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Bernhard Rappenhöner: „Datenschutz und -sicherheit auf gute Füße stellen“
Das Pflegeunternehmen Lebensbaum im Oberbergischen Kreis (NRW) ist heute bereits mit seinen zwölf ambulanten Standorten an die Telematikinfrastruktur angeschlossen. Denn Geschäftsführer Bernhard Rappenhöner setzt bei der TI alles auf eine Karte.
In rund zehn Monaten – zum 1. Juli 2025 – wird die TI-Anbindung für Pflegeeinrichtungen und -dienste verpflichtend. Welche Hoffnungen verbinden Sie mit der Anbindung?
Bernhard Rappenhöner: Wir hoffen insgesamt auf eine Verbesserung der Kommunikations- und Informationsprozesse. So soll die Informationsübermittlung schneller und fehlerfreier funktionieren. Für eine verbesserte Patientensicherheit erhoffen wir uns einen Zugang zu umfassenden Patientendaten, auf die Pflegekräfte unmittelbar Zugriff erhalten. Dadurch sollen Medikationspläne und Diagnosen direkt zur Verfügung stehen. Auch der Datenschutz und die Datensicherheit soll durch die TI auf gute Füße gestellt werden, sodass neben der sicheren Datenübertragung auch die Rechtskonformität gewahrt ist. Insgesamt lässt sich die Hoffnung darauf zusammenfassen, dass die interdisziplinäre Zusammenarbeit verbessert wird.
Welche Erfahrungen haben Sie bislang mit der TI-Anbindung in der Praxis gemacht? Wo sehen Sie Fortschritte, wo hapert es noch?
In der Praxis haben wir schon gute Erfahrungen mit dem Vitaldatenversand und Medikationsplanempfang direkt aus bzw. in unsere Primärsoftware in einem Umfeld aus einer Arztpraxis am Puls der Zeit gemacht. Auch haben wir erste Daten mit Kassen ausgetauscht. Der Großteil unserer Kommunikation läuft aber noch über die wohlbekannten Kommunikationskanäle. Dies liegt aus meiner Perspektive noch an der Umsetzung der Prozesse in der Software und der langjährigen Gewöhnung an bestehende Prozesse im gesamten Gesundheitswesen.
In welchen konkreten TI-Anwendungen sehen Sie bereits heute Potenzial für schlankere Prozesse?
Aktuell sind die Möglichkeiten für schlankere Prozesse im Bereich des Medikationsmanagements und des Vitaldatenaustauschs anzutreffen. Auch können freiformulierte Nachrichten ausgetauscht werden, was insbesondere die Möglichkeit bietet, sich mit der neuen Technik vertraut zu machen, um bereit für die großen prozessualen Veränderungen in der Pflege zu sein.
Und mittel- und langfristig? In welchen Bereichen versprechen Sie sich im weiteren Ausbau der TI weitere Optimierungen?
Ich sehe insbesondere beim Medikationsprozess, Abrechnungsprozess und Übergabeprozess ein Optimierungspotential, welches man mit standardisierter Datenübermittlung lösen kann. Durch unterschiedliche Initiativen wurden schon immer Prozesse im Gesundheitswesen standardisiert. Durch Standardisierung in Software verspreche ich mir eine teilautomatisierte Bearbeitung einzelner Prozessschritte.
Welche Ursachen machen Sie verantwortlich dafür, dass die TI in der Pflege bislang noch nicht durchgreifend an Fahrt aufgenommen hat?
Dafür sind aus meiner Sicht unterschiedliche Gründe anzuführen. Auf der einen Seite bestand für die Pflege lange keine Möglichkeit der Anbindung an die Telematikinfrastruktur, weshalb wir hier einen natürlichen Aufholbedarf sehen. Des Weiteren verspricht die TI mit den Prozessen Medikation und Abrechnung einiges, was stand heute (05.06.24, Red.) noch nicht funktioniert. Die gesamte Pflege, einschließlich Kostenträgern, Verbände, Leistungserbringern und Softwareanbietern ist gefragt, diese Prozesse zeitnah zu spezifizieren und zu implementieren, um eine Entlastung für die Pflege zu erreichen.
Welche Schritte gehen Sie in Ihren Unternehmen nun konkret – ggf. zusammen mit dem Softwaredienstleister -, um die TI-Anbindung reibungslos bis zum 1.7.25 zu vollziehen?
Bei Lebensbaum sind wir bereits mit allen ambulanten Standorten, auch den Wohngemeinschaften, an die Telematikinfrastruktur angeschlossen. Die Mitarbeiter sind geschult. Im Folgenden werden wir die Tagespflegen anbinden. Wir haben für uns einen effizienten Weg gefunden, Einrichtungen anzubinden. Diesen werden wir weiter beschreiten.
Ist die Anbindung an die TI beim Lebensbaum bislang im Rahmen des GKV-Modellprojekts (§125 SGB XI) erfolgt, oder hat der Lebensbaum sich auch außerhalb des Modellprojekts – also freiwillig und aus Eigeninitiative – an die TI angeschlossen?
Lebensbaum ist bereits beide Wege gegangen. Mit einer Einrichtung nehmen wir am Modellprogramm nach §125 SGB XI, welches vom GKV-Spitzenverband gefördert wird, teil. Wir haben uns im Rahmen des Modellprogramms und über den normalen „freiwilligen“ Weg angebunden. Durch die Teilnahme am Modellprogramm haben wir gesehen, welches Potential in der TI steckt und haben zügig unsere weiteren Einrichtungen außerhalb des Modellprogramms eingebunden.
Stichwort TI-Refinanzierungspauschalen: Wie bewerten Sie die Ende April erfolgte Einigung der Pflege-Selbstverwaltung? Werden die Pauschalen der TI-Anbindung einen deutlichen Schub geben?
Die TI-Refinanzierungspauschalen decken die grundsätzlichen Kosten, allerdings nicht die personellen Aufwände, die zur Einbindung in die TI anfallen. Auch die Anbindung von Wohngemeinschaften (eigenes Kartenterminal) und Ausfallsicherheit (zweites Kartenterminal für räumlich getrenntes Einstecken von SMC-B und eHBA) ist nicht abgebildet. Damit fehlen wesentliche Bestandteile in der Refinanzierung.
Welche weiteren Digitalisierungsprojekte verfolgen Sie in Ihrem Unternehmen über die TI hinaus? In welche Themen investieren Sie Zeit und Manpower?
Wir investieren in Prozessautomatisierung in den Bereichen Einkauf, Eingangsrechnungen, Ausgangsrechnungen und Personalverwaltung. Damit möchten wir Skaleneffekte heben und insgesamt Kosten senken. Im Bereich Einkauf und Eingangsrechnungen sind wir vollständig digitalisiert. In den Bereichen Ausgangsrechnungen sind wir überwiegend digitalisiert, warten aber noch auf die Änderungen durch die Telematikinfrastruktur, um auch an dieser Stelle vollständig digitalisiert zu sein. Der Bereich digitale Personalverwaltung spielt für uns als Dienstleistungsunternehmen eine wesentliche Rolle und wird den nächsten Baustein in unserer Digitalisierungsstrategie darstellen.
Interview: Darren Klingbeil
Info: lebensbaum.care/lebensbaum
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