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Forschungsprojekt KLEVER: Hitzeschutz für Pflegeheime neu denken
Pflegeheime und Kliniken sollten Hitzeschutz systematisch in Bau, Ausstattung und Betrieb einplanen – das fordert die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) mit Blick auf mehr als 5.000 Hitzetote bis Ende Juni dieses Jahres nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI). Im Forschungsprojekt KLEVER werden dazu praxistaugliche Strategien für Bestands- und Neubauten entwickelt, von außenliegender Verschattung über begrünte Außenbereiche bis zu gezielter technischer Kühlung in Hochrisikobereichen.
Für die DGG zeigen die RKI-Zahlen, dass Deutschland Hitzeschutz bereits bei der Planung von Gebäuden mitdenken müsse und nicht erst in der medizinischen Versorgung. Im Forschungsprojekt KLEVER verbindet Filippo Maria Verri vom Institut für Geriatrische Forschung der Universität Ulm gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP und der Technischen Hochschule Ulm physiologische Daten mit Raumklimadaten. „Wir haben unsere Gebäude jahrzehntelang vor allem darauf optimiert, im Winter möglichst wenig Wärme zu verlieren. Jetzt müssen wir den Wärmeschutz gleichrangig mitdenken und Räume so gestalten, dass sie sich im Sommer auch möglichst wenig aufheizen“, sagt Verri. Träger könnten schrittweise vorgehen und zuerst dort ansetzen, wo hochbetagte Bewohner:innen besonders belastet seien.
Schrittweise Maßnahmen statt Großbaustelle
Nicht jedes Pflegeheim müsse sofort umgebaut werden, betont Verri. Zunächst sollten Träger dort ansetzen, wo die Belastung am größten sei: in Zimmern auf Süd- oder Westseite, unter dem Dach oder in Bereichen mit großen Fensterflächen. Als erste Schritte nennt Verri eine systematische Erfassung der Raumtemperaturen, außenliegende Verschattung, Sonnenschutzfolien, Markisen, begrünte Außenbereiche sowie eine kluge Lüftungsstrategie.
Tropennächte als besonderes Risiko
Als kritisch bewertet Verri Tropennächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad sinkt. „Wenn Außenluft und Gebäudehülle kaum abkühlen, kann gespeicherte Wärme nicht abgeführt werden, und älteren Menschen fehlt die physiologisch wichtige Erholungsphase“, erklärt der Altersmediziner. In Hochrisikobereichen könne gezielte technische Kühlung Leben retten. Langfristig müsse Hitzeschutz selbstverständlich Teil jeder Planung werden, ebenso wie Energieeffizienz oder Barrierefreiheit.
Aufgabe für eine alternde Gesellschaft
Für Prof. Michael Denkinger, Präsident der DGG, reichen kurzfristige Maßnahmen allein nicht aus. „Vor allem hochbetagte und mehrfacherkrankte Menschen tragen das größte gesundheitliche Risiko. Genau diese Menschen versorgen wir als Geriaterinnen und Geriater jeden Tag“, so Denkinger. Mit Blick auf eine alternde Gesellschaft müsse Hitzeschutz heute selbstverständlich mitgedacht werden, in Pflegeheimen, Kliniken, Wohnungen und Städten. Langfristige Investitionen und kurzfristige, pragmatische Maßnahmen seien dabei keine Gegensätze.
Info: Verri stellt seine aktuellen Forschungsergebnisse auf dem gemeinsamen Jahreskongress der DGG und der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG) vom 24. bis 26. September 2026 in Frankfurt am Main vor.
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