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Pflege im Umbruch: EXPO Living & Care bringt Politik und Praxis an einen Tisch
Auf der Eröffnungsveranstaltung der EXPO Living & Care in Berlin diskutierten die neue Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Katrin Staffler, und hochrangige Vertreter aus Politik, Kostenträgern und Pflegepraxis über Wege aus der Pflegekrise. Im Mittelpunkt stand die Ankündigung der Bund-Länder-Arbeitsgruppe, die bis Ende des Jahres konkrete Vorschläge für eine tiefgreifende Reform der Pflegeversicherung erarbeiten soll.
Auf der Eröffnung der EXPO Living & Care in Berlin führten die Moderatoren Steve Schrader und Mathias Ehbrecht durch eine kontroverse Diskussion über die Zukunft der Pflege. „Wir haben sehr akute Probleme, was die Finanzierung der Pflegeversicherung anbetrifft“, eröffnete Steve Schrader, Chefredakteur von Altenheim und care konkret, die Debatte mit der neuen Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung, Katrin Staffler, und weiteren Vertreter:innen aus Politik und Praxis.
„Die Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung hat die Aufgabe, den Pflegebedürftigen und ihren Familien eine Stimme in der Politik zu geben“, betonte Katrin Staffler in ihrer ersten öffentlichen Diskussion. Sie bringt eigene Erfahrungen zum Thema Pflegebedürftigkeit aus dem engsten Familienkreis mit. Und dass sie neu sei in dem Amt, gebe ihr einen unverstellten Blick auf die Themen.
Martin Schölkopf vom Bundesgesundheitsministerium musste sich auf dem Podium kritischen Fragen zur Finanzierung stellen. Er bestätigte, dass zunächst nur 500 Millionen Euro als Darlehen bereitgestellt werden, statt der geforderten Rückzahlung der Corona-Hilfen von 5 Milliarden Euro.
Nadine-Michèle Szepan, Leiterin der Abteilung Pflege im AOK-Bundesverband, präsentierte auf der Messe alarmierende Zahlen: Waren es 1995 noch 34 Beitragszahler pro Pflegebedürftigem, sind es heute nur noch 11. Sie betonte, dass eine Vollversicherung in der Pflege angesichts dieser Entwicklung unrealistisch sei.
Das Pflegekompetenz- und das Pflegeassistenzgesetz sollen laut Ministerium im August vom Kabinett beschlossen werden. Ein Kernziel ist die Beschleunigung von Vergütungsverhandlungen. Thomas Knieling, VDAB-Bundesgeschäftsführer, äußerte sich jedoch skeptisch, ob dies ausreichen wird, um die Probleme mit säumigen Kostenträgern zu lösen. Er machte deutlich: „Nicht jede Einrichtung wird in Zukunft jede Leistung anbieten können.“ Die Versorgungsfrage sei drängender als die Finanzierung. Er forderte, die Praxis in Reformprozesse einzubeziehen: „Es braucht realistische Lösungen, keine weiteren Luftschlösser.“
Bernhard Schneider, Hauptgeschäftsführer der Evangelischen Heimstiftung, kritisierte, dass das rechtliche Streiten um Vergütungen zu langwierig sei. Er forderte verbindlichere Regelungen gegenüber den Kostenträgern und schlug eine Art automatische Vergütung bei Zeitverzug vor.
Praxis mahnt schnellere Umsetzung von Innovationen an
Kaspar Pfister, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der BeneVit-Gruppe, kritisierte die schleppende Umsetzung innovativer Konzepte. Als Beispiel nannte er das „Stambulante Modell“, das seit 2016 als Pilotprojekt läuft, aber immer noch nicht flächendeckend eingeführt wurde. Er forderte: „Wir müssen endlich aufhören zu diskutieren und zu prüfen und zu reden, sondern wir müssen endlich machen.“
Die Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass neben der Finanzierung auch Themen wie Bürokratieabbau, Digitalisierung und Prävention angegangen werden müssen. Die Stärkung der Rolle der Kommunen in der Pflegeplanung wurde ebenfalls als wichtiger Punkt hervorgehoben. Die Bund-Länder-Arbeitsgruppe soll bis Ende 2024 Vorschläge präsentieren, konkrete Gesetzgebungen könnten ab 2026 folgen. Einigkeit herrschte darin, dass die Praxis stärker eingebunden und die Umsetzung konkreter Maßnahmen nun endlich angegangen werden müsse.
Zuvor hielt Paula Brandt eine Keynote über die Zukunft der Pflege und Wirtschaft. Die ehemalige Microsoft-Managerin und heutige Bestseller-Autorin plädiert für einen Paradigmenwechsel in Unternehmen und der Pflegebranche.
Die Rednerin betonte die Notwendigkeit, den Return on Investment (ROI) neu zu definieren. „Performance mit Menschlichkeit“ sei der Schlüssel. Dabei seien betriebswirtschaftliche Instrumente keine Feinde der Pflege.
Die Rednerin schloss mit einem optimistischen Ausblick: „Etwas ist im Aufbruch.“ Sie ermunterte die Zuhörer, sich auf Veränderungen einzulassen und gemeinsam Lösungen zu finden, auch wenn der Weg nicht leicht sei.
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