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AWO Sachsen-Anhalt nach Landtagswahl: „Jetzt erst recht“
Nach dem historischen Wahlerfolg der AfD bei der Landtagswahl am 6. September 2026 melden sich gleich zwei AWO-Landesverbände mit deutlichen Statements zu Wort. Während die AWO Sachsen-Anhalt ihre Werte bekräftigt, mahnt die AWO Mecklenburg-Vorpommern mit Blick auf die eigene Landtagswahl am 20. September 2026: Demokratie müsse ihre Handlungsfähigkeit beweisen.
Die Wahl zum neunten Landtag von Sachsen-Anhalt hat die politische Landschaft des Bundeslandes verschoben. Die Wahl war gekennzeichnet durch eine Verdoppelung der Stimmanteile der rechtsextremen AfD, eine Halbierung der Stimmanteile der regierenden CDU und eine Rekordwahlbeteiligung von 77,8 %. Die AfD erreichte mit 43,8 % ihren höchsten Stimmenanteil bei einer Landtagswahl und auch den höchsten Wert, den eine einzelne Partei in Sachsen-Anhalt seit der Wende errungen hat. Die CDU fiel mit 17,2 % der Stimmen auf ein historisches Tief und auf den zweiten Platz.
Vor diesem Hintergrund hat der AWO Landesverband ein Statement veröffentlicht, das die eigenen Grundüberzeugungen in den Vordergrund stellt. Nach eigener Darstellung sieht sich der Verband großen Herausforderungen gegenüber, hält aber an seinem Kurs fest: „Die Würde des Menschen ist unverhandelbar“, heißt es in der Mitteilung. Der Verband setze sich weiter dafür ein, dass alle Menschen „unabhängig von Herkunft, Alter, Religion oder sexueller Orientierung gleichberechtigt leben können“. Diskriminierung werde nicht zugelassen.
Die AWO verweist auf die tägliche Erfahrung in ihren Einrichtungen und betont die Bedeutung einer belastbaren sozialen Infrastruktur für den gesellschaftlichen Zusammenhalt im Bundesland. Man wolle sich weiter für „soziale Gerechtigkeit, Teilhabe, Vielfalt und den gesellschaftlichen Zusammenhalt“ einsetzen – in Pflege- und Gesundheitseinrichtungen, in der Kinder- und Jugendhilfe, in der Eingliederungshilfe, in der Beratung, mit Teilhabeangeboten sowie in Demokratieprojekten. Gemeinsam mit Mitarbeitenden, Ehrenamtlichen und Partnerorganisationen werde der eingeschlagene Weg „vielfältig, solidarisch und weltoffen“ fortgesetzt.
Barbara Höckmann, Vorsitzende des Präsidiums der AWO in Sachsen-Anhalt, verweist auf den Zusammenhalt der Zivilgesellschaft als Kraftquelle: „Unsere Werte bleiben. Unser Engagement bleibt. Unsere Verantwortung bleibt. Der großartige Zusammenhalt der Zivilgesellschaft gibt uns die Kraft dazu. Jetzt erst recht.“
Kathrin Sonnenholzner, gemeinsam mit Michael Groß Co-Vorsitzende des Präsidiums des AWO Bundesverbandes, richtet sich direkt an die Beschäftigten und Aktiven vor Ort: „Allen Aktiven und Mitarbeitenden der AWO in Sachsen-Anhalt sage ich klar: Wir stehen an Eurer Seite und weichen nicht zurück.“
Deutlich schärfer positioniert sich die AWO im benachbarten Mecklenburg-Vorpommern. In einer Pressemitteilung vom 8. September 2026 aus Schwerin bezeichnet die AWO Rostock das Wahlergebnis als „Weckruf“. Es erfülle den Verband „mit großer Sorge“, dass eine Partei, „deren Landesverband vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wird, rund 44 Prozent der Stimmen erhält“. Das sei „eine Zäsur“, die weder verharmlost noch achselzuckend zur Kenntnis genommen werden dürfe.
Zugleich warnt die AWO davor, die Wählerinnen und Wähler der AfD pauschal abzuwerten. Das Ergebnis bringe „auch eine tiefgreifende Unzufriedenheit mit der Politik, den staatlichen Institutionen und den gesellschaftlichen Verhältnissen zum Ausdruck“. Wer das Vertrauen in die Demokratie zurückgewinnen wolle, müsse „zuhören, Probleme offen benennen und für die Menschen spürbare Lösungen schaffen“.
Die AWO Rostock benennt konkret, was den Menschen in den eigenen Einrichtungen und Diensten begegnet: steigende Lebenshaltungskosten, fehlender bezahlbarer Wohnraum, mangelnde ärztliche Versorgung, Unsicherheit in der Pflege, Fachkräftemangel, Zukunftsängste und das Gefühl, mit den eigenen Sorgen nicht mehr gehört zu werden. Besonders in ländlichen Regionen wachse der Eindruck, von politischen Entscheidungen abgehängt zu sein – ein Befund, der für Führungsverantwortliche in der ambulanten Pflege unmittelbar anschlussfähig ist.
Demokratie werde „nicht allein durch Abgrenzung verteidigt“, so die AWO Rostock weiter. Sie brauche „verlässliche soziale Sicherung, eine erreichbare öffentliche Infrastruktur, gute Bildung, eine menschenwürdige Pflege und echte gesellschaftliche Teilhabe“. Ein starker Sozialstaat sei „kein Nebenschauplatz, sondern eine wesentliche Grundlage für das Vertrauen in unsere demokratische Ordnung“.
Mit Blick auf die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern am 20. September 2026 ruft die AWO alle Wahlberechtigten zur Teilnahme auf. Man solle sich informieren und prüfen, welche politischen Vorstellungen „mit den Grundwerten einer offenen, solidarischen und demokratischen Gesellschaft vereinbar sind“.
Die parteipolitische Unabhängigkeit betont der Verband ausdrücklich – ohne Wahlempfehlung. Zugleich stellt die AWO klar: „Aber wir sind nicht wertneutral, wenn Menschenwürde, Demokratie und gesellschaftlicher Zusammenhalt infrage gestellt werden.“ (ck)
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