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Winsen: Pflegeheim scheitert an Betreibermangel – Stadt setzt nun auf ambulante Angebote
In Winsen südlich von Hamburg wird kein neues Pflegeheim gebaut. Nach jahrelangen Planungen und mehreren Investoren hat die Stadt das ursprünglich vorgesehene stationäre Pflegeprojekt am Ortseingang aufgegeben. Grund ist der bundesweit spürbare Mangel an Pflegeheimbetreibern. Stattdessen entstehen dort nun 126 barrierefreie Wohnungen – mit optionalen ambulanten Pflegediensten.
Der Hamburger Investor Nortes Real Estate hatte 2023 einen städtebaulichen Vertrag über ein Gebäude mit 120 Pflegeplätzen sowie ergänzendem Wohnraum geschlossen. Das berichtete das „Hamburger Abendblatt“. Doch trotz monatelanger Suche fand sich kein Betreiber für die stationäre Einrichtung. „Der Markt der Pflegedienste schwächelt seit zwei Jahren massiv“, sagte Geschäftsführer Max Hausmann. In der bisherigen Konstellation sei kein Finanzierungspartner zu finden gewesen.
Im Frühjahr hatte der Winsener Verwaltungsausschuss die beantragte Befreiung von der Pflegeheimpflicht zunächst abgelehnt. Die Politikerinnen und Politiker verwiesen damals auf den hohen Bedarf an stationären Pflegeplätzen in der Region. Nach weiteren Gesprächen folgte nun die Kehrtwende: Künftig sollen die Bewohnerinnen und Bewohner des Projekts ambulante Pflegedienste in Anspruch nehmen können. Gespräche laufen nach Angaben des Investors mit dem Deutschen Roten Kreuz und der Johanniter-Unfallhilfe.
Mit dem Schritt vollzieht die Stadt eine Abkehr vom klassischen Heimplatzmodell hin zum Grundsatz „ambulant vor stationär“. Dieser Ansatz entspricht einer bundesweiten Entwicklung: Viele Kommunen reagieren auf steigende Betriebskosten, fehlendes Personal und den wachsenden Wunsch älterer Menschen, länger selbstständig zu wohnen.
Das Projekt mit dem Namen „Hansekreisel“ soll 126 Wohnungen für Seniorinnen und Senioren sowie Menschen mit geringem und mittlerem Einkommen bieten. Etwa die Hälfte davon wird gefördert. Die Gebäude erfüllen laut Nortes den KfW‑55‑Standard und sollen mit Wärmepumpe und Photovoltaik ausgestattet werden. Ein Spatenstich ist laut „Hamburger Abendblatt“ frühestens 2026 möglich.
Das Grundstück am Ortseingang von Winsen sorgt seit einem Jahrzehnt für Diskussionen. Mehrere Vorhaben waren zuvor gescheitert – zuletzt an steigenden Baukosten, Zinsen und Fachkräftemangel in der Pflege. Mit der neuen Lösung soll nun zumindest Wohnraum entstehen – auch wenn der Bedarf an stationärer Pflege weiter hoch bleibt.
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