Pflegemarkt

Hamburg übernimmt Pflegen & Wohnen: Rückkehr in städtische Hand abgeschlossen

Mit der Übernahme von Pflegen & Wohnen Hamburg ist eines der größten Hamburger Pflegeunternehmen wieder in städtischem Eigentum. Politik und Verwaltung sprechen von einem wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit.

Melanie Schlotzhauer (SPD), Präses der Hamburger Behörde für Gesundheit, Soziales und Integration (Sozialbehörde) Foto: Senatskanzlei Hamburg/Jan Pries

Die Hamburger Gesellschaft für Vermögens- und Beteiligungsmanagement mbH (HGV) hat mit Ablauf des dritten Quartals 2025 im Auftrag der Stadt die Gesellschafteranteile an Pflegen & Wohnen Hamburg GmbH sowie der Hamburger Seniorenimmobilien GmbH von der Deutsche Wohnen SE übernommen. Senat und Bürgerschaft hatten den Ankauf zu Jahresbeginn 2025 beschlossen. Am Tag nach dem Vollzug kam der neue Aufsichtsrat erstmals zusammen – geleitet von der Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer (SPD), die den Vorsitz übernommen hat.

Pflegen & Wohnen Hamburg betreibt rund 2.400 stationäre Pflegeplätze an zwölf Standorten und deckt damit etwa 15 Prozent des Hamburger Marktes ab. Neben der allgemeinen Versorgung bietet das Unternehmen spezialisierte Pflegeleistungen an, etwa für Bewohner:innen mit demenziellen Veränderungen, für Menschen im Wachkoma, für Bewohner:innen mit richterlichem Unterbringungsbeschluss, für Männer mit Korsakow-Syndrom sowie für alkoholabhängige Menschen. Seit Jahrzehnten gilt diese Ausrichtung auf komplexe Versorgungsbedarfe als besondere Kompetenz des Unternehmens. Etwa 2.000 Beschäftigte arbeiten in den Einrichtungen – mit Tarifbindung.

Schlotzhauer betonte, dass die Stadt mit der Rückführung in kommunales Eigentum Verantwortung für eine moderne, langfristig gesicherte Grundversorgung übernehme. „Wir werden die Versorgungsstruktur unter wirtschaftlichen Maßgaben markgerecht und zum Wohl der Pflegebedürftigen weiterentwickeln“, sagte die Senatorin laut Mitteilung.

Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) stellte die ökonomische Seite heraus: Die Übernahme belaste den städtischen Haushalt nicht, sichere aber langfristig die Versorgungsstruktur. Pflegen & Wohnen sei solide aufgestellt und könne als Teil des städtischen Verbunds einen Beitrag zur Bewältigung der demografischen Herausforderungen leisten.

HGV-Geschäftsführerin Isabella Niklas verwies auf die Rolle der HGV bei der Integration des Unternehmens in die Stadtwirtschaft: „Wir bündeln finanzielle, organisatorische und immobilienwirtschaftliche Kompetenzen, um eine tragfähige Pflegeinfrastruktur zu sichern.“ Damit entstünden Synergien zwischen Stadt und Unternehmen, die sowohl für Pflegebedürftige als auch für Beschäftigte relevant seien.

Pflegen & Wohnen hat eine lange Geschichte in Hamburg. Die Ursprünge reichen bis ins Jahr 1619 zurück. 2007 wurde das Unternehmen privatisiert, seither wechselten mehrfach die Eigentümer. Unter dem Dach der Deutsche Wohnen SE wurden seit der Privatisierung neun Einrichtungen neu gebaut oder modernisiert. Mit der Rückführung in städtisches Eigentum soll die Versorgung nun wieder stärker in öffentlicher Verantwortung verankert werden.