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