Hauswirtschaft

Die enormen Potenziale nutzen

Aktuell beschäftigen Nachhaltigkeit und Klimaschutz nahezu alle Branchen – so auch die Altenhilfe. Expertin Christine Klöber erläutert hier im Interview und auf dem Altenheim Bundeskongress Hauswirtschaft am 22./23. November in Hannover, welche wichtige Rolle die Hauswirtschaft bei der Umsetzung effizienter Maßnahmen spielt – auch beim Textilmanagement.

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Foto: Nina Skripietz „Nachhaltiges Agieren in der Hauswirtschaft fängt bei der strategischen Beschaffung an und hört beim Abfallmanagement erst auf“, sagt M. Christine Klöber, KlöberKASSEL - Wissen für die Hauswirtschaft.

Frau Klöber, die Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind aktueller denn je. Mit welchen Maßnahmen kann die Fachlichkeit der Hauswirtschaft hierbei in ihrer Einrichtung unterstützen?

Christine Klöber: Zunächst muss sie sich Ihrer Bedeutung zum Thema Nachhaltigkeit wirklich bewusst werden. Dass es nicht mehr um Abwarten, sondern um zeitnah umsetzbare Maßnahmen und Übernehmen von Eigenverantwortung und Mitnehmen der Belegschaft geht, muss klar sein. 

Im Prinzip haben alle großen Träger das Thema auf der Agenda stehen und Nachhaltigkeitsziele für die nächsten 10 bis 20 Jahre ausgelobt. Allerdings fällt hierbei auf, dass der Fokus meist nur auf dem Verpflegungsbereich liegt und an Reinigung und das Thema Wäsche weniger gedacht wird. Dabei ist es absolut wichtig, dass alle Leistungsbereiche der Hauswirtschaft mitgedacht werden.

Nachhaltigkeit ist zum festen Unternehmensleitbild in den meisten sozialen und Care-Einrichtungen geworden. Die Konflikte in der Umsetzung, zwischen den Idealen und der Wirtschaftlichkeit, wird zur Herausforderung und leider oft auch als Argument genutzt, eben doch nichts unternehmen oder umsetzen zu können. Nachhaltiges Agieren in der Hauswirtschaft fängt bei der strategischen Beschaffung an und hört beim Abfallmanagement erst auf. Nicht zu vergessen: die Aufgabe eines auf Nachhaltigkeit angelegten Personalentwicklungskonzeptes. Letzteres scheint, nach meinen Erfahrungen und Beobachtungen, überhaupt nicht im Blick der Verantwortlichen zu sein.

Auch im Bereich Textilmanagement kann die Hauswirtschaft bestimmte Prozesse ändern und dadurch mehr Ressourcen schonen. Welche Prozessabläufe wären das zum Beispiel?

Das Thema Ressourcenschonung im Wäschekreislauf am Beispiel von Wasser erleben wir doch gerade: trockenfallende Bäche und Flüsse, Ernteausfälle, weil der Regen nicht kommt, Lieferketten- und Menschenrechtsdefizite in Erzeugerländern von Textilien. Da steckt die Hauswirtschaft mittendrin und muss Verantwortung übernehmen, das Thema Textilkreislauf im Innen- wie im Außenverhältnis neu zu denken. Auch die Möglichkeiten der Digitalisierung von Teilprozessen wären hier zu beleuchten. Besonders im Wäschebereich gäbe es wunderbares Steuerungspotenzial, um mehr Nachhaltigkeit zu ermöglichen.

Mal ehrlich, mit teilweise über 20 Jahre alten Maschinenparks kann weder Wasser noch Energie gespart werden. Aber da wollen die Entscheider nicht dran, dass kostet Geld, sicher nicht mehr als die Leasinggebühren für einen Hybridfirmenwagen, und der muss als Vorbild schon sein – um es mal überspitzt auszudrücken. Die Überlegungen sollten von Steuerungsmöglichkeiten der bestmöglichen Kapazitätsauslastung bis zu sinnvollen Reduktionsmöglichkeiten der entstehenden Schmutzwäsche gehen – zum Beispiel im Dialog mit Pflege. In den aktuell rund 14.500 Pflegeheimen in Deutschland fallen ca. 2.552.000 Kilogramm Schmutzwäsche an, rund 75 Prozent der Einrichtungen betreiben noch eine Voll- oder Teilwäscherei und da soll kein Potenzial zum nachhaltigen Handeln sein?

Dieses wichtige Thema erläutern Sie am 22. November auf dem Altenheim Hauswirtschaftskongress. Was dürfen die Teilnehmenden erwarten?

Da bin ich selbst gespannt, was bis November im Fokus des Weltgeschehens bis hin zur deutschen politischen Entscheidungslage noch alles passiert ist. Sicherlich kann darauf Bezug genommen werden, um die Möglichkeiten vor Ort auszuloten. Am wichtigsten und auch dringlichsten erscheint mir aus meiner Beraterinnensicht aber die Möglichkeit, für das immense Nachhaltigkeitspotenzial, das in der Hauswirtschaft und im Textilbereich steckt, vorzustellen und dafür werben zu können, dass Hauswirtschaftliche Fachlichkeit ein Schlüssel für unser aller Zukunft ist.

Tipp: Der Altenheim Bundeskongress Hauswirtschaft findet am 22. und 23. November 2022 in Hannover statt.

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