Analyse & Diskussion
Die Lage der Betreiber hat sich stabilisiert
Bei einer Pressekonferenz zur Situation auf dem Senioren- und Gesundheitsimmobilienmarkt waren sich die Immobiliendienstleister- und -entwickler einig: Den Betreibern geht es wieder besser.
Von Olga Sophie Ennulat
Keinen einzigen Betreiberausfall habe es bei ihnen im vergangenen Jahr gegeben, sagte Christian Möhrke, CFO von Cureus, im Rahmen einer Online-Pressekonferenz zur Entwicklung des Senioren- und Gesundheitsimmobilienmarktes in Deutschland am Dienstag vergangener Woche. Das spreche für die Betreiber, mit denen Cureus arbeitet. Die, die weniger gut mit den Herausforderungen umgehen konnten, seien inzwischen vom Markt verschwunden. Insofern hat zwar eine Bereinigung stattgefunden, aber die allgemeine Stabilität in Deutschland wird laut Möhrke von ausländischen Investoren in Frage gestellt.
Positive Entwicklung trotz Herausforderungen
Auch Jens Nagel, Geschäftsführer von Hemsö in Deutschland, merkt, dass es den Betreibern wieder besser geht, obwohl es für ihn zunächst nicht danach aussah: „Wir hatten im Jahr 2023 drei Betreiberinsolvenzen und das für 2024 auch prognostiziert, aber es hat sich in weiten Teilen nicht bewahrheitet. Im Gegenteil: Die Betreiber haben sich als stabiler erwiesen, als man es zu hoffen vermochte.“ Zu schaffen machen Hemsö aber die hohen Kosten bei Neubauten – auch wegen der in Deutschland einzuhaltenden Regularien. In Schweden, wo Hemsö ebenfalls aktiv ist, seien die Kosten für einen Pflegeheim-Neubau rund 40 Prozent niedriger als hier. Nagel wünscht sich eine bundesweit einheitliche Gesetzeslage. Diese würde auch bei Investoren für eine höhere Sicherheit sorgen.
Nachhaltigkeit und Regularien im Fokus
Christian Möhrke monierte den Aufwand, den Cureus inzwischen betreibe, um Nachhaltigkeitsregularien zu erfüllen, statt so zu bauen, wie es für Pflegebedürftige und Mitarbeitende sinnvoll wäre. Berthold Becker, Managing Director von TSC Real Estate, findet ebenfalls, dass sich der Betreibermarkt 2024 stabilisiert hat. „Große Insolvenzen haben wir nicht gesehen“, so Becker. Eine Reform der Pflegeversicherung sei aber dringend notwendig.
Personalmangel und Konsolidierung
Einig waren sich die Beteiligten darüber, dass Betreiber den Personalmangel in den Einrichtungen im Griff haben müssten. Einige könnten das besser als andere, so Jens Nagel. Berthold Becker sprach sich für Konsolidierung aus, sofern sie gut durchgeführt werde. Als positives Beispiel sei hier Alloheim hervorzuheben, wo „konstruktiv mit Herausforderungen“ umgegangen werde, konstatierte Becker. Er unterstrich auch die Bedeutung der regionalen Verbundenheit der Betreiber als Mittel gegen den Fachkräftemangel.
Fachkraftquote und digitale Entlastung
Jens Nagel sprach sich außerdem dafür aus, die Fachkraftquote in Pflegeheimen bundesweit abzuschaffen. Den Bedarf mit ausländischen Fachkräften zu decken, sei eine Illusion. Die bestehenden Fachkräfte müssten effektiv eingesetzt werden. Auch der Einsatz digitaler Tools könne helfen, das Personal zu entlasten. Zehn Prozent weniger Verwaltungsaufwand in der Pflege setze 50.000 Vollzeitkräfte frei, ist der Hemsö-Deutschland-Chef überzeugt.
Auswirkungen der Krankenhausreform
Auch die Krankenhausreform und ihre Auswirkung auf andere Versorgungsbereiche war bei der Pressekonferenz kurz Thema. So ist Berthold Becker von TSC Real Estate überzeugt, durch die Reform würden noch mehr Kurzzeitpflegeplätze benötigt. Nagel warf ein, Pflegeheime könnten bei Klinikschließungen von freigewordenem Personal profitieren.
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