Allgemein
Berufsgesundheit in der Pflege erreicht Tiefpunkt
Der Berufsgesundheits-Index zeigt, dass Pflegekräfte durch die hohe Belastung und die Nachwirkungen der Pandemie weiter unter Druck stehen. Trotz positiver Entwicklungen bei Einkommenszufriedenheit und einer stabilen Arbeitsplatzsicherheit sind Fehltage und psychische Belastung zunehmend ein Thema.
Zum dritten Mal in Folge sinkt der Berufsgesundheits-Index (BeGX) für Altenpflegekräfte und erreichte 2022 mit einem Wert von 90 Punkten das niedrigste Niveau seit dem Basisjahr 2013. Der Index, entwickelt durch die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) und die Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund), ist der einzige sozioökonomische Indikator für Berufsgesundheit speziell in der Alten- und Krankenpflege und wertet jährlich vier zentrale Dimensionen der Gesundheit am Arbeitsplatz aus: Ressourcen, Arbeitsbedingungen, Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sowie das Medien-Meinungsklima.
Erwerbsfähigkeit: Hohe Arbeitsunfähigkeit und viele Covid-Verdachtsfälle
In der Dimension „Arbeits- und Erwerbsfähigkeit“ verzeichnete die Altenpflege 2022 einen Rückgang von 23 Punkten, der Index sank auf nur noch 25 Punkte. Hier sind vor allem zwei Faktoren ausschlaggebend: der Anstieg der Arbeitsunfähigkeitstage auf 32 Tage (im Vergleich zum bundesweiten Durchschnitt aller Berufsgruppen von 15 Tagen) und eine wachsende Zahl von Covid-19-Verdachtsanzeigen als Berufskrankheit. „2022 war das Jahr mit den höchsten Meldungen in der Geschichte der BGW“, so Jörg Schudmann, Hauptgeschäftsführer der BGW. Viele der betroffenen Versicherten benötigen nach einer Covid-Erkrankung intensive Rehabilitation, um zurück ins Arbeits- und Sozialleben zu finden. Die BGW verzeichnet derzeit 4.500 Langzeiterkrankte im Reha-Management.
Die Dimension „Ressourcen“ – wie Arbeitszufriedenheit und Weiterbildung – zeigt ebenfalls einen Rückgang. Die Arbeitszufriedenheit der Altenpflegekräfte fiel von 99 auf 92 Punkte, ein Hinweis auf zunehmende Frustration über steigende Arbeitsbelastungen und unzureichende Entlastungsmöglichkeiten. Auch die Möglichkeiten zur Weiterbildung nahmen ab, von 88 auf 81 Punkte. Männliche Pflegekräfte berichten dabei insgesamt von höherer Zufriedenheit als ihre weiblichen Kolleginnen. Positiv bleibt hingegen die Einkommenszufriedenheit, die in der Altenpflege bei stabilen 114 Punkten liegt.
Arbeitsbedingungen und Arbeitsplatzsicherheit: Geteiltes Bild
Die Arbeitsbedingungen in der Altenpflege wurden 2022 leicht schwächer bewertet. Während die Sorge um den Arbeitsplatz gering ist, hat die Zahl der Überstunden zugenommen und auch die Befristung von Arbeitsverträgen ist häufiger anzutreffen. Der Teilindex für Arbeitsbedingungen sank in der Altenpflege von 126 auf 123 Punkte und spiegelt so die teils schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wider, die sich auf den Arbeitsalltag auswirken. „Der Index zeigt jedoch, dass die Altenpflege trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten noch immer gute Beschäftigungschancen bietet“, sagt Dr. Stefan Gorgels von DIW Econ.
Das Medien-Meinungsklima, das die gesellschaftliche Anerkennung des Berufsfeldes in der Berichterstattung darstellt, hat sich in der Altenpflege im Vergleich zur Krankenpflege positiv entwickelt. Während die Berichterstattung über die Krankenpflege, die zu Beginn der Covid-19-Pandemie hohe Anerkennung fand, zuletzt nachließ und einen Indexwert von 97 erreichte, stieg die Bewertung für die Altenpflege auf 118 Punkte. Besonders Beiträge über Lohnerhöhungen und die Bedeutung des Berufes trugen zu dieser Wahrnehmung bei.
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