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Laut Studie: Sozialämter sind größtes Liquiditätsrisiko für Pflegeheime
Pflegeheime in Deutschland geraten durch verspätete Zahlungen der Kostenträger zunehmend unter Liquiditätsdruck. Das zeigt eine gemeinsame Studie von PwC Deutschland und Strategy& Deutschland, für die mehr als 100 Heimleitungen befragt wurden. In jeder fünften Einrichtung sind nach Angaben der Autoren sechsstellige Beträge als Forderungen gebunden – mit Folgen für die Versorgungssicherheit.
Die Studie „Liquiditätsprobleme von Pflegeheimbetreibern und ihre Ursachen“ macht systemische Verzögerungen bei Leistungserstattungen von Pflegeversicherung, Sozialhilfeträgern und Selbstzahlern als zentrale Ursache aus. Pflegeheime müssten laufende Personal- und Sachkosten über längere Zeiträume vorfinanzieren. In 20 Prozent der Einrichtungen seien Beträge ab 100.000 Euro als Forderungen erfasst, aber nicht verfügbar. Das reduziere die finanzielle Flexibilität auch in wirtschaftlich tragfähigen Häusern.
Sozialämter als größtes Liquiditätsrisiko
55 Prozent der befragten Heimleitungen nennen die Sozialämter als Kostenträger mit den höchsten offenen Posten. Ursachen für die Verzögerungen sind laut Studie vor allem fehlende Unterlagen und Nachweise (60 Prozent) sowie unklare Zuständigkeiten und Kostenträgerwechsel (45 Prozent). Die Bearbeitung dauere teils zwischen sechs und zwölf Monaten, in Einzelfällen mehrere Jahre. Pflegekassen werden von 20 Prozent der Befragten als Träger mit den höchsten offenen Posten genannt, Selbstzahler von 25 Prozent.
Wachsender Bedarf trifft auf schrumpfende Kapazitäten
Bis 2050 wird die Zahl der über 80-Jährigen mit Pflegebedarf laut Studie von 2,8 auf 4,4 Millionen steigen. Daraus ergebe sich eine Versorgungslücke von rund 275.000 Pflegeplätzen, was etwa 3.500 Pflegeheimen entspreche. Gelinge es den Einrichtungen nicht, sich wirtschaftlich tragfähig aufzustellen, sei die Versorgung akut gefährdet.
„Pflegeheime in Deutschland stehen unter erheblichem Liquiditätsdruck, auch weil Kostenträger verspätet zahlen“, erklärt Michael Ey, Leiter Global Health Services bei PwC Deutschland. Wenn Einrichtungen ihr Angebot einschränken oder schließen müssten, vergrößere sich die Schere zwischen wachsendem Bedarf und tatsächlichen Kapazitäten weiter.
Ein Arbeitstag pro Woche für offene Posten
Die Bearbeitung offener Posten bindet pro Heim und Woche im Schnitt 8,3 Stunden, also rund einen Arbeitstag. Zugleich setzen laut Studie 46 Prozent der Befragten keinen standardisierten Forderungs- und Mahnprozess konsequent um. Dadurch blieben Fälle liegen und Fristen würden verpasst.
Digitalisierung als mittelfristiger Hebel
Kurzfristig empfehlen die Autoren einen verbindlichen Standardprozess für offene Posten sowie einheitliche Fallakten für alle Bewohnerinnen und Bewohner. Mittelfristig sei eine durchgängig digitale Bearbeitung von Abrechnung, Forderungsmanagement und Zahlungszuordnung notwendig, einschließlich digitaler Schnittstellen zu den Kostenträgern. 52 Prozent der Heimleitungen wünschen sich laut Studie in erster Linie eine erleichterte Zahlungszuordnung.
„Eine aktive Liquiditätssteuerung wird für Pflegeheime immer wichtiger“, sagt Marcus Steffen Bauer, Partner Public Health bei Strategy& Deutschland. Wenn berechtigte Forderungen erst Monate verspätet beglichen würden, müssten die Einrichtungen für laufende Personal- und Sachkosten in Vorleistung gehen. Das belaste selbst Häuser, die eigentlich wirtschaftlich tragfähig seien.
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