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Vier-Tage-Woche in der Pflege: Münchner Pilotprojekt zieht positive Zwischenbilanz
Die städtische Pflegeheimbetreiberin MÜNCHENSTIFT testet seit Oktober 2025 ein neues Arbeitszeitmodell: Das Konzept sieht vor, dass die wöchentliche Arbeitszeit von 39 Stunden unverändert bleibt, jedoch auf vier statt fünf Tage verteilt wird. Nach der Hälfte der Testphase fallen die Rückmeldungen der Beschäftigten überwiegend positiv aus – allerdings nicht für alle Lebenssituationen gleichermaßen.
Rund 90 Prozent der Rückmeldungen aus der Belegschaft seien positiv, teilte MÜNCHENSTIFT‑Geschäftsführer Andreas Lackner Mitte Januar mit. Das Unternehmen erprobt das Modell in allen neun Alten‑ und Pflegeheimen. Pro Einrichtung nimmt jeweils ein Wohnbereich an dem sechsmonatigen Pilotprojekt teil.
Arbeitszeitmodell: 39 Stunden auf vier Tage verteilt
Das Konzept sieht vor, dass die wöchentliche Arbeitszeit von 39 Stunden unverändert bleibt, jedoch auf vier statt fünf Tage verteilt wird. Konkret arbeiten die teilnehmenden Pflegekräfte laut MÜNCHENSTIFT nun 9 Stunden und 45 Minuten pro Tag anstelle der bisherigen 7 Stunden und 48 Minuten, jeweils zuzüglich Pause. Im Gegenzug erhalten sie einen zusätzlichen freien Tag pro Woche.
Die Mehrarbeit von einer Stunde und 42 Minuten pro Arbeitstag falle für jüngere, kinderlose Beschäftigte kaum ins Gewicht, erklärte Geschäftsführer Lackner. Diese Gruppe nehme den zusätzlichen freien Tag als großen Vorteil wahr. Anders stelle sich die Situation für Mütter und Väter dar: Die längeren Arbeitszeiten passten weniger gut zu deren Alltag, etwa weil sie Kinder zu festen Zeiten aus der Betreuung abholen müssten.
Die MÜNCHENSTIFT betont, dass die Vier‑Tage‑Woche ein freiwilliges Angebot sei und dies auch bei einer möglichen Fortführung nach Ende der Testphase so bleiben solle. Mitarbeitende könnten sich dann für das Arbeitszeitmodell entscheiden, das am besten zu ihrer jeweiligen Lebenssituation passe, so Lackner.
Stimmen aus der Praxis: Mehr Zeit für Bewohner und Freizeit
Aus der Belegschaft kommen positive Stimmen. Zerina Avdic, 21‑jährige Pflegehelferin im MÜNCHENSTIFT‑Haus an der Tauernstraße, berichtete, sie genieße die zusätzliche Freizeit. Die langen Schichten seien für sie kein Problem – sie könne sich sogar vorstellen, Zwölf‑Stunden‑Dienste zu arbeiten. An den längeren Arbeitstagen habe sie deutlich mehr Zeit für die Bewohnerinnen und Bewohner und könne sich intensiver mit ihnen beschäftigen. Zudem ermögliche die Überlappung der Dienste eine bessere Unterstützung der Kolleginnen und Kollegen. Sollte die MÜNCHENSTIFT das Modell nach der Testphase weiter anbieten, wolle sie auf jeden Fall dabei bleiben.
Auch Mirza Hasanovic, 36 Jahre alt und Wohnbereichsleiter im MÜNCHENSTIFT‑Haus Ramersdorf, zeigte sich zufrieden. Er habe sich längere Dienste gewünscht und freue sich über die Möglichkeit. Die zusammenhängenden freien Tage täten ihm gut – bereits zweimal habe er Kurztrips in die Niederlande und nach Bosnien unternommen, ohne dafür Urlaub nehmen zu müssen. Hasanovic beobachte zudem, dass die langen Schichten die Personalsituation am Morgen entspannten, wenn in der Pflege die meiste Arbeit anfalle. Für junge und ungebundene Menschen sei das Konzept ideal, so sein Fazit.
Strukturelle Vorteile durch überlappende Dienstzeiten
Laut MÜNCHENSTIFT soll das Modell den Mitarbeitenden längere Erholungsphasen ermöglichen: Wer vier lange Tage hintereinander arbeite, habe anschließend drei Tage am Stück frei. Bei entsprechender Dienstplangestaltung könnten daraus sogar sechs oder mehr zusammenhängende freie Tage werden. Ein weiterer Effekt der verlängerten Arbeitszeiten sei, dass sich einzelne Dienste überlappen, wodurch Mitarbeitende ihre Bürozeiten entspannter erledigen könnten.
Die Testphase läuft noch bis Ende März 2026. Ob die MÜNCHENSTIFT das Modell danach dauerhaft einführt, ist laut der Pressemitteilung noch offen. Das Unternehmen beschäftigt nach eigenen Angaben rund 2.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und betreibt neben den neun Pflegeheimen auch fünf Seniorenwohnheime, fünf Stützpunkte eines ambulanten Pflegedienstes sowie drei Tagespflegeeinrichtungen.
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