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„Das Zielbild ist die komplette Digitalisierung“

In punkto Digitalisierung setzt die Evangelische Heimstiftung (EHS) in Baden-Württemberg seit Jahren selbst eigene Innovationsstandards. Mit der Anbindung der Pflege an die Telematikinfrastruktur verbindet sie entsprechend konkrete Erwartungen. Details nennt Martin Schäfer, Geschäftsbereichsleiter Pflegedienste und Innovation, im Interview.

Porträt Marin Schäfer, EHS
Martin Schäfer, Geschäftsbereichsleiter Pflegedienste und Innovation, Evangelische Heimstiftung. Foto: EHS

Zum 1. Juli 2025  wird die TI-Anbindung für Pflegeeinrichtungen und -dienste verpflichtend. Welche Hoffnungen verbinden Sie mit der Anbindung?
Martin Schäfer: Eine zuverlässige, sichere Kommunikation mit allen Kooperationspartnern im Gesundheitswesen und die Basis für weitere Dienste und Services innerhalb dieser Infrastruktur.

In welchen ­TI-Anwendungen sehen Sie heute schon Potenzial für schlankere Prozesse?
Die KIM ist sicher die zunächst wichtigste Basis, um einen sicheren Austausch von Informationen und Dokumenten sicherzustellen. Im Bereich der Televisite sehen wir großes Potential.

Und mittel- und langfristig – in welchen Bereichen ­versprechen Sie sich im weiteren Ausbau der TI weitere Optimierungen?
Letztlich ist das Zielbild die komplette Digitalisierung des Gesundheitswesens und das halten wir auch für den richtigen Weg. Die ePA, die GesundheitsID als auch das E-Rezept können zu einer schnellen reibungslosen Behandlung zum Nutzen der Kunden beitragen. Mit der Televisite als auch dem Telenursing kann auch im strukturschwachen ländlichen Bereich und mittelfristig auch in Ballungszentren dem Fachkräfte- und Fachärztemangel entgegengewirkt werden.

Welche Ursachen machen Sie verantwortlich dafür, dass die Telematikinfrastruktur in der Pflege bislang nicht durchgreifend an Fahrt aufgenommen hat?
Die Anbindung an die TI ist extrem aufwändig und unnötig kompliziert, sämtliche digitale Prozesse sind vorrangig auf Arztpraxen und Apotheken ausgelegt. Der stationäre Pflegebereich wurde bei der Gestaltung der Prozesse nicht mitgedacht. Eine SMC-B pro IK ist für große Träger sehr aufwändig in der Erstbeschaffung, im Managen der Installation als auch bei der Wiederbeschaffung. Die Voraussetzung eines eHBA zur Beantragung einer SMCB ist eine weitere Hürde, die nur schwer nachzuvollziehen ist.
Die aktuelle Hardware (Konnektoren, Lesegeräte) wird kurz nach der Beschaffung bereits durch die TI 2.0 schon wieder in Frage gestellt. Da die Gematik hinter ihrem eigenen Zeitplan liegt, scheint die TI 2.0 die aktuelle Version zu überholen, obwohl die erste Version noch nicht ansatzweise flächendeckend umgesetzt wurde. Insgesamt sorgt dies alles für Unklarheit, unnötig komplizierte Prozesse und lässt eine Planungssicherheit vermissen.

Welche Schritte gehen Sie jetzt (Stand Juli 2024) konkret an – ggf. zusammen mit dem Softwaredienstleister –, um die TI-Anbindung reibungslos bis zum 1.7.25 zu vollziehen?
Wir haben eine KIM-Domain gebucht, sämt­liche ambulanten SMCBs organisiert und sind im ambulanten Bereich fast fertig mit der Anbindung. Im nächsten Schritt werden wir die stationären und teilstationären Einrichtungen anbinden. Die Schnittstelle zur Fachsoftware ist in Arbeit. Den Zeitplan werden wir einhalten.

Stichwort Refinanzierung. Wie bewerten Sie die Ende April 2024 erfolgte Einigung der Pflege-Selbstverwaltung. Werden die Pauschalen der TI-Anbindung einen deutlichen Schub geben?
Die Refinanzierung über eine Pauschale ist grundsätzlich eine gute Lösung. Ob die Höhe der Pauschale tatsächlich einer Refinanzierung der entstandenen Kosten gleichkommt und ob diese Pauschale der TI einen deutlichen Schub gibt, ist eher zu bezweifeln.

Info: Die Verknüpfung von Mensch und Technik treibt die EHS in einer Vielzahl von Projekten voran. Mit am stärksten wird die Digitalisierungsstrategie des Trägers in dessen ALADIEN-Konzept („Alltagsunterstützende Assistenzsysteme mit Dienstleistungen“) sichtbar: Es kommt in Residenzen, Betreuten Wohnanlagen und ambulant betreuten Wohngemeinschaften zum Einsatz.
Info: www.ev-heimstiftung.de

Interview: Darren Klingbeil