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Linke stellt Konzept für Vier-Tage-Woche vor
Vier Tage arbeiten, aber für fünf Tage Gehalt bekommen? Klingt verlockend. Die Linke will das nun vorantreiben und so einen Standard auf dem Arbeitsmarkt schaffen.
Bei der Umsetzung einer generellen Vier-Tage-Arbeitswoche in Deutschland sollte aus Sicht der Linken der öffentliche Dienst eine Vorreiterrolle einnehmen. „Die Regierung muss eingreifen und die Arbeitszeit zügig mit vollem Lohnausgleich reduzieren. Denkbar ist eine schrittweise Reduzierung auf 32 Stunden pro Woche“, heißt es in einem Konzept, das Linke-Bundesgeschäftsführer Ates Gürpinar gestern vorstellte. „Die Regierung schafft so einen Standard auf dem Arbeitsmarkt, an dem sich auch die private Konkurrenz orientieren muss, wenn sie neue Fachkräfte gewinnen will.“
Eine Vier-Tage-Woche sei ein zeitgemäßer Schritt. Im Jahr 2020 habe der Vorstoß der Linken hierfür noch zu „großer Empörung und Widerstand“ geführt. Vier Jahre später habe sich jedoch eine breite gesellschaftliche Debatte über Arbeitszeitverkürzung und die Vier-Tage-Woche entfaltet. Diese sei heute eine reale Forderung bei Tarifverhandlungen und eine Notwendigkeit, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. „Der Personalnotstand in Krankenhäusern und Pflegeheimen wird immer dramatischer. Viele Beschäftigte sind ausgelaugt und frustriert,“ so Ates Gürpinar. „Zehntausende wechseln jedes Jahr den Beruf und gehen in Teilzeit. Es finden sich immer weniger junge Menschen für Pflegeberufe, denn die Arbeitsbedingungen haben sich herumgesprochen.“
Linke fordert Wahlarbeitsgesetz
Die Linke fordert außerdem ein Wahlarbeitsgesetz. „Beschäftigte erhalten demnach einen individuellen Rechtsanspruch auf Änderung ihrer Arbeitszeit.“ Die Tarifparteien sollen Optionen für die Ausgestaltung in den jeweiligen Betrieben erarbeiten. Das Gesetz solle für Betriebe aller Größen und Branchen gelten. Die Besonderheiten kleiner Betriebe und bestimmter Tätigkeiten könnten in betrieblich angepassten Arbeitszeitkonzepten berücksichtigt werden.
Betriebe mit wenig Umsatz und Gewinn sollen nach den Vorstellungen der Linken Hilfe vom Staat bei der Umstellung auf die Vier-Tage-Woche bekommen. „Für sie kann der Übergang zum Vier-Tage-Modell mithilfe von zeitlich begrenzten Lohnzuschüssen erleichtert werden“, heißt es in dem Konzept. Die Linke mahnt zudem eine sogenannte Anti-Stress-Verordnung an. Diese soll analog zu anderen Gefahrenverordnungen im Arbeitsschutz die Pflichten der Unternehmen konkretisieren. Dies würde auch Gewerkschaften und Betriebsräten die Durchsetzung gesundheitsförderlicher Arbeitsbedingungen erleichtern.
Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) hält die Reduzierung der Arbeitszeit von heute oft 38 oder 39 auf 32 Stunden für unrealistisch und fordert stattdessen eine 35-Stunden-Woche in allen Branchen vom Lokführer bis zur Pflegekraft, wie der BSW-Bundestagsabgeordnete Alexander Ulrich sagte. „Das macht Arbeit attraktiver und kann Arbeitslosen eine Perspektive geben.“
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