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Pflege hinkt bei digitaler Anbindung deutlich hinterher
Trotz gesetzlicher Pflicht sind rund 70 Prozent der Pflegeeinrichtungen in Deutschland noch nicht an die Telematikinfrastruktur (TI) angeschlossen. Eine aktuelle Auswertung der DAK-Gesundheit zeigt zudem: Fördergelder für die digitale Ausstattung werden bislang nur zögerlich abgerufen. DAK-Vorstandschef Andreas Storm fordert daher eine vereinfachte Unterstützung, um den nötigen Digitalisierungsschub in der Pflege zu erreichen.
Zwei Monate nach Inkrafttreten der gesetzlichen Pflicht zur Anbindung an die Telematikinfrastruktur ist die Mehrheit der Pflegeeinrichtungen in Deutschland noch nicht angeschlossen. Laut einer aktuellen Auswertung der DAK-Gesundheit sind rund 70 Prozent der bundesweit rund 32.000 ambulanten und stationären Einrichtungen weiterhin nicht mit der TI vernetzt. Dabei sei die digitale Anbindung seit Juli dieses Jahres vorgeschrieben.
Nur 40 Prozent der Fördermittel beantragt
Zwar wurden im Rahmen des Pflegepersonal-Stärkungsgesetzes (PpSG) seit 2019 finanzielle Mittel für die Digitalisierung bereitgestellt, die auch für den Erwerb von Hard- und Software sowie Weiterbildungsmaßnahmen genutzt werden können. Doch der Mittelabruf verläuft schleppend: Bislang wurden bundesweit nur rund 81,2 Millionen Euro beantragt – das entspricht etwa 40 Prozent des Fördervolumens. Pro Einrichtung können bis zu 12.000 Euro bewilligt werden.
Niedrige Abrufquote muss analysiert werden
DAK-Vorstandschef Andreas Storm mahnt daher mehr Unterstützung bei der Umsetzung an. „Diese Förderung soll einen wichtigen Beitrag leisten, um die Umsetzung des digitalen Fahrplans für die Pflege voranzubringen. Es muss nun analysiert werden, weshalb die Abrufquote weiterhin eher niedrig ist und wie sich die Hürden für die Pflegeeinrichtungen bewältigen lassen“, erklärte Storm. Besondere Aufmerksamkeit gelte kleineren Trägern, die beim Digitalisierungsprozess nach Ansicht der DAK intensivere Begleitung und passgenaue Lösungen benötigten.
Storm warnt vor Problemen bei der Abrechnung
Nach Angaben der DAK-Gesundheit ist derzeit rund ein Drittel der Pflegeeinrichtungen im Verzeichnis der Gematik – der nationalen Agentur für die Digitalisierung des Gesundheitswesens – registriert. Immerhin 63 Prozent der Einrichtungen haben den elektronischen Institutionsausweis (SMC-B) beantragt, der als Voraussetzung für den TI-Zugang gilt. Gleichzeitig warnt Storm vor gravierenden Folgen: „Im kommenden Jahr wird etwa die vollelektronische Abrechnung der pflegerischen Leistungen zwingend vorgeschrieben. Ohne TI-Anbindung drohen hier massive Abrechnungsprobleme.“
Insgesamt ist seit 2024 ein leichter Anstieg beim Mittelabruf zu verzeichnen. Die Zahl der Anträge stieg bis Ende Juni auf rund 21.000 – ein Plus von 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 93 Prozent davon wurden bewilligt. Unter den von der DAK-Pflegekasse betreuten Einrichtungen nutzten bislang 11.300 die Fördermöglichkeit, was einen Zuwachs von knapp zwölf Prozent bedeutet.
DAK-Chef fordert einfacheren Zugang zu Mitteln
Dennoch sieht Storm weiteren Handlungsbedarf. Er plädiert für eine Vereinfachung des Zugangs zu den Fördermitteln, etwa durch einen einmaligen Zuschuss mit geringer Eigenbeteiligung. Auch Einrichtungen, die bereits eigene Mittel eingesetzt haben, sollten durch pauschale Ausgleiche profitieren. Zudem spricht sich der DAK-Vorstandschef für eine Anpassung der TI-Pauschalen, die Schaffung eines digitalen Budgets und breit angelegte Informationskampagnen aus. „Neben einer Refinanzierung, die Pflegeeinrichtungen, Versicherte und Pflegebedürftige nicht zusätzlich belastet, bedarf es Informations- und Unterstützungskampagnen, die eine breite Aufklärung ermöglichen und sicherstellen, dass auch kleinere Einrichtungen davon profitieren“, betonte Storm.
Bis zum Jahr 2030 können Fördergelder aus dem PpSG beantragt werden. Ob die Pflegebranche bis dahin den Rückstand bei der TI-Anbindung aufholen kann, hängt nach Einschätzung der DAK maßgeblich von politischen und strukturellen Anpassungen sowie einer vereinfachten Mittelvergabe ab.
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