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ZIA zur Pflegereform: „Kernproblem bleibt ungelöst“

Der Immobilien-Spitzenverband ZIA hält die geplante Neuordnung der Pflegeversicherung für unzureichend. Zwar verbessere sie kurzfristig die Finanzierung, doch das demografische Kernproblem bleibe ungelöst. Gefordert werden kapitalgedeckte Elemente, eine bundeseinheitliche Musterbauordnung für Pflegeheime und ein Blick auf internationale Versorgungsmodelle.

Carsten Brinkmann, Ausschussvorsitzender Gesundheits- und Sozialimmobilien beim Immobilien-Spitzenverband ZIA Foto: TERRANUS/Bernd Arnold

Anlässlich der EXPO Living & Care in Berlin hat sich Carsten Brinkmann, Ausschussvorsitzender Gesundheits- und Sozialimmobilien beim Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA), zur geplanten Pflegereform der Bundesregierung geäußert. Sein Urteil fällt zweigeteilt aus: Die Reform sei ein wichtiger Stabilisierungsschritt, greife aber zu kurz, weil sie sich vorrangig auf die Finanzierungsseite konzentriere.

Brinkmann zufolge bleibe die zentrale Frage offen, wie Pflege organisiert und finanziert werden könne, wenn die Zahl der Pflegebedürftigen schneller wachse als die der Beitragszahler:innen. Eine reine Neuverteilung der Lasten innerhalb des bestehenden umlagefinanzierten Systems stoße an Grenzen. Kurzfristige Einsparungen seien zwar möglich, für eine dauerhaft tragfähige Finanzierung jedoch unzureichend. Die Belastungsgrenze pflegender Angehöriger, der Mittelschicht und der Wirtschaft sei laut Brinkmann schnell erreicht.

Der ZIA-Vertreter plädiert für eine Debatte über die gesamte Finanzierungsarchitektur. Notwendig sei eine klare Trennung zwischen Pflegeleistungen und gesamtgesellschaftlichen Aufgaben, die aus Steuermitteln zu finanzieren seien. Darüber hinaus müssten zusätzliche Formen der Vorsorge und Kapitalbildung geprüft werden. Beitragserhöhungen und Kosteneinsparungen allein reichten nicht aus; kapitalgedeckte Elemente könnten die Lasten des demografischen Wandels gerechter zwischen den Generationen verteilen.

Brinkmann fordert grundlegende strukturelle Reformen, die Finanzierung, Personalgewinnung, Prävention, Digitalisierung und neue Versorgungsformen gemeinsam betrachten. Deutschland könne hier von anderen Ländern lernen, die steuerfinanzierte, versicherungsbasierte oder gemischte Modelle nutzen. Eine direkte Blaupause existiere nicht, doch alle erfolgreichen Systeme verstünden Pflegepolitik als langfristige gesellschaftliche Aufgabe und verknüpften Finanzierung, Prävention, Personalentwicklung und Versorgungsstrukturen miteinander.

Einen zweiten Hebel sieht Brinkmann bei den Baustandards für Pflegeheime. Da jedes Bundesland eigene bauliche Vorgaben erlasse, existiere ein Flickenteppich an Vorschriften, der das Bauen verkompliziere und verteuere. Die Folge seien steigende Investitionskosten – und zunehmend auch der Verzicht auf den Bau dringend benötigter Kapazitäten, weil sich Projekte nicht mehr rechneten. Der ZIA spricht sich daher für eine bundeseinheitliche Musterbauordnung und ein „Standardraumprogramm Pflegeheim“ mit realistischen Vorgaben aus. Damit ließen sich nach Einschätzung Brinkmanns die Kosten- und Effizienzvorteile seriellen Bauens oder des Gebäudetyps E nutzen.

Wie sich wirtschaftlich tragfähige Modelle für Wohnen und Pflege planen, finanzieren und betreiben lassen, steht im Mittelpunkt der Häusliche Pflege Konferenz „Versorgungsquartiere – planen und betreiben“ am 30. September und 1. Oktober 2026 in Hannover. Die Veranstaltung bringt ambulante Pflegeanbieter, Wohnungswirtschaft, Investoren, Genossenschaften und Kommunen zusammen und bietet neben Fachvorträgen auch Exkursionen zu Praxisbeispielen wie dem Johanniter-Quartier Kirchrode und dem Stift zum Heiligen Geist. (ck/lon)