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Arzneimittelversorgung im Alter: Fachforum benennt Schwachstellen

Der Medizinische Dienst Westfalen-Lippe hat Schwachstellen bei der Arzneimittelversorgung älterer Menschen benannt. Beim dritten Diskussionsforum.DIGITAL ging es um Polypharmazie, Medikation im Pflegeheim und fehlende Studiendaten. Fachleute kritisierten vor allem: Sehr alte Patienten sind in klinischen Studien kaum vertreten.

Der Medizinische Dienst Westfalen-Lippe hat Schwachstellen bei der Arzneimittelversorgung älterer Menschen benannt. Foto: Adobe Stock/ Robert Kneschke

Das Forum fand am 16. Septeber als Gemeinschaftsprojekt online statt. Beteiligt waren die SEG 6 „Arzneimittelversorgung“, die SEG 2 „Pflege/Hilfebedarf“ und das Kompetenz-Centrum Geriatrie (KCG). In drei Panels diskutierten Fachleute aus mehreren Institutionen. Vertreten waren das KCG, das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), der AWO-Landesverband Bayern und mehrere Regionalstellen des Medizinischen Dienstes. Themen waren Polypharmazie, Qualitätssicherung im Medikationsmanagement sowie regulatorische Bewertungsfragen.

Dr. Friedemann Ernst vom KCG gab Einblicke in Prävalenz und Ursachen der Polypharmazie. Er plädierte für individuelle Ansätze. Dr. Frank Hofschulte, ebenfalls vom KCG, verwies auf die Folgen von Non-Adhärenz bei Medikamenten. Sie treffe Patienten gesundheitlich und wirtschaftlich. PD Dr. Farhad Pazan stellte Klassifikationssysteme für die geriatrische Pharmakotherapie vor.

Kommunikationslücken im Pflegeheim

Jürgen Brüggemann vom Medizinischen Dienst Bund skizzierte den regulatorischen Rahmen für die Qualitätssicherung im Medikationsmanagement. Er beschrieb Bewertungskriterien und den beratenden Ansatz zur Verbesserung der Pflegequalität. Christine Newin vom AWO-Landesverband Bayern berichtete aus der Praxis zahlreicher Einrichtungen. Sie benannte Kommunikationslücken an der Schnittstelle zwischen medizinischen und pflegerischen Diensten sowie Auswirkungen von Personal- und Finanzengpässen. Dominique Labouvie, Leiter der SEG 2, verwies auf die rechtlichen Verantwortlichkeiten von verschreibenden Ärzten und Pflegepersonal, häufige Prüfmängel und die Bedeutung des Haftungsbewusstseins.

Dr. Clemens Mittmann vom BfArM betonte die Unterrepräsentation sehr alter Patienten in klinischen Studien und die Bedeutung altersgerechter Arzneimittelformulierungen. Er verwies zudem auf die laufende Datensammlung nach der Genehmigung. Dr. Petra Nies vom G-BA erläuterte, wie Alters- und biologische Faktoren in die Nutzenbewertung einfließen, und stellte Beispiele altersbezogener Effektmodifikationen vor. Dr. Nina Mahnecke vom Medizinischen Dienst Nordrhein veranschaulichte an Fallbeispielen, wie schwer sich eine Kostenübernahme ohne robuste Evidenz sozialmedizinisch begründen lässt.

Zum Abschluss verabschiedete sich Dr. Andreas Rhode nach über fünf Jahren als Leiter der SEG 6. „Ich gehe mit zwei weinenden Augen“, so Rhode, der als Chefarzt einer Rehabilitationsklinik in die Versorgung zurückkehrt.

 

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