Aus- und Weiterbildung

Steigende Ausbildungszahlen „kein Grund zum Feiern“?

Die Zahl der Neuverträge in der Pflegeausbildung ist im vergangenen Jahr um neun Prozent gestiegen. Doch die Zunahme reicht laut Verbänden nicht aus, um die Fachkräftelücke zu schließen. Reformen seien nötig.

Ausbildung Pflege, Pflege-Azubis
Knapp 147.000 Personen befanden sich 2024 in einer Ausbildung zur Pflegefachfrau bzw. zum Pflegefachmann. Foto: Werner Krüper

Der bpa, Patientenschützer und Krankenhäuser sehen in steigenden Ausbildungszahlen in der Pflege noch keinen Grund zur Entwarnung. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden wurden im vergangenen Jahr neun Prozent mehr neue Ausbildungsverträge zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann abgeschlossen als im Jahr davor. Laut der Deutschen Stiftung Patientenschutz kommt es allerdings darauf an, den Nachwuchs langfristig im Beruf zu halten. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft verwies darauf, dass der Anstieg bislang nicht ausreiche, die Fachkräftelücke zu füllen.

Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, nannte die Zahlen „trügerisch“. Höhere Gehälter reichten nicht, um Pflegekräfte im Job zu halten. „Neben planbaren Arbeitszeiten und einer guten Work-Life-Balance muss der Pflege mehr Verantwortung übertragen werden“, sagte Brysch.

Auch der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, verwies auf aktuell unattraktive Arbeitsbedingungen in der Pflege. Täglich müsse eine Pflegekraft drei Stunden Schreibarbeit aufwenden, sagte Gaß. Nur eine Stunde weniger Bürokratie täglich würde die Arbeitskraft von 47.000 Fachkräften freisetzen: „Damit wäre der Fachkräftemangel in der Pflege mit einem Schlag gelöst, der Beruf hätte an Attraktivität gewonnen und der Druck auf die Beschäftigten wäre weitaus geringer.“ Zudem reiche das leichte Plus bei den Ausbildungsverträgen nicht aus, da in den kommenden zehn Jahren rund 300.000 Klinikbeschäftigte in den Ruhestand träten.

Laut dem Statistischen Bundesamt gab es im vergangenen Jahr 59.500 Neuverträge in der Pflege, ein Plus von 5.100 im Vergleich zu 2023. Zum Jahresende 2024 befanden sich nach vorläufigen Ergebnissen insgesamt 147.100 Personen in einer Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann. Damit hat sich die Zahl der Auszubildenden in der Pflege insgesamt gegenüber dem Jahresende 2023 (146.900 Auszubildende) kaum verändert.

Während die Zahl der weiblichen Auszubildenden 2024 leicht um ein Prozent oder 1.200 auf 108.700 abnahm, stieg die Zahl der männlichen Auszubildenden gegenüber dem Vorjahr um vier Prozent oder 1.400 auf 38.400. Somit waren immer noch 74 Prozent der Pflegeauszubildenden Frauen. Im Jahr 2020, dem Einführungsjahr der generalistischen Pflegeausbildung, hatte der Frauenanteil bei 76 Prozent gelegen. Damit blieb die Geschlechterverteilung seit der Einführung der neuen Pflegeausbildung weitgehend konstant.

Auch dem Präsidenten des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa), Bernd Meurer, sind die Zahlen noch zu niedrig:„Bei den Gesamtzahlen der Azubis sehen wir noch immer nur Zuwächse im homöopathischen Bereich. Das kann die nächste Bundesregierung nicht weiter laufen lassen. Wenn die Zahl der Pflegebedürftigen um mehrere hunderttausend Menschen jährlich steigt, ist ein Zuwachs von insgesamt 220 angehenden Pflegefachkräften in der Ausbildung kein Grund zum Feiern. Die generalistische Ausbildung muss endlich auf den Prüfstand und auch eine parallele Wiedereinführung der eigenständigen Altenpflegeausbildung muss diskutiert werden. Diese hat jahrelang verlässlich für massive Zuwächse gesorgt.“ Die schnellste Lösung der aktuellen Personal- und Angebotskrise liege aus seiner Sicht „in einer deutlich beschleunigten und vereinfachten Zuwanderung“. (epd)