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New Care New Leadership: mehr Tempo, mehr Gespräche
Was leisten Politik, Betreiber, Kassen, Start-Ups, um Pflege besser zu machen? Das war die Frage der Diskussionsrunde bei New Care, New Leadership. Unterschiedliche Perspektiven, aber es gibt ein Ziel.
Von Kerstin Hamann
In der Podiumsdiskussion am ersten Tag von New Care New Leadership ging es um die Frage, welchen Beitrag jeder einzelne Akteur in der Pflege leisten kann, um die Pflege, die Versorgung, das Personalmanagement zu verbessern. Denn wenn sich die Strukturen nicht ändern, wird das System der Pflegeversicherung in 10 bis 20 Jahren zusammenbrechen, so die Politikerin Kordula Schulz-Asche.
Neues Handeln ist nötig
Um das zu verhindern, brauche es neue Führung, schnelleres Handeln, weniger Regulierung, ehrlichen Austausch und viele, viele Gespräche aller Beteiligten. Dafür war die Diskussionsrunde ein gutes Beispiel mit Vertreter:innen aus Politik, Kassen, Betreibern und Start-ups.
Nötig ist ein anderer Umgang mit Mitarbeiter:innen, betonte Christian Potthoff, Geschäftsführer, Diakonie Michaelshoven Pflege und Wohnen gGmbH: „Wir als Führungskräfte, gerade im New Leadership, müssen uns mit unseren Mitarbeiter:innen in unserem Unternehmen auseinandersetzen. Das haben wir getan. Wir haben Kümmerer-Positionen geschaffen, das fängt oben beim Geschäftsführer an. Aber das muss auch in die einzelnen Pflegebereiche transportiert werden.“
Mehr Tempo
Kordula Schulz-Asche bekräftigte, dass ein starkes Narrativ der Professionalität in der Pflege notwendig sei. „Wir müssen auch schnell versuchen, große erfolgreiche Projekte in die Fläche zu bringen. Nicht wieder irgendetwas anfangen, um in den Innovationsfonds zu kommen, sondern wirklich versuchen, Projekte aus dem Innofonds in die Fläche zu bringen.“
Weniger regulieren, mehr offene Gespräche
Kip Sloane, Geschäftsführer Schönes Leben Wohnen & Ambulante Pflege, appellierte an Kassen und Politik: „Man muss uns auch mehr machen lassen. Wir sind überreguliert. Es wird uns immer schwerer gemacht, etwas zu tun.“
Offene Worte kamen auch von Matthias Mohrmann, Vorstandsmitglied der AOK Rheinland/Hamburg: „Wir müssen offen sein und in die Diskussion gehen. Wir als Krankenkassen machen da nicht immer einen guten Eindruck, manchmal schotten wir uns auch sehr ab.“ Wobei die AOK Rheinland/Hamburg bei Innovationen sehr aktiv ist, siehe SGB Reha.
Ohne Digitalisierung geht es nicht
Ohne den flächendeckenden Einsatz digitaler Lösungen könne gute Pflege nicht gelingen, sagte Judith Ebel, Geschäftsführerin von Care for Innovation: „Die Pflegenden sind engagiert beim Thema Digitalisierung. Sie haben eine klare Wunschliste: stabiles Internet, elektronische Pflegedokumentation, Assistenzsystem zur Teilhabe. Die Liste ist lang.“ Und was tut die Bundesregierung? Die unterstützt das mit 12.000 Euro. „Und so kann es nicht weitergehen. Die Lösungen, die es schon gibt, müssen sichtbarer werden und ich wünsche mir eine vernünftige Umsetzung.“
Wo bleibt der Aufschrei der Gesellschaft?
„Wie soll das mit 12.000 Euro gehen? Dafür bekommt man nicht einmal W-LAN in einer Einrichtung“, fragte Moderatorin Olga Sophie Ennulat, Redakteurin care konkret und Altenheim. „Da muss mehr kommen.“ Dafür brauche es öffentliche Unterstützung, stimmte Schulz-Asche zu. Nicht nur für die Digitalisierung, sondern auch für die Vernetzung. „Es braucht auch Menschen, die das einfordern. Es braucht politischen Druck aus der Gesellschaft.“ Diese Prozesse sehe sie in der Gesellschaft nicht.
Auf die Frage nach der zukünftigen Struktur der Pflegeversicherung, sagte Schulz-Asche: „Ich glaube, dass die Pflegeversicherung, wenn wir sie so weiter gestalten wie bisher, nicht zukunftsfähig ist für die Herausforderungen, die vor uns liegen. Wir haben Beitragszahler und Leistungsempfänger, dieses Verhältnis stimmt schon heute nicht mehr. Und es wird in den nächsten 10 bis 20 Jahren zusammenbrechen, wenn sich nicht grundlegend etwas ändert.“
Gemeinsam etwas schaffen
Letztendlich war bei allen der Wille vorhanden, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. „Wenn wir ein Problem zu lösen haben, müssen wir in einer regionalen oder überregionalen Struktur alle Akteure an einen Tisch bringen, um miteinander zu reden. Mein Angebot lautet: Wir sind mit an Bord. Wir stellen unsere Ressourcen zur Verfügung“, appellierte Christian Potthoff.
New Care New Leadership ist ein innovatives Veranstaltungsformat von Vincentz Network, das am 5. und 6. Dezember in Berlin Premiere feierte.
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