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Demenz: Raus aus der Komfortzone – rein ins Pflegeheim!

In einer Welt, die von Hektik, Zeitdruck, Selbstoptimierung und dem Wunsch nach ewiger Jugend geprägt ist, erscheint eine Überlegung absurd: Wären wir selbst und jetzt bereit, für drei Jahre auf eine Demenz-Station zu ziehen? Das fragt sich Elisabeth Scharfenberg.

Elisabeth Scharfenberg
Foto: Flo Miedl

Von Elisabeth Scharfenberg

Also nicht erst im hohen Alter und mit einer Demenz-Diagnose ins Heim zu ziehen, sondern jetzt, mitten im Leben. Die meisten Menschen würden diese Vorstellung wahrscheinlich verwerfen. Es erscheint unvorstellbar, unser eigenes Leben für einen längeren Zeitraum so radikal zu ändern und sich in eine völlig fremde Umgebung zu begeben, die mit Herausforderungen und Unvorhersehbarkeiten gespickt ist. Doch hier kommt Teun Toebes ins Spiel. Seine Entscheidung, genau das zu tun, mag für viele unverständlich erscheinen. Doch in seinem Buch „Der Einundzwanzigjährige, der freiwillig in ein Pflegeheim zog und von seinen Mitbewohnern mit Demenz lernte, was Menschlichkeit ist“, erzählt er von einer Reise, die nicht nur sein Leben, sondern auch das Verständnis für Menschlichkeit und zwischenmenschliche Beziehungen grundlegend verändert hat.

Wir alle neigen dazu, uns in unserer Komfortzone einzurichten und uns vor dem Unbekannten zu fürchten. Die Vorstellung, sich freiwillig in eine Situation zu begeben, die mit so vielen Ängsten besetzt ist, erscheint abschreckend und unvorstellbar. Doch genau diese Bereitschaft, sich dem Unbekannten zu stellen und die Komfortzone zu verlassen, ist es, die die Aktion von Teun Toebes so faszinierend macht. Teun Toebes‘ Entscheidung, für drei Jahre in ein Pflegeheim zu ziehen und dort mit Menschen mit Demenz zu leben, mag auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen. Doch hinter dieser scheinbaren Verrücktheit verbirgt sich eine tiefgreifende Botschaft über Menschlichkeit und Mitgefühl. Denn letztendlich geht es bei seiner Geschichte nicht nur darum, wie ein junger Mann sein Leben verändert hat, sondern auch darum, wie wir als Gesellschaft miteinander umgehen und wie wichtig es ist, Mitgefühl und Verständnis für diejenigen zu zeigen, die unsere Unterstützung am dringendsten benötigen.

Teun Toebes hat mit seiner Aktion nicht nur Mut bewiesen, sondern auch eine wichtige Diskussion angestoßen über die Art und Weise, wie wir Pflege und Unterstützung für Menschen mit Demenz gestalten. Seine Arbeit mit der Stiftung Artikel 25, die er gegründet hat, trägt dazu bei, das Bewusstsein für die Bedürfnisse dieser Menschen zu schärfen und die Prinzipien der Menschlichkeit und Gleichheit zu fördern. Für mich ist es inspirierend zu sehen, wie Teun Toebes sich für eine Sache einsetzt, die größer ist als er selbst, und dabei so viele Menschen berührt und beeinflusst. Seine Geschichte macht mir deutlich, dass es manchmal notwendig ist, die eigene Komfortzone zu verlassen und uns dem Unbekannten zu stellen, um wahre Veränderungen zu bewirken.

Ich freue ich mich darauf, gemeinsam mit Teun Toebes und anderen Expertinnen auf der Expo Living & Care auf dem Podium zum Thema „Neustart Pflegeheim – attraktiver und gesünder für Bewohner:innen und Mitarbeiter:innen“ zu diskutieren. Für mich eine hervorragende Gelegenheit, gemeinsam nach Lösungen zu suchen, wie wir die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und die Versorgung in Pflegeheimen – für alle Beteiligten – verbessern können. Wer sich vorab schon mal Teun Toebes anhören möchte, den lade ich herzlich ein, den Podcast „Fokus Pflege“ anzuschalten, in dem ich ein wunderbares Gespräch mit ihm hatte. Mir ist in diesem Interview klar geworden, wie eine einzige Person durch ihre Entschlossenheit und ihren Einsatz eine tiefgreifende Wirkung erzielen kann. Es wäre schön, wenn wir alle etwas mutiger wären und unsere Komfortzone verlassen, um uns für eine Welt einzusetzen, in der Menschlichkeit und Mitgefühl im Mittelpunkt stehen.

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