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WTG-Reformgipfel: „Pflegepolitik muss Versorgung ermöglichen statt nur zu kontrollieren“
Der WTG-Reformgipfel in Nordrhein-Westfalen hat deutliche Kritik an den aktuellen Reformplänen hervorgebracht. Vertreter aus Praxis, Trägern und Angehörigenselbsthilfe sehen das System unter massivem Druck. Zugleich formulierten sie konkrete Forderungen für mehr Vertrauen, Flexibilität und verlässliche Finanzierung.
Die aktuelle Reform des Wohn- und Teilhaberechts in Nordrhein-Westfalen stößt laut den Beteiligten auf breite Ablehnung. Claudia Ott, Vorständin der Theodor-Fliedner-Stiftung und Sprecherin der Ruhrgebietskonferenz-Pflege, kritisierte den Ansatz als „stark verwaltungszentriert, nicht aus Sicht der Versorgung oder Betroffenen gedacht“. Zusätzliche Bürokratie verschärfe die Lage, ohne grundlegende Probleme wie den Mangel an Pflegeplätzen oder steigende Kosten zu lösen. Ihr Fazit: Pflegepolitik müsse „Versorgung ermöglichen statt nur zu kontrollieren“.
Angehörige und Strukturen stärker einbinden
Notburga Ott von „wir pflegen NRW“ bemängelte die geringe Berücksichtigung pflegender Angehöriger. Diese seien „zentrale Vermittler zwischen Pflegebedürftigen und Pflegekräften“, würden im Gesetz jedoch nur randständig behandelt. Gefordert wird ein stärker verankertes „Dreiecksverhältnis“ zwischen Pflegebedürftigen, Fachkräften und Angehörigen.
Helmut Wallrafen, ehemaliger langjähriger Geschäftsführer der Sozial-Holding Mönchengladbach und jetzt Sprecher von ZukunftPflege NRW, sprach zudem von einem „Systemversagen statt individuellem Versagen“. Die zunehmende Bürokratie entziehe Zeit für direkte Pflege, während es zugleich an Ehrlichkeit über die tatsächlichen Kosten fehle. Ohne Anpassungen drohe eine weitere Erosion des Systems.
Neue Modelle und Digitalisierung als Chancen
Martin Sartorius, Geschäftsführer der Rheinischen Gesellschaft für Diakonie, verwies auf die Notwendigkeit neuer Versorgungsmodelle. Integrierte Wohn- und Pflegeformen könnten ermöglichen, „mehr Menschen mit gleichem Personal versorgt werden“. Voraussetzung sei jedoch der Abbau starrer Sektorengrenzen und Vorgaben.
Im Bereich neuer Wohn- und Versorgungsformen verwies Sylvia Metche von der SMMP-Seniorenhilfe auf anbieterverantwortete Wohngemeinschaften. Innovative Modelle seien politisch gewünscht, würden in der Praxis jedoch durch uneinheitliche Regelungen und fehlende Finanzierung gebremst. Doppelprüfungen und regionale Unterschiede in der Genehmigungspraxis sorgten für erhebliche Unsicherheiten. Metche forderte daher einheitliche Rahmenbedingungen und verlässliche Finanzierungsstrukturen, um Innovation zu ermöglichen.
Auch Digitalisierung wurde als zentraler Hebel hervorgehoben. Christian Schultz, Vorstand und Geschäftsführer der Diakonie-Stiftung Salem, betonte, KI-gestützte Dokumentation könne rund 28 Minuten Zeitersparnis pro Mitarbeitendem und Tag bringen. Diese Zeit komme direkt der Versorgung zugute. Voraussetzung seien jedoch Investitionen, IT-Sicherheit und Vertrauen in digitale Prozesse.
Forderung nach Ermöglichungsgesetzen
Praxisbeispiele wie digitale Vermittlungsplattformen und neue Wohnformen zeigen laut den Beteiligten Potenzial, würden jedoch durch uneinheitliche Regelungen und unsichere Finanzierung gebremst. Auch in der Eingliederungshilfe bestünden strukturelle Defizite.
Im Ergebnis fordern die Akteur:innen einen grundlegenden Kurswechsel. „Trust in Care“ sei die zentrale Leitidee. Roland Weigel, Koordinator des Gipfels, fasste zusammen: „Wir brauchen endlich Ermöglichungsgesetze, damit sich Pflege mit ihren Kompetenzen entfalten und weiterentwickeln kann“.
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