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Pflege der Zukunft: Prävention, Reha und Angehörige stärker einbinden

Nur durch mehr Prävention, Rehabilitation und die stärkere Einbindung von Angehörigen lässt sich die Pflege für die Zukunft sichern. Experten fordern schnelle Gesetzesumsetzungen und eine bessere Finanzierung.

Martin Schölkopf, Leiter der Abteilung Pflegeversicherung, fordert schnellere Gesetzesumsetzungen und mehr Prävention in der Pflege. Foto: Daniel George Photography

Ein neuer Bundestag wurde gewählt – wie geht es nun mit der Pflege weiter? In einer Online-Diskussion der Redaktion „Wohlfahrt intern“ zur Zukunft der Pflegepolitik wurde deutlich, dass die professionelle Pflege allein die Herausforderungen der kommenden Jahre nicht bewältigen kann. Die Politik will künftig verstärkt auf Prävention, Rehabilitation und eine bessere Einbindung informeller Pflege setzen.

Zunächst müssten jedoch die bestehenden Gesetze umgesetzt werden. Dr. Martin Schölkopf, Leiter der Abteilung Pflegeversicherung und -stärkung im Bundesministerium für Gesundheit, betonte die Bedeutung der bereits ausgearbeiteten Gesetzesvorlagen: „Diese Gesetze müssen jetzt schnell umgesetzt werden. Sie sind gut und notwendig.“ Dabei handelt es sich um das Pflegeassistenzgesetz und das Pflegekompetenzgesetz, die bereits in der Schublade liegen. Andreas Wedeking, Geschäftsführer des VKAD (Verband katholischer Altenhilfe in Deutschland), sieht das genauso: „Ich erwarte, dass jede Partei diese Gesetze sofort umsetzt, egal, wer das Bundesgesundheitsministerium führt.“ Gleichzeitig müsse die Finanzlage der Pflegeversicherung stabilisiert werden, um die Eigenanteile der Pflegebedürftigen zu begrenzen. Schölkopf spricht sich dabei für eine Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze sowie eine stärkere Einbeziehung der privaten Pflegeversicherung in die Finanzierung der Pflege aus. Sowohl Sebastian Thieswald, Geschäftsführer der Aspida GmbH, als auch Andreas Wedeking plädierten zudem für den sogenannten Sockel-Spitze-Tausch, bei dem die Eigenanteile der Pflegebedürftigen gedeckelt und die Mehrkosten solidarisch finanziert werden.

Mehr Prävention und Rehabilitation zur Entlastung des Systems

Doch all das allein wird nicht ausreichen, um den demografischen Wandel zu bewältigen. Vielmehr müsse das Ziel sein, Pflegebedürftigkeit zu vermeiden bzw. zu verzögern, um den starken Anstieg der Zahl pflegebedürftiger Menschen abzuflachen. Martin Schölkopf betonte, dass Prävention und Rehabilitation deutlich ausgeweitet und gestärkt werden müssen – und zwar schon bevor Pflegebedürftigkeit eintritt. Dies könne langfristig Kosten senken und die Belastung der professionellen Pflege verringern. Ziel sei es, die Zahl der Pflegebedürftigen nicht durch Leistungskürzungen zu begrenzen, sondern durch frühzeitige Maßnahmen zur Gesundheitsförderung.

Stärkere Einbindung informeller Pflege und Angehöriger

Da die professionelle Pflege nicht alle Herausforderungen allein bewältigen kann, müsse zudem die Zusammenarbeit mit Angehörigen und Nachbarschaftshilfen besser organisiert und gefördert werden. Dabei spiele auch das ambulante Konzept der BeneVit-Gruppe eine Rolle. Schölkopf hofft noch immer, dass dieses Modellprojekt in der neuen Legislaturperiode zur Regelversorgung wird. Es müsse ein Weg gefunden werden, die Lücke zwischen professioneller und familiärer Pflege zu schließen. Schölkopf sagte: „Wir brauchen eine stärkere Einbindung der Angehörigen. Das muss formalisierter werden.“

Kritik an Krankenkassen und Bürokratie

Mehrere Teilnehmer kritisierten die Krankenkassen für ihre zögerliche Haltung gegenüber innovativen Versorgungsmodellen wie etwa dem Abschluss eines Gesamtversorgungsvertrags. „Willige Träger laufen vor verschlossenen Türen“, so Wedeking. Es sei zu schwer, mit den Kassen darüber zu verhandeln. Wedeking: „Die Kassen blocken, obwohl Angebote mit einem Gesamtversorgungsvertrag kostensparend sind und stark in das Quartier hineinwirken, also auch Angehörige miteinbeziehen.“

Ein weiterer großer Kritikpunkt: Die Verhandlungen über Pflegevergütungen dauerten zu lange, viele Leistungserbringer kämpften mit finanziellen Engpässen. Auch die verspäteten Zahlungen der Sozialämter wurden scharf kritisiert. „Es kann nicht sein, dass wir die Bank spielen. Wir haben diese Liquiditätsreserven nicht mehr“, so Thieswald. Eine Vorabfinanzierung müsse etabliert werden, um die finanzielle Stabilität von Pflegeeinrichtungen zu sichern. Thieswald forderte zudem eine drastische Reduzierung der Anzahl der Krankenkassen, um den Verwaltungsaufwand zu senken und Kosten zu sparen.

Von Steve Schrader