News
Pflegemodell „stambulant“ soll Zulassung erhalten
Nach fast einem Jahrzehnt soll das Pflegemodell „stambulant“ endlich eine gesetzliche Grundlage erhalten. Laut einer Pressemitteilung der BeneVit Gruppe will die Bundesregierung das System im September zulassen. Doch ein paar Hürden sind noch zu nehmen.
„Grundsätzlich ist das eine gute Nachricht“, erklärt Kaspar Pfister, Entwickler des stambulant-Systems und Geschäftsführer der BeneVit Gruppe. Dennoch bleibe er vorsichtig: Bereits zweimal sei der Versuch einer gesetzlichen Verankerung gescheitert. Die jahrelangen bürokratischen Hürden hätten das bewährte Konzept immer wieder ausgebremst.
Das stambulant-Modell kombiniert laut BeneVit stationäre und ambulante Pflege in sogenannten „Mit-Mach-Heimen“. Nach Angaben des Unternehmens können Bewohner monatlich 1.000 Euro beim Eigenanteil einsparen, während die Pflegekassen pro Person und Jahr bis zu 7.200 Euro weniger zahlen müssen. Bei flächendeckender Einführung könnte das System das deutsche Pflegewesen um Milliarden Euro jährlich entlasten.
Das Modell, das von 34 Bürgermeistern, Wissenschaftlern und Verbänden unterstützt wird, verspricht erhebliche Kosteneinsparungen bei verbesserter Pflegequalität.
Millionenprojekte auf Eis gelegt
Die unsichere Rechtslage hat bereits konkrete Auswirkungen: Zwei geplante Projekte in Meßstetten und Biederbach in Baden-Württemberg mit einem Investitionsvolumen von 25 Millionen Euro wurden vorerst gestoppt. „Der Baubeginn musste bisher wegen fehlender gesetzlicher Regelungen immer wieder verschoben werden“, berichtet Pfister.
Die Projekte sehen den Bau eines Ärztezentrums, zweier kommunaler Kindergärten, barrierefreier Wohnungen, einer Tagespflege und 100 stambulanter Pflegeplätze vor – alles ohne öffentliche Fördergelder finanziert. „Die zwei Projekte, die in diesem Jahr begonnen werden sollten, starten wir erst, wenn die gesetzliche Grundlage feststeht“, stellt Pfister klar.
Der aktuelle Gesetzentwurf der Bundesregierung reicht nach Pfisters Einschätzung für die praktische Umsetzung nicht aus. Die Details sollen durch die Spitzenverbände der Pflegebranche definiert werden, die dafür zwölf Monate Zeit erhalten sollen.
Pfister plädiert für eine unbürokratische Lösung: „Es geht doch nur um ein paar Sätze, die ins Sozialgesetzbuch eingepflegt werden müssten!“ Das stambulant-System stelle keine dritte Säule der Pflege dar, sondern ergänze bestehende Konzepte. Kein Betreiber müsse es umsetzen, der nicht wolle.
Der BeneVit-Chef zeigt sich frustriert über die komplizierte deutsche Pflegepolitik: „Jeden Tag erfahren wir, dass Pflegeplätze fehlen, die Kosten nicht mehr bezahlbar sind, Eigenanteile zu hoch sind, die Pflegekassen blank sind. Aber Lösungen werden verhindert.“ Anstatt Chancen zu sehen, suche man nach Bedenken und ignoriere Fakten.
Entscheidung über Millionen-Investitionen steht aus
Die nächsten Monate werden über die Zukunft des stambulant-Systems entscheiden. Pfister hat alle Aktivitäten eingestellt und wartet auf das Ergebnis des parlamentarischen Verfahrens. Seine Pläne hängen vom Ausgang ab: „Wenn ich stambulant so umsetzen darf, wie es sich in der Praxis in neun Jahren bewährt hat, investiere ich 100 Millionen Euro in neue Projekte. Wenn nicht, lasse ich es sein!“
Die BeneVit Gruppe betreibt nach eigenen Angaben bundesweit 48 Einrichtungen mit rund 1.750 Pflegeplätzen, überwiegend in Hausgemeinschaften mit etwa 14 Bewohnern. Rund 1.900 Mitarbeiter sind für das Familienunternehmen tätig, das seit 2004 Dienstleistungen für pflegebedürftige Menschen erbringt.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Sie haben noch kein Konto?
Jetzt registrieren