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„Passt schon“-Café in Japan: Hier übernehmen Menschen mit Demenz den Service

Im „Passt schon“-Café in Japan übernehmen Menschen mit Demenz den Service. Es zeigt, dass sie aktiv Teil des gesellschaftlichen Lebens sein können.

Elisabeth Scharfenberg
Foto: Flo Miedl

Von Elisabeth Scharfenberg

Stell dir vor, du betrittst ein kleines, gemütliches Café. Die Atmosphäre ist warm, die Menschen lachen, plaudern und genießen ihren Kaffee. Aber hier ist etwas anders: Die Menschen, die dir dein Getränk servieren, haben Demenz. Und genau das macht das „Passt schon“-Café in Tokio und an anderen Orten in Japan so bemerkenswert.
Im „Passt schon“-Café übernehmen Menschen mit Demenz nicht nur eine passive Rolle. Sie sind die Gastgeberin und Gastgeber, die dir mit einem Lächeln deine Bestellung bringen – auch wenn sie vielleicht den Kaffee und den Tee verwechseln oder die Reihenfolge vergessen. Aber das spielt keine Rolle. Denn hier geht es nicht um Perfektion. Hier geht es um Menschlichkeit, um das Gefühl, weiterhin Teil der Gesellschaft zu sein, trotz der Krankheit.
Die Idee zu diesem Café, inspiriert von Österreich und seiner lockeren Redewendung „Passt schon“, die so viel wie „Alles gut“ bedeutet, bringt eine neue Perspektive in den Umgang mit Demenz. Es geht darum, das Leben mit all seinen Unvollkommenheiten willkommen zu heißen. Wenn die Servierkraft deine Bestellung vergisst? Kein Problem. Ein freundliches Lächeln und ein „Passt schon“ – alles ist gut.
Für die Menschen mit Demenz, die hier arbeiten, bedeutet das Café so viel mehr als nur ein Job. Es gibt ihnen die Chance, ihre Würde und Unabhängigkeit zurückzugewinnen. Sie sind nicht nur „an Demenz Erkrankte“, sondern wieder wertgeschätzte Mitglieder der Gemeinschaft. Das Gefühl, gebraucht zu werden, Aufgaben zu übernehmen, stärkt ihr Selbstbewusstsein und ihre Lebensfreude. Jeder Tag hier ist ein kleiner Triumph über die Krankheit.

Und für die Gäste? Sie erleben, dass Menschen mit Demenz nicht nur Hilfe benötigen, sondern aktiv Teil des gesellschaftlichen Lebens sein können. Ich stelle es mir berührend vor zu sehen, wie Vorurteile fallen, wenn die Gäste bemerken, dass es in diesem Café nicht um schnelle Bestellungen oder perfekte Abläufe geht, sondern um echte Begegnungen.
Dieses Konzept wirft für mich auch die Frage auf: Könnte so etwas in Deutschland funktionieren? Hierzulande gibt es bereits zahlreiche Initiativen, die das Leben von Menschen mit Demenz bereichern wollen, aber das „Passt schon“-Café geht einen Schritt weiter. Es zeigt, dass Menschen mit Demenz nicht nur betreut, sondern in die Gesellschaft eingebunden werden können – als gleichwertige Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
Deutschland steht, genau wie Japan, vor einer alternden Gesellschaft. Warum also nicht ein ähnliches Projekt bei uns ins Leben rufen? Ein Ort, an dem das Leben, trotz aller Herausforderungen, gefeiert wird und Menschen mit Demenz aktiv mitgestalten. Ein „Passt schon“-Café könnte auch hier ein Zeichen setzen: Für mehr Menschlichkeit, mehr Verständnis und das Bewusstsein, dass jeder Mensch, unabhängig von seiner Krankheit, wertvoll und unverzichtbar ist.