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Pflege und Ärzte im Visier: Ermittler warnen vor Millionenbetrug im Gesundheitswesen

Kriminelle haben im Gesundheitswesen nach Erkenntnis eines Ermittlers mitunter leichtes Spiel. Verdächtig sind neben Ärzten auch Pflegedienste. Es sei „leider teilweise nicht allzu schwer, im Gesundheitswesen zu betrügen“, sagte der kommissarische Leiter der Zentralstelle zur Bekämpfung von Kriminalität im Gesundheitswesen, Oberstaatsanwalt Torsten Haase, der „Süddeutschen Zeitung“.

Die Zentralstelle zur Bekämpfung von Kriminalität im Gesundheitswesen untersucht auch Abrechnungsbetrug. Foto: adobe/Andrey Popov

Die in Nürnberg ansässige Spezialeinheit wurde vor fünf Jahren gegründet. Sie bündelt in Bayern die Kräfte der Ermittler im Kampf gegen kriminelle Machenschaften im Gesundheitswesen.

„Ein gutes Beispiel sind die Corona-Testzentren, wo Betrüger leichtes Spiel hatten, das System auszunutzen und Schnelltests abzurechnen, die schlicht erfunden waren“, sagte Oberstaatsanwalt Torsten Haase. „Derzeit sind bei uns noch 76 Verfahren anhängig, und allein im Jahr 2025 kamen bereits 45 neue hinzu, weil die Prüfungen der zuständigen Behörden noch nicht abgeschlossen sind.“

In der Einheit arbeiten laut Haase 14 Oberstaatsanwälte und Staatsanwälte, zwei IT-Spezialisten, vier Fachkräfte für Abrechnungswesen im Gesundheitsbereich und eine Buchhaltungsfachkraft. „Die Ermittlungen sind oft aufwendig und verlangen Spezialkenntnisse, um Verdächtigen Fehlverhalten nachweisen zu können.“

Systematischer Betrug

Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums entgehen dem Gesundheitswesen jedes Jahr Milliardenbeträge durch kriminelle Machenschaften – vom Abrechnungsbetrug bis zur Korruption. Verdächtig sind neben Ärzten auch Pflegedienste.

„In diesen Bereichen werden teilweise Leistungen abgerechnet, die tatsächlich nie erbracht wurden“, erklärte Haase. „Dabei geht es bei unserer Arbeit nicht zuvorderst um einen im Einzelfall falsch abgerechneten Stützstrumpf, sondern um systematischen, organisierten Betrug.“

Im Jahr 2024 erhob die Nürnberger Spezialeinheit 50 Anklagen. „2025 sind es bis dato bereits 45, davon 12 vor dem Landgericht“, so Haase.